Ausgabe 22/2014

E-Commerce:
Langer Weg zum Multichannel

Handel: »Zauberstab Smartphone«

Der Versandhändler Unito (Otto, Universal, Quelle) zählt zu den Gewinnern der »digitalen Revolution« im Einzelhandel. 90% der Umsätze finden online statt, auch zu Weihnachten will man satt zulegen. Harald Gutschi schwenkt mit einem Quelle-Katalog: »Das war der letzte Katalog vor der Quelle-Insolvenz, 1.400 Seiten stark. Erst fünf Jahre her, wirkt aber wie ein Relikt aus einem anderen Jahrhundert.« Der Sprecher der Geschäftsführung des Österreich-Ablegers der zum Otto-Konzern gehörenden Unito-Gruppe kann leicht schmunzeln über aus der Mode gekommene Geschäftsmodelle. Das Unternehmen hat sich schnell und konsequent vom Kataloghändler zu einem, wie Gutschi sagt, „modernen Technologieunternehmen“ entwickelt. 2 Mio. Haushalte (von insgesamt 3,5 Mio.) kaufen bei Unito ein, sagenhafte 90% dieser Verkäufe finden bereits online statt.


Kongress: Der Kunde hat das Kommando

Multichanelling, Marketingoffensive inklusive Fernsehwerbung, exzellente Mitarbeiter, innovative Kommunikationsideen – mit diesen Maßnahmen will die Textilindustrie gegen die Krise vorgehen, die sich aus geänderten Lebensstilen, Mediennutzungsverhalten, Wertewandel und vielleicht auch aus dem Wetter entwickelt hat. Das wurde beim Deutschen Modehandelskongress deutlich vor Augen geführt. Der Kunde entscheidet, wann, wo und wie er kauft, wo er sich informiert, wessen Empfehlungen er folgt und welche Ware er zu welchem Zeitpunkt haben möchte. Daunenjacken bei 15 Grad eben mal nicht, das neue Iphone 6 hat sein verfügbares Einkommen ohnehin drastisch gesenkt, also surfen wie mal auf der Coach, was es sonst noch gibt.


Studie: Stationär schlägt online

Eine neue Studie bescheinigt, dass die Deutschen nach wie vor lieber im Laden als im Internet Mode kaufen und liefert weitere Ergebnisse, die auch für Österreich interessant sind. Das Einkaufsverhalten der lieben Nachbarn unterscheidet sich oft nicht allzu sehr von jenem der Österreicher. Daher ist die neue Verbraucheranalyse, die die Managementberatung Porsche Consulting GmbH beim Forschungsinstitut Forsa in Auftrag gegeben hat, auch für heimische Händler durchaus interessant. Denn die 1.000 Frauen und Männer ab 18 Jahren, die dafür befragt wurden, lieferten ein klares Ergebnis: Der stationäre Modehandel hat gegenüber dem Online-Handel (noch) die Nase vorne. Und zwar eindeutig, denn rund 90 % der Befragten gaben an, Kleidung und Schuhe »ausschließlich« (49 %) oder »überwiegend« (41 %) in stationären Läden statt in Webshops zu kaufen. Damit das auch so bleibt, hat die Studie auch nach Ursachen und Verbesserungspotenzial gefragt.


IT&Logistik: The Winner takes it all

Der Internet-Handel ist ein Tummelplatz für internationale Marken und große Versandkonzerne. Für Spezialisten ist es schwer, Fuß zu fassen. Doch eine professionelle Präsenz ist online Pflicht. Vor zwanzig Jahren, im Juli 1994, gründete Jeff Bezos Amazon. Ein Unternehmen, das die Handelswelt veränderte und praktisch vom Stand weg Marktführer im Onlinehandel wurde. Heute liegt der Umsatz von Amazon bei 74,5 Mrd. US-Dollar, das sind umgerechnet 60 Mrd. €. Ein globaler Riese. Doch um die Kirche im Dorf zu lassen: Das größte Handelsunternehmen der Welt, Walmart, erzielte zuletzt einen Umsatz von 473 Mrd. US-Dollar – also in etwa sieben Mal so viel wie Amazon. Und auch europäische Mega-Handelskonzerne wie Carrefour, Tesco oder Metro – letzterer mit 64 Mrd. € Umsatz das größte deutsche Handelsunternehmen – sind immer noch deutlich größer als Amazon. Und in die Liste der 100 umsatzstärksten Unternehmen der Welt hat es der Internet-Handelsriese immer noch nicht geschafft. 


IT&Logistik: Surround Shopping

Der Kunde kauft wann, wie und wo er will ein. Der Handel muss auf Digitalisierung setzen. Die Industrie auf innovative digitale Tech-Entwicklungen wie Apps, die Mode erkennen und Kaufvorschläge anbieten. Surround-Sound. Raumklang also. Mehrere Lautsprecher, die in einem Raum platziert sind, sorgen für das ultimative Klangerlebnis. Und jetzt stellen Sie sich dieses System übertragen auf das Shopping-Erlebnis für den Kunden vor. Heraus kommt: Surround Shopping. Kein anerkannter Fachbegriff, aber eine Metapher für das umfassende Einkaufserlebnis, das sich jeder Konsument mittlerweile nicht mehr nur wünscht, sondern erwartet.