Fashion

Zu Gast im Atelier Weinhold

Handwerkskunst, Beratung und Leidenschaft – allesamt Schlagwörter, die man in der Mode heute bei Textildiskontern und Modeketten vergebens sucht, Designer wie Karin Weinhold sind eine Ausnahme.

Die in Purkersdorf lebende Designerin Karin Weinhold (Label Desei) gehört zur kleinen Liga der österreichischen Haute Couture Designer: das Schneiderhandwerk von der Pieke auf gelernt und mit kreativem Eifer auch am Skizzentisch eifrig dabei. Erst vergangenes Jahr gewann Karin Weinhold den Österreichischen Haute Couture Award, 2013 machte sie den zweiten Platz. Nach dem Motto »Jetzt erst recht!« holte sie sich 2014 den Preis nach Hause. Nach einem Sterbefall im engen Familienkreis war der Wettbewerb der Wirtschaftskammer eine willkommene Ablenkung und spornte Weinhold an, ihr Bestes zu geben.

»Meine Beratung funktioniert immer!«

Als gelernte Schneiderin, die stets im engen Kontakt zu ihren Kundinnen war, ist es Karin Weinhold wichtig, dies auch als Haute Couture-Designerin zu tun. Beraten wird jede Kundin und das auch bis ins kleinste Detail: »Da wird dann meist gleich eine Farb- und Stilberatung daraus«, so Weinhold. Die Kundinnen schätzen die intensive Beratung und kommen immer wieder – von der Penionistin bis zur Braut, die gerade eben um die Ecke, im Amtshaus in Währing, ihren Hochzeitstermin ausgemacht hat. Auch die Austro-Prominenz gibt sich im Atelier Weinhold die Klinke in die Hand: So zählen neben der Charity-Queen Jeannine Schiller auch bekannte Frauen aus der Politik zu Karin Weinholds Stammkundschaft.

»Mein Mann ist eine Rarität.«

Gerade jetzt, Ende Jänner, heißt es für Karin Weinhold angesichts Frühjahrskollektion und Ballsaison »Full House«. Die Aufträge lassen kaum Zeit zum Verschnaufen: »Mein Arbeitstag startet um 8.00 Uhr morgens und endet zwischen 22.00 und 23.00 Uhr am Abend. Wenn ich am Abend heim komme, muss ich noch Entwürfe anfertigen, Schnitte zeichnen und Utensilien für meine Schneiderinnen vorbereiten.« In solchen Zeiten kann sich Karin Weinhold auf ihren Ehemann verlassen: Als Unternehmer, PR- und Wirtschaftsprofi organisiert er die gesamte Pressearbeit und das Marketing, um dem kreativen Kopf im Hause Weinhold den Rücken frei zu halten. Das weiß die Selfmade-Frau auch zu schätzen: »Mein Mann ist eine Rarität«, so Weinhold. »Nach fünf Jahren sieben Tage die Woche Arbeit, hat er mich darum gebeten, einen Tag in der Woche frei zu halten.«

»Maßarbeit ist Vertrauenssache!«

Dass man Karin Weinhold im Fachjargon glamourös als Haute Couture Designerin betiteln würde, ist ihr nicht wichtig. Ihrzufolge geht es bei dem, was sie macht, um Maßarbeit und das schreibt sie sich auch auf die Fahnen, denn das ist es auch, was die Kundinnen verstehen und wonach sie suchen. Sobald die Kundinnen ihr erstes, maßgeschneidertes Kleid ausgeführt haben, kommt es zum Suchtfaktor, meint Weinhold. Mit 180 Euro für eine Maßhose inklusive Material ist ein echtes Weinhold-Teil durchaus erschwinglich. Die Designerin arbeitet dezidiert für alle Kundinnen mit Leidenschaft, aus welcher Schicht diese nun stammen mag.

Zum Abschluss des Rundgangs durch das Atelier Weinhold gibt es einen kurzen Vorgeschmack auf die aktuelle Kollektion: gelasertes Leder, Asymmetrie und Transparenz. Stilmittel, die sich durch die kleine, aber feine Linie ziehen, die konstant weiterentwickelt wird. Auf Kollektion und guter Auftragslage ruht sich Karin Weinhold jedoch nicht aus: Noch in diesem Jahr soll ein Onlineshop mit vorab aufwendig programmiertem Kunden-Design Tool folgen.

Von: Christiane Marie Jördens

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