Ausgabe 19/2014

Elf Städte im Check
Total Regional

Oberösterreich: Bad Ischl
Bedingungslos kaisertreu

Eingebettet zwischen der Historie als Kaiserstadt und den Einrichtungen eines Kurorts braucht man um Bad Ischls Einzelhandel nicht zu sorgen. Kennen Sie dieses Gefühl? Als Kind waren Sie einmal ganz begeistert von einer Sache, einem Ort, einer Person. Jahrzehnte später, als Erwachsener, erscheint die Sache banal, der Ort klein, die Person wenig beeindruckend. Aber manchmal, leider zu selten, hält der Zauber. 1974, als Neunjährige, kam ich mit meinen Eltern und meiner Schwester zum ersten Mal nach Bad Ischl. Die Geduld von uns Kindern bei den Führungen durch die Kaiser- und die Leharvilla wurde mit einem Besuch in einer Konditorei belohnt: beim Zauner! An einem so feinen Ort, dachte ich damals, war ich nie zuvor gewesen. Stühle aus rosafarbenen Samt, goldverzierte Spiegel – und die schönste und vollste Tortenvitrine der Welt. Die Entdeckung von Obst aus Marzipan kostete meine Eltern viel Geld – und bescherte eine wunderbare Erinnerung.


Burgenland: Oberwart
Belebung mit Folgen

Die Eröffnung des eo vor fünf Jahren schlug in Oberwart hohe Wellen. Die Peripherie gedeiht, die Innenstadt erholt sich langsam. Ein Miteinander wird zumindest propagiert. Der letzte dienstliche Besuch in Oberwart liegt fünf Jahre zurück. Damals eröffnete das Einkaufszentrum eo. Ein kurzer Abstecher in die Innenstadt hinterließ einen bitteren Nachgeschmack. Der letzte private Besuch in Oberwart liegt zehn Monate zurück. Damals lockte ein Last-Minute-Angebot ins Wellnesshotel nach Bad Tatzmannsdorf. Kurz vor Weihnachten fehlten noch Geschenke. Wohin also in der Eile, wenn man eigentlich lieber im Thermalwasser treiben will? Ins eo. Da hat man alles auf einem Fleck, alles unter einem Dach. Was bei Minusgraden durchaus angenehm ist. Zugegeben: Die Innenstadt war fürs Geschenke shoppen in diesem Moment keine Alternative. Der jüngste dienstliche Besuch in der südburgendländischen Bezirkshauptstadt wiederum liegt nun zwei Wochen zurück.


Tirol: Kitzbühel
Schillernde Sportstadt

Der Kitzbüheler Modehandel hat eine sophisticated Klientel. Abzulesen an den anspruchsvollen Marken, die die Luxus- und Premium-Boutiquen in Vorder- und Hinterstadt führen. Die Modehändler in der Kitzbüheler Innenstadt bedienen auch einheimische Kunden, aber sie könnten nicht von ihnen leben. Dazu ist ihr Angebot zu kostspielig und die Zahl der Kitzbüheler zu gering. Die Bezirkshauptstadt zählt 8211 Einwohner. Zuzüglich der Skipisten und Lifte der Nachbarregionen Kirchberg, Jochberg und Pass Thurn weist Kitzbühel eines der größten zusammenhängenden Skigebiete Österreichs auf. Die Region bietet 10.000 Hotel- und Pensionsbetten.Dazu kommt ein hoher Teil an Zweitwohnsitzen. 2011 waren nur 54% der Wohnungen Hauptwohnsitze. Besonders ausgeprägt ist der Tourismus im Hochpreissegment. Allein in Kitzbühel fällt mit 38% der größte Anteil an Betten den 4-Stern und 4-Stern Superior Betrieben zu. Der Kategorie Fünf-Stern entsprechen weitere 13% der Betten. Weiters von Vorteil für die Modehändler in der Innenstadt ist die Nähe zu Innsbruck und München, die jeweils etwa eine Autostunde entfernt liegen. Kollektionen wie Isabel Marant, Haider Ackermann und Alexander Wang ziehen vielgereistes und gut informiertes urbanes Publikum an.


Vorarlberg: Dornbirn
Grenzüberschreitend

Dornbirn ist die unumstrittene Modemetropole Vorarlbergs. Das Angebot kann in Art und Größe mit jenem in Großstädten mithalten. In seiner Qualität hat es auch die Schweizer überzeugt. Im Mittelpunkt des Geschehens steht der Marktplatz, dessen Anblick von der St. Martinskirche und dem 1639 erbauten »Roten Haus« geprägt ist. Die Geschäfte fügen sich harmonisch in die Architektur ein. Die Schaufenster offenbaren sich oft erst auf den zweiten Blick. Sagmeister, der Marktführer im Luxussegment, hat zwei Shops direkt gegenüber der Kirche. Einer ist den Damen gewidmet und einer den Herren. Links neben Sagmeister und in ähnlich prominenter Lage ist nur noch der Gössl Store gelegen. Gleich hinter dem Roten Haus in der Marktstraße steht das Bertolini Haus. Hier konnte sich Christoph Miessgang 1.500 Quadratmeter für seine Shop-Formate Mango, Jack & Jones und Façona Fashion sichern. An der Ecke zur Europassage bzw. dem Stadtmarkt Center gelegen, markiert das Bertolini-Haus die abrupte Grenze zum Billigangebot. Das Angebot im Stadtmarkt ist von Mietern wie New Yorker, Cecil, Bonita und Street One geprägt. Wird in den wenigen Meter entfernten Luxus- und Premiumboutiquen Mitte August schon durchwegs Winterware angeboten, läuft hier noch der Abverkauf der Sommerware, was ein ungleich bunteres Bild ergibt.