Ausgabe 10/2015

Große Lücke?
Big Sizes drängen in den Handel

Logistik: Mehr Tempo in der Großstadt

E-Commerce: Man kümmert sich um Sie

Tagung: »It’s all about ME«

Digitalisierung ja, aber nur mit einer gehörigen Portion Emotion. Das 57. Forum der TextilWirtschaft ließ keinen Zweifel aufkommen: Mit alten Rezepten sieht die Zukunft des Einzelhandels düster aus. Howard Sanders sitzt im Schneidersitz auf der Bühne des Auditoriums im ehrwürdigen Schloss Schwetzingen – und erzählt. Von handgemachten Fahrrädern in einem kleinen Laden in Detroit. Von einem kleinen Laden, in dem die Uhren vor den Augen des Kunden zusammengebaut werden. Vom Gummistiefel-Paradies Hunter in London. Von der Weber Grill Academy in Berlin. Von einer Fashion Boutique in New York mit interaktiven Spiegeln in den Umkleidekabinen. Sanders, der Hippie unter den Einzelhandelsberatern dieser Welt, stammt aus London und lebt seit einiger Zeit in New York. Wenn sich an der Madison Avenue eine lange Schlange vor einem fahrenden Veggie-Burger-Stand bildet, sagt er: »Das ist ein Konzept der Zukunft. In einer Nische sein – und dort der Beste. Und: sich bedingungslos auf die Wünschen des Kunden einstellen.«


E-Commerce: Evolution im E-Commerce

Mit Curated Shopping bahnt sich gerade ein Phänomen seinen Weg durch den E-Commerce, das sich der Tugend des stationären Handels bedient: der persönlichen Interaktion. Zuerst freuten sich alle über das enorme Angebot, dass das World Wide Web zur Verfügung stellte. Nun verfluchen es alle. Denn vor lauter Bäumen sieht man den Wald nicht mehr. Oder besser: Vor lauter schwarzer Hosen sieht man keine schwarze Hose mehr. Und nun treten Kuratoren auf den Online-Plan, die das Sortiment für die Kundschaft übersichtlicher gestalten sollen, die im überfordernden Chaos wieder für einen beruhigenden Überblick sorgen.  Stylisten heißen diese Heilsbringer. Sie ersparen den gestressten Shoppingmuffeln Zeit, stellen das richtige Outfit für jeden Anlass zusammen und treffen damit im besten Fall voll ins Schwarze. Der kuratierte Konsum.


Big Cups: Beach-Beautys

Nicht nur in der Wäsche, auch im Bademodenbereich sind Big Cups mittlerweile ein wichtiges Thema, das besondere Ansprüche stellt. Die Tendenz zeichnet sich schon in den letzten zehn Jahren ab. Galt früher »75 B« als absolute Standardgröße im BH-Segment, ging die Entwicklung in der letzten Dekade immer mehr in Richtung C-Cup. Selbstverständlich nicht nur im Wäschebereich, sondern auch bei der Beachwear. Für Dr. Klaus Wührl-Struller, Marketingleiter beim Bademoden-Spezialisten Adolf Riedl GmbH, macht der Cup C mittlerweile den Hauptteil aus: »Wir bieten Modelle bis in den H-Cup an. Das ist zwar nicht die am stärksten nachgefragte Größe, aber es gibt eine ganz klare Tendenz zu größeren Cups.«


Big Sizes: Ihr Anschluss, bitte!

Super dünn – oder doch mit ein paar Rundungen? Das weibliche Schönheitsideal ist urplötzlich auf den Prüfstand, der Modehandel könnte davon profitieren. Eine einfache Schaufensterpuppe stand dieser Tage auf dem Linzer Hauptplatz. Schwarze Perücke, rot-pinkes Hängerchen-Kleid, eigentlich kein außergewöhnlicher Anblick. Allerdings: die »schöne Helena« hat die Maße 106/80/106 und trägt Konfektionsgröße 42. Sie wird in den nächsten drei Wochen an unterschiedlichen Plätzen (darunter auch Modeläden)  in der Linzer Innenstadt auf- und ausgestellt werden und ist eine Initiative des Linzer Frauenbüros, die Stadträtin Eva Schobesberger so erklärt: »Wir wollen auf die verzerrte Darstellung des menschlichen – speziell des weiblichen – Körpers in der Werbeöffentlichkeit aufmerksam zu machen. Die »Schöne Helena« entspricht in ihren Proportionen vielmehr der durchschnittlichen österreichischen Frau.«