Ausgabe 07/2015

Neue Hosen
Denim im Überfluss, Stoff gewinnt

Fair Fashion
Ein Realitäts-Check

Handel: Frischer (Nord-)Wind

Neue Markteintritte gab es viele in den letzten Jahren. Dass ein Unternehmen gleich mit drei Modeketten und 15 Läden auf einmal startet, gab es noch nie. Die norwegische Varner-Gruppe zeigt es vor. Dressmann, Bik Bok, Carlings: In Skandinavien kennt diese Modemarken jeder. Dort sind die Marken aus Norwegen der größte Konkurrent des schwedischen Platzhirschen H&M. Die erste steht für Haka, die zweite für junge DOB, die dritte für Multilabel-Denim, alle drei bieten leistbare, unkomplizierte Mode für klar abgegrenzte Zielgruppen. Ab sofort auch in Österreich. »Unsere ersten Eröffnungen im Auhof Center und im Fischapark waren ein großartiger Erfolg, die Umsätze sind fantastisch«, freut sich Timur Benli, der letzten Dezember als neuer Country Manager für Dressmann samt Familie nach Wien übersiedelt ist – und in der Heimat dafür gleich sein Haus verkauft hat. Man sieht schon: Die Varner-Gruppe ist gekommen, um zu bleiben.


Label: Street Style

Street-Art, Biobaumwolle – und Crowdfunding. Das junge Label Wiener Stoff vereint Kreativität und Nachhaltigkeit. So geht echter Street Style. Und so funktioniert ein Modelabel 3.0. Unverwechselbare und unverfälschte Designs auf der einen, die Unterstützung der Crowd auf der anderen Seite. Wiener Stoff fällt unter den Neugründungen in der heimischen Modeszene sofort auf.  Bei einem Gespräch mit den zwei Machern wird eins klar: Die Marke steht noch am Anfang, die zwei Gründer Otto Girsch und Leonhard Weidinger machen kleine (nachhaltige!) Schritte vorwärts, aber sie machen sie mit so viel Leidenschaft, Offenheit und Selbstverständlichkeit, dass gar kein Zweifel bleibt, dass dieses Projekt glücken wird.


Fair Fashion: Fair Play?

Neue Studien und Kampagnen widmen sich dem Thema Fair Fashion. Doch wie sieht die Realität im Handel aus? Weinende junge Mädchen lenkten zum Jahreswechsel die Aufmerksamkeit vieler auf die Arbeitsbedingungen, unter denen Mode für den Massenmarkt leider oft entsteht. Doch die, die da weinten, waren nicht etwa Arbeiterinnen in den Produktionsbetrieben, sondern zwei junge Modebloggerinnen – und ihr männlicher Kollege. Die norwegische Zeitung »Aftenposten« hatte Anniken, Frida und Ludvig in eine Textilfabrik nach Kambodscha geschickt, um den Arbeitsalltag dort am eigenen Leib zu erleben. Daraus wurde eine Dokuserie, die weltweit Beachtung in breitenwirksamen Publikumsmedien, im Fernsehen, im Internet und in Printmagazinen fand.


Hosen: Same but different

Auf den Hosenflächen trifft man auf Bekannte. Wichtigste Umsatzsäulen bleiben Slim Fits. Immer mehr Gehör verschaffen sich die Boyfriend- sowie Jogging- und Pyjama-Pants. Die Trendhosen Flared und Culottes rangieren unter »ferner liefen«. Noch. Schauplatz Shopping City Süd. Mitten in der Osterferienwoche. Die Frequenz im Shoppingcenter ist gut. Hosen-Check bei einem großen Multilabel-Anbieter. Gleich im Eingangsbereich des Erdgeschosses befindet sich die Hosenstammabteilung. Obwohl oft in der Kritik gestanden, weil die Individualität eines Händlers dadurch verloren ginge, hier aber willkommene Ankerpunkte: die Markenwände namhafter Hosenspezialisten wie Brax, Mac oder Zerres. In einem Meer aus Metallständern mit einer unfassbaren Menge an Ware kann sich das Auge der Konsumentin an diesen Wänden zumindest orientieren.