Ausgabe 18/2014

Männermode:
Alles dreht sich

Handel: Die Trendwende?

Im Vorjahr ist die Verkaufsfläche in Österreich erstmals zurückgegangen. Zufall oder Trendwende? Im Modehandel ist von einem Flächenrückgang jedenfalls vorerst nichts zu spüren. Flächenwahn war lange Zeit ein Modewort in der Handelsszene: Tatsächlich wuchs die Verkaufsfläche mit schöner Regelmäßigkeit um gut 100.000 Quadratmeter pro Jahr. So kamen zwischen 2003 und 2007 in Summe 500.000 Quadratmeter an Fläche im stationären Einzelhandel hinzu (siehe Grafik unten rechts). Doch dann setzte die Krise ein. Zwar wurden in den ersten Krisenjahren (2008 bis 2010) immer noch neue Flächen in Form von neuen Einkaufs- und Fachmarktzentren geschaffen. Was sich änderte, war, dass auf der Gegenseite verstärkt auch Flächen stillgelegt wurden: Filialisten begannen damit, schlechter gehende Standorte zu schließen, Einzelunternehmen (vornehmlich in Nebenlagen) gaben ganz auf, einzelne Marktteilnehmer gingen in Konkurs.


Schaufenster: Surreal Sense

Surrealismus, Emotion und Interaktivität sind die derzeit wichtigsten Eigenschaften für ein gutes Schaufenster. Ein Rundgang durch die Wiener Innenstadt liefert Inspirationen. Der Online-Anbieter Zalando arbeitet derzeit an eigenen Style-Seiten, auf denen es weniger um einzelne Produkte geht, als vielmehr um ganze Looks und Inspirationen. Damit baut sich der Internet-Anbieter eine Art virtuelles Schaufenster. Das ist ein guter Anlass, diesem Thema auch im stationären Handel wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Denn: »Das Schaufenster ist die Visitenkarte eines Unternehmens und dient als Informations- und Inspirationsquelle für den Kunden«, ist auch Susanne Loibnegger, Head of Visual Merchandise bei Kastner & Öhler, überzeugt. In den letzten Jahren bemerkt sie eine Veränderung in der Gestaltung der Auslagen, die wieder aufwendiger und opulenter sein dürfen: »Die reine Warenpräsentation gehört der Vergangenheit an.«


Neue Läden: Platzhirsch unter neuer Führung

Egger Mode & Tracht verhinderte engagiert, dass Rohrbach seinen führenden Nahversorger in Sachen Multimarkenmode verliert. Ein Unternehmer-Dilemma: Einerseits die Möglichkeit, in Pension zu gehen - andererseits decken sich die Lebenspläne der drei Töchter nicht mit der Führung eines Traditions-Modehauses. Dieses Schicksal erfuhr Doris Geretschläger-Raab. Also machte sich die Firmenchefin auf die Suche nach einem Mieter für ihre Immobilie am Stadtplatz von Rohrbach (OÖ). »Es war mir ein großes Anliegen, einen Qualitätsanbieter mit Markenware für das Innenstadtgeschäft zu bekommen«, äußerte sie sich der Lokalpresse gegenüber – fündig wurde sie bei Markus und Simone Egger. Das Unternehmerpaar führt in vierter Generation neben dem Stammsitz in Unterweißenbach bereits fünf Filialen mit Tracht und Mode. Mit nunmehr knapp 90 Mitarbeitern und den zusätzlich 1.000 m² Verkaufsfläche in der Mühlviertler Bezirksstadt nähert man sich den 10 Mio. € Umsatz.


Fashion Week: Modezirkus goes MQ

Wenn sich Mausi, Uwe Kröger, Gerry Keszler und Co. zur Catwalk-Begutachtung einfinden, dann heißt es wieder: Manege frei für die MQ Vienna Fashion Week! Mit großem Trara und Tamtam startete die in diesem Jahr acht Tage dauernde MQ Vienna Fashion Week: Star-Designer Michael Michalsky präsentierte sowohl seine Womenswear- als auch Menswear-Linie für F/S 2015, unter dem doch sehr politisch angehauchten Motto »Important Secrets«, angelehnt an Abhörskandale und Datenschutzdiskussionen. Zu Gesicht bekamen die Eröffnungsshow lediglich geladene Gäste. Bei den Herren (Atelier Michalsky) dominierte vor allem das Thema Marine: Streifen, Blau, Grau, Weiß und Naturstoffe sowie bequeme Slipper und Halstücher erinnerten stark an Matrosen und das Thema Nautik. Die Womenswear Collection (Michalsky) ging hingegen in eine komplett andere Richtung: Metallic-Einflüsse, ergänzt durch ausgefallene Accessoires wie schwarze Baseball-Helme und Mesh-Stoffe.


Menswear: Anything goes – rien ne va plus

Die Designer sind auf die Menswear gekommen. Tabubruch ist dabei an der Tagesordnung. In Anlehnung an feminine Designs schrecken sie selbst vor schmückendem Glanz und Glitzer nicht zurück. Die Zahl der Herrenmodedesigner ist in den vergangenen Saisonen rapide gewachsen. In den Modemetropolen wurden eigene Fashion Weeks für Menswear etabliert. Mit der Zahl der Labels ist auch der Mut zum Experiment gestiegen. Unterstützung bekommt die Bewegung von einer Flut an Medien, Blogs und Onlineshops. Dennoch scheint die Entwicklung absurd, bedenkt man, dass Männer bis zuletzt mit Hose, Hemd, Pulli und Sakko ganz zufrieden waren und auch keine große Veränderung wünschten. Trotzdem kommt die neue Begeisterung für Menswear Design nicht von ungefähr, sondern ist eine Reaktion auf ein verändertes Bekleidungsverhalten.