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Wiener Handel: Gedrängel um die besten Flächen

Nur Innovative haben im hart umkämpften Wiener Handel auch in Zukunft Platz, so der aktuelle Retail-Marktbericht der Wiener Otto Immobilien Gruppe.

Im extrem gesättigten Wiener Handel findet derzeit ein harter Verdrängungswettbewerb statt. Überlegen werden nur diejenigen Akteure, die mit innovativen Ansätzen punkten können. Solche Lösungen wären etwa »Omnichannel«-Konzepte, die Onlinehandel, Vertrieb und stationären Handel kombinieren. Oder auch ein gelungener Shop-Relaunch mit einem state-of-the-art Design und einer starken Serviceorientierung hätten Chancen. Denn sie werden von Kunden heute mehr und mehr erwartet. Sorin Scurtu, Retail-Teamleiterin der Otto Immobilien Gruppe, präzisiert: »Künftig geht es für den stationären Handel immer mehr um das sprichwörtliche Einkaufserlebnis der Kunden mit allen Sinnen. Wer da nicht mitmacht, muss Platz machen.«

Wien ist als Standort begehrt


Der harte Verdrängungswettbewerb ist dabei auf folgenden Umstand zurückzuführen: Wien ist bei vielen internationalen Retailern nach wie vor ein begehrter Standort. Die leicht gestiegene Nachfrage konzentriert sich allerdings immer noch auf Top-A bzw. A-Lagen, während B- und C-Lagen weiter an Bedeutung verlieren. So ist das »Goldene H«, die City-Toplage zwischen Kärntner Straße, Stephansplatz, Rotenturmstraße, Graben, Kohlmarkt und Tuchlauben nach wie vor erste Adresse. Hier haben in letzter Zeit internationale Händler mit neuen Konzepten zur Attraktivität des Standortes beigetragen. »Die Spitzenmieten liegen hier bei 400 Euro pro m² und Monat bis hin zu sogar 600 Euro pro m² und Monat, diese werden aber tendenziell nur für sehr kleine Flächen bezahlt«, so Scurtu. Die Rotenturmstraße gewinnt aufgrund des bestehenden Handelskonzeptes, der diversifizierten Gastronomie und wegen der sehr hohen Passantenfrequenz immer mehr an Bedeutung und Attraktivität. Hier werden aktuell bis zu 180 Euro pro m² und Monat bezahlt, mit steigender Tendenz. Für den Einzelhandel auf der Mariahilfer Straße beobachtet man bei Otto Immobilien einen Wandel in Richtung Gastronomie sowie junger dynamischer Mode. Trotz kurzzeitiger Skepsis vor und während der Umgestaltung ist das Interesse an dieser hochfrequentierten Einkaufsstraße nach wie vor groß. »Die gute Passanten-Frequenz, das junge und dynamische Publikum und die im Vergleich zur City etwas moderateren Mietpreise zwischen 50 und 180 EURO pro m² und Monat tragen entscheidend dazu bei«, meint Scurtu.

Dynamische Bekleidungsbranche


Am aktivsten im stationären Handel insgesamt war dem Report zufolge die Bekleidungsbranche - und zwar trotz des starken Onlinehandels. In ganz Österreich eröffnete die Branche immerhin 152 neue Filialen. Dynamisch entwickelte sich auch die Lebensmittel- und Gastronomiebranche mit 55 neuen Standorten. Insgesamt wurden bis zum Stichtag 15. November 2017 rund 460 Millionen Euro in Retail-Immobilien investiert. Auffallend dabei: sowohl das absolute Volumen als auch der Anteil an Retail-Transaktionen in den Jahren 2016/2017 sind im Vergleich zu den Vorjahren stark zurückgegangen. Der Grund hierfür liegt laut Otto Immobilien im eingeschränkten Angebot geeigneter Objekte. Die Spitzenrenditen liegen laut Otto Immobilien im Bereich Highstreet bei 3,5 %, für EKZ bei 4,1 % und sind in Fachmarktzentren mit 5,75 % am höchsten.

Von: Rainer Seebacher