Ausgabe 03/2015

Anschluss gesucht
Mehr Mode ab Größe 42/44

Natur pur
Accessoires H/W 2015/16

Testklub: Punktlandung

Das Weihnachtsgeschäft lief dank eines guten Finales besser als erwartet. Somit konnte der Modehandel das Jahr 2014 gerade noch mit einem Pari abschließen. Von den Rahmenbedingungen her war es das schwierigste Jahr seit langem. Vor allem aufgrund des viel zu warmen Jahresbeginns (Februar bis März) und -endes (Oktober bis Dezember) war 2014 das wärmste Jahr in der Geschichte der Temperaturaufzeichnungen. Ausgerechnet dann, wenn der Handel die Wärme hätte gebrauchen können, etwa im Mai oder im August, war es kühl und regnerisch. Dazu kam eine unerwartete allgemeine Konjunkturabschwächung besonders im zweiten Halbjahr: Laut ersten Hochrechnungen des Wifo ist die heimische Wirtschaft im Jahr 2014 in Summe nur um 0,3 % gewachsen – dabei hatten die Experten zu Jahresbeginn ein Wachstum von zumindest 1,7 % vorausgesagt.

 

Handel: Der Männer-Scanner

Nur Online ist auch nichts. Immer mehr reine Onlineanbieter suchen auch den Weg ins reale Leben. Outfittery will es mit einer cleveren Idee auf Bahnhöfen und Flughäfen probieren. Multichannel, doch diesmal andersrum: Nicht nur versuchen immer mehr stationäre Händler ihr Glück auch im Onlinegeschäft. Zunehmend drängen auch Versandhändler in den stationären Handel: Zalando betreibt Outlets in Berlin und Frankfurt, Elektroversender wie Cyberport und Notebooksbilliger haben bereits eine ganze Reihe richtiger Stores eröffnet, während eBay mit Pop-up-Stores Erfahrungen sammelt. Und der österreichische Boardsport-Spezialist Blue Tomato, der ursprünglich ebenfalls aus dem Versandhandel kommt, hat alleine im Vorjahr zehn neue Shops eröffnet.

 

Fashion Week: Berlins Bekenntnis

Unbeeindruckt vom Ausfall der Bread & Butter feierte Berlin seine Modewoche. Im Fokus: Deutsches Modedesign, das mit dem Berliner Mode Salon und dem German Fashion Design Council Rückendeckung erhält. Berlins Bekenntnis ist ein Bekenntnis zu Mode, zu Individualität und zu Mut. Und Berlin steht mehr denn je hinter seinen modischen Helden. Christiane Arp, Chefredakteurin der deutschen Vogue, ist seit Beginn an eine Verfechterin anspruchsvoller Labels wie Perret Schaad, Augustin Teboul oder Michael Sontag und rief nun zusammen mit Marcus Kurz, Geschäftsführer der Kreativagentur Nowadays, den Berliner Mode Salon aus. Erstmalig bot die Plattform im Kronprinzenpalais Raum und Präsentationsfläche für Designerlabels wie Allude, Dawid Tomaszewski, Dorothee Schumacher, Haltbar, Hien Le, Iris von Arnim, Lala Berlin, Malaikaraiss oder Odeeh.

 

Denim in Berlin: Quo vadis, Denim?

Die Denimmarken zeigen sich mit Berlin zufrieden – bei den Händlern sieht das etwas anders aus. Nach den Berliner Messen sind die Gefühle im Denim- und Streetwear-Segment gemischt. Mit der Bread & Butter hat die Branche einen Fixpunkt verloren. Die Marken, die auf anderen Plattformen eine neue Heimat gefunden haben, zogen auch ein durchwegs positives Resümee. Auf Händlerseite, gerade auf der heimischen, sieht es da leider oft anders aus. Viele einschlägige Händler haben den Weg nach Berlin gar nicht erst angetreten. Für Peter Perlinger vom Jeans Shop Gartner in Linz etwa war die Reise heuer kein Thema, da er aktuell nicht auf der Suche nach neuen Marken ist. Aber für andere, auch für jene, die in der deutschen Hauptstadt waren, bringt das mittlerweile enorm angewachsene Angebot einigen logistischen Aufwand mit sich. Wie viele Messen kann man in zwei, maximal drei Tagen besuchen? Welche davon sind wichtig, wenn man im Jeanssegment tätig ist? Wo findet man neue Marken, wo seine bestehenden? Und wie lässt sich das alles in so kurzer Zeit unter einen Hut bringen?

 

Anschlussgrößen: Raus aus der Nische…

… die niemals eine war, will s.Oliver sein Anschlussgrößen-Label Triangle holen. Denn Frauen, die heute 42/44 tragen, befinden sich keineswegs am Rand der modischen Gesellschaft. Da brennt jemand für das, was er tut. Martina Schulte-Block managt sein Jahren das Big-Size-Label Triangle by s.Oliver– und das mit großem Erfolg. In einschlägigen Große-Größen-Läden ist die Marke seit Jahren gesetzt. Aber jetzt will man das Label emanzipieren, kein Anhängsel der Stammmarke mehr sein, vor allem aber eine Nische verlassen und in die Mitte des Marktes rücken. »Ich sage immer: Es gibt keine großen Größen, es gibt einfach nur Größen«, sagt Schulte-Block voller Leidenschaft für das Thema.