Fashion

Black Friday: Zwischen zwei Welten

Es ist Freitag, der 29. November. Black Friday und zeitgleich Aktionstag der Umweltbewegung »Fridays for Future«. Ein Kommentar.

Der Black Friday 2019 war ein Tag, an dem der Widerspruch von Klimaschutz versus Konsumrausch in aller Härte zutage trat. Während die einen auf Schnäppchenjagd gingen, protestierten die andren im Rahmen des vierten Weltweiten Klimastreiks. Nur einer der vielen Widersprüche, mit denen die Modebranche zu kämpfen hat.

Laut einer Studie der Ellen MacArthur Foundation ist die Mode der zweitgrößte Umweltverschmutzer, gleich nach der Erdölindustrie. Keine schöne Erkenntnis für ein System, dessen Geschäftsmodell sich im Kern um Schönheit dreht. Zur Verbesserung dieses Umstandes trägt die alljährliche Rabattschlacht am Black Friday gewiss nicht bei. Ein Blick in Wiens Innenstadt: Prozentzeichen prangen in nahezu allen Schaufenstern, teils auch gänzlich ohne expliziten Tages-Bezug. »Freitag, den 29. November -50% auf ausgewählte Artikel« las man so beispielsweise im Zara-Fenster auf der Mariahilfer Straße. Ein Paar Hausnummern weiter warb man mit -20% auf bereits reduzierte Artikel. Es wäre elitär zu behaupten, der Black Friday habe überhaupt keine Berechtigung. Immerhin gibt es jene Kunden, die den Tag sehnsüchtig erwarten, um sich auch einmal etwas Besonderes leisten oder zu Weihnachten etwas Teureres verschenken zu können. Und dennoch bleibt die Frage: »Ist jener, der es sich leisten kann, wirklich bereit Gedränge und elendslanges Warten vor Kassen wie Kabinen auf sich zu nehmen – nur um 20% Rabatt auf ein Teil zu erhalten, das auch im Sommer schon niemand haben wollte?« Zufriedene oder gar glückliche Gesichter sah man an diesem Tag in der Innenstadt kaum.

Die Conclusio?

Der Black Friday ist mit Sicherheit eine Möglichkeit, Kunden zu erreichen. Um diese zu begeistern und letztlich auch halten zu können, eignet sich aggressiver Preiskampf aber kaum. Wie wäre es also, anstatt über Rabatte, endlich wieder über Qualität, Passform, Individualität und Service zu sprechen. Den Kunden langsam wieder dahin zu führen, Preise zu akzeptieren, die dem Handel auch auskömmliche Margen bezahlen und mit einem wahren Einkaufserlebnis langfristig zu begeistern. Die jungen Klimaaktivisten der »Fridays for Future«-Bewegung sind angetreten, um etwas zu verändern. Die Modebranche sollte sich anschließen, veraltete Strukturen aufbrechen und Neues wagen. Damit aus den Gegensätzen schon bald Vergangenheit und keine Grundsätze werden.

Von: Lisa Hollogschwandtner