Ausgabe 16/2014

Tracht & Country:
Jetzt wird's ZÜNFTIG

Handel: Notverkauf

Mit Karstadt übernimmt René Benko seinen weitaus wichtigsten Mieter. Darüber, was nun aus dem deutschen Handelsriesen wird, gibt es nach wie vor nur Spekulationen. Funkstille im Hause Signa. Soeben hat der österreichische Immobilien-Riese einen der größten Handelskonzerne Deutschlands übernommen. Doch außer einem dürren schriftlichen Statement gibt es keine offiziellen Informationen zum Hintergrund und zu den Details des größten Deals in der Geschichte Signa-Imperiums, das mittlerweile 6,5 Mrd. € schwer ist. Interview-Anfragen werden kategorisch abgelehnt. Eine Aufsichtsratssitzung, auf der die neuen Eigentümer ihre Pläne hätten präsentieren können, wurde kurzfristig abgesagt. »Karstadt muss raus aus den Medien und der zermürbenden öffentlichen Diskussion«, sagt Wolfram Keil, der Geschäftsführer der Signa Retail GmbH, die nun die Alleineigentümerin der 83 Karstadt-Warenhäuser, der Karstadt Premium Group (KaDeWe, Berlin, Oberpollinger, München, Alsterhaus, Hamburg) sowie der 28 Karstadt Sports-Filialen ist.



Messe: Pretty black souls

Kopenhagen atmet Mode. Und vor allem Stil. Während Fashion Week und Messen wurde klar: Im Norden hat man’s drauf. Nur am Finetuning hapert es noch. Die Showlocation der Gallery Fashion Fair neben den Messehallen ist schlicht. Understatement im königlichen Musikkonservatorium. Der ewige Fashion Week Sponsor Mercedes-Benz  ist hier nur mit einem Minizelt vertreten, dass vor Regen schützt. Mehr nicht. Kein Schnickschnack, kein lauter Trommelwirbel. Aber wen kümmert dass, denn dafür ist jeder einzelne Gast, der auf den Einlass zu Shows von Lovechild 1979, Veronica B. Vallenes oder Nicholas Nybro wartet, ein echter Augenschmaus. Ein Inbegriff von Style, Individualität und Modegespür vom Feinsten.


Tracht: Stagnation auf hohem Niveau

Die Salzburger Leitmesse wächst zwar nicht mehr – der Branchentrend bleibt aber verhalten optimistisch. Nach sieben Jahren ununterbrochenen Wachstums bleibt die Salzburger Tracht & Country auf dem Niveau der letzten Messe: 211 Aussteller zeigen von 29. bis 31. August am Messegelände die Trachtentrends für Frühjahr/Sommer 2015. Für Messechef Wilfried Antlinger eine durchaus nachvollziehbare Entwicklung: „Die Trachtenbranche hat in den letzten vier, fünf Jahren regelrecht gebrummt. Da erscheint es nur natürlich, dass die Umsätze nicht weiter in den Himmel wachsen können. Mir sagen führende Anbieter, dass sie in der aktuellen Ordersaison ein Pari oder ein kleines Minus erwarten und verfallen da keineswegs in Panik.“ Vor allem im mittleren bis unteren Preisbereich sollte der Zenit erreicht sein. Antlinger: „Ich nenne das Stagnation auf höchstem Niveau. Wer das enorme Wachstum der letzten Jahre einigermaßen hält, hat schon gewonnen.“


Neue Läden: Eins und eins ist sechzehn

Das deutsche Multilabelkonzept »Kauf Dich glücklich« eröffnete seinen ersten außerdeutschen Store in Wien. Unweit der Mariahilfer Straße. Nackte Tatsachen gehören eigentlich nicht an diese Stelle. Theoretisch hätte man also unter den Tisch fallen lassen können, dass Christoph Munier zum TZ-Interview halbnackt erschien. Nur in Shorts und Turnschuhen. Praktisch aber ist dieses Szenario unbedingt erwähnenswert, weil es ein Sinnbild für ein Modehandelskonzept ist, dass auf unkonventionelle und doch bodenständige Weise Erfolg hat. Hier packt der Chef noch selbst mit an, kümmert sich um Interior-Design, zimmert Store-Mobiliar eigenhändig zusammen und schwitzt zwei Tage vor der offiziellen Eröffnung genauso wie seine Mitarbeiter.


Tracht: Massenphänomen Tracht?

Der Enthusiasmus im Trachtenmodehandel hält an. Die Zielgruppe für Dirndl und Lederhose ist gewachsen und weitere Steigerungen werden erwartet, allerdings nur im Mittel- und Hochpreissektor. Hinter dem Optimismus steckt die Annahme, dass sich die Österreicher in wirtschaftlich unsicheren Zeit wieder ernsthaft nach längerwährenden Werten sehnen. Wer die zurückliegenden Höhen und Tiefen der Trachtenmode betrachtet, hat dennoch Grund, die ungewöhnlich lang währende Hochkonjunktur zu hinterfragen. Der Trend zum Dirndl hält seit dem Millennium an und zuletzt haben auch die Herren den Charme der Lederhosen neu entdeckt. Die höchsten Wachstumsraten konnten in den Jahren 2010 bis 2013 verzeichnet werden. Nach einer Konsolidierung im vergangenen Herbst stellt sich jetzt die Frage, wie es weitergeht.