Ausgabe 23-24/2014

H/W 2015/16
COOL & kuschelig

Testklub: Zuversichtliche Weihnachtsstimmung

Mit dem winterlichen Wetter ist die Zuversicht im Modehandel zurückgekehrt. Ein kleines Plus oder zumindest ein Pari für das Gesamtjahr scheint für viele greifbar. Nach dem wärmsten Herbst seit Beginn der Messungen kamen pünktlich zum ersten Adventwochenende die ersten Minusgrade. Damit stieg die Lust der Kunden auf winterliche Bekleidung deutlich. »Die letzte Woche war recht gut«, sagt Bernhard Adelsberger kurz vor Redaktionsschluss dieser Ausgabe (10. Dezember) stellvertretend für viele Modehändler. »Aber wir haben viel zu kompensieren. Den Oktober haben wir noch knapp pari abgeschlossen, aber der November war ein kompletter Durchhänger mit einem hohen einstelligen Minus«, berichtet der Modehändler aus St. Johann/Pongau. Auch Jutta Pemsel sah sich nach den ersten zwei Adventwochenenden (inkl. 8. Dezember) »über dem Vorjahr«. »Das Wetter passt, und damit auch der Umsatz. Solange die Kunden keine Jacken brauchen, kaufen sie auch keine. Da warten sie lieber auf den Schlussverkauf. Aber mit dem Kälteeinbruch ist auch das Geschäft mit Jacken und Mänteln angesprungen«.

 

Portrait: Großer Auftritt zum 50er

Das Münchner Taschenlabel Aigner wird 50. Ein deutsches Topmodel und eine weltweite Birthday-Kampagne sollen die Marke aufladen und den Umsatz pushen. Sybille Schön ist eine schöngeistige Frau. Als Vorstand der Münchner Premiumbrand Aigner rief sie zum 50.Jubiläum der Marke auf, schöne, romantische und echte Geschichten rund um die Kulttaschen niederzuschreiben und sie in einem „Jubilee-Booklet“ zu bündeln. Eine der rührendsten erzählt Schön voller Begeisterung: „Uns schrieb eine Münchnerin. Im Biergarten ließ sie ihre Aigner-Tasche stehen, als sie nach einer halben Stunde zurück kam, stand dort ein junger Mann, der die Tasche in Händen hielt und so lange »bewachen« wollte, bis die Eigentümerin wiederkam. Das war vor 30 Jahren – die beiden sind bis heute verheiratet.“

 

DOB H/W 15/16: Cool kuscheln

Die neue  Saison mag es sanft und setzt dabei auf Understatement. Mit Hau-drauf-Mentalität kommt man nicht mehr weit. Die Teile sind dennoch ausdrucksstark: egal, ob Männerhose oder Oversize-Hülle. Kennen Sie den Begriff »luxuslässig«? Zugegeben, es ist eine Wortschöpfung der TZ-Redaktion.  Wenn Mode luxuslässig ist, dann ist sie elegant und entspannt zugleich. Dann setzt sie auf Qualität und gleichermaßen auf Zurückhaltung. Ein luxuslässiges Teil schreit nicht, es flüstert auch nicht – es spricht mit klarer, ruhiger Stimme. Wozu diese kleine Erklärung, denken Sie vielleicht. Ganz einfach: Die Saison Herbst/Winter 2015/16 steht stellvertretend für diese Luxuslässigkeit. Die Looks sind easy und unkompliziert, dabei aber sensationell stilvoll und energetisch. Brunello Cucinelli lässt grüßen. Auch an Stella McCartneys Handschrift erinnert man sich. Das DMI (Deutsches Mode-Institut) nennt diese Stilrichtung »Minimal Muchness«: »Reduziert und doch maximal durch Volumen, Proportionen, Verarbeitung und ein anspruchsvolles, aber stets selbstverständlich wirkendes Layering.«

 

Kongress: Zukunft passiert

Auch die Technologie gestaltet den Handel, lautete die Essenz einer Tagung des Handelsverbands. Der 3D-Druck etwa könnte die Branche einschneidend verändern. Zum Guten. Always on – immer online. Das gilt inzwischen nicht nur für uns Menschen, sondern immer mehr auch für Geräte, Gegenstände, Maschinen. Der Kühlschrank, der die Milch selbst nachbestellt, ist zwar immer noch in keinem Haushalt aufgetaucht. Doch in anderen Bereichen hat das sogenannte »Internet der Dinge« Gestalt angenommen: Autos etwa sind heute selbstverständlich per GPS mit dem Internet verbunden. Google arbeitet längst am komplett vernetzten Auto, das ganz ohne Fahrer auskommt. Serienreif sind bereits Systeme, mit denen ein Auto die dahinter kommenden vor auftretenden Hindernissen oder Glatteis warnen kann. Und dass sich Heizungen, Jalousien, Lampen oder Musikanlagen per Smartphone steuern lassen, ist in der heutigen Haustechnik ohnehin schon Standard. Bereits heute sollen mehr als 14 Milliarden Dinge mit dem Internet verbunden sein, bis 2020 soll diese Zahl auf 50 Milliarden steigen.

 

Preview H/W 15/16: Cosy statt kernig

Kernige Kerle sind abgehakt: Heritage – die modische Erbschaft – wird (deutlich) mehr vom Dandy und (viel) weniger vom Naturburschen bezogen. Businessmänner lieben ihren brandaktuellen Jersey-Anzug so sehr, dass sie am Feierabend maximal das Sakko gegen eine überlange Strickjacke tauschen und sich in der Anzughose vorm Kamin am Sofa räkeln. Dieses Wunschbild – gezeichnet von Männermodendesignern – ist natürlich übertrieben, zeigt aber, wo’s hingeht. Vintage-, Used- und Authentic-Look auf der casualigen Seite und formelle Konventionen am anderen Ende der Fahnenstange treten in den Hintergrund - ausgerufen wird eine neue, alles übergreifende Gemütlichkeit.