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Vögele gibt sich optimistisch

Insolvenzverwalter und die Geschäftsführung von Charles Vögele Austria glauben, dass das Unternehmen als Ganzes erhalten werden kann. Es gibt mehrere Interessenten.

Insolvenzverwalter Norbert Scherbaum hofft, dass die schon sehr weit fortgeschrittenen Verhandlungen mit einem konkreten potenziellen Investor über die Übernahme der insolventen Charles Vögele (Austria) GmbH positiv abgeschlossen werden können. Ziel sei es, das Unternehmen als Ganzes weiterzuverkaufen, um möglichst viele der mehr als 700 Arbeitsplätze zu erhalten. Eine Fortführung der Modekette sei einstweilen jedenfalls möglich, lautet das erste Resümee des Anwalts, der Partner bei der ScherbaumSeebacher Rechtsanwälte GmbH in Graz ist. Er habe schon Kontakt mit Vertretern des potenziellen Investors gehabt, dieser brauche aber noch gut eine Woche Zeit für eine Entscheidung, sagte Scherbaum im ORF-Radio.

Gerüchteweise soll es sich bei dem potenziellen Investor um den niederländischen Modehändler Miller & Monroe handeln. Das wird jedoch von keiner der Verhandlungsparteien bestätigt. Miller & Monroe hatte zuerst im Vorjahr in den Niederlanden 72 ehemalige Charles-Vögele-Filialen übernommen und stieg dann dieses Frühjahr in den deutschen Markt ein, wo gleich 200 ehemalige Vögele-Geschäfte übernommen wurden. Miller & Monroe richtet sich mit einem Multilabel-Konzept an Damen und Herren jenseits der 40, passt also besser zur bisherigen Vögele-Kundschaft als OVS. Angeboten werden Mainstream-Marken wie Tom Tailor, Cecil, Lerros und entsprechende Private Labels sowie Lifestyle-Artikel und Wohnzubehör. In Deutschland wurden auch besonders erfolgreiche Teile des Vögele-Sortiments durch Miller & Monroe wiederbelebt, teils unter den gleichen Modellnamen.

Sollten diese Verhandlungen scheitern, stehen offenbar noch weitere Interessenten Schlange: „Seit Eröffnung des Insolvenzverfahrens haben mehrere Interessenten den Masseverwalter kontaktiert und mitgeteilt, dass sie nicht nur an der Übernahme einiger Filialen, sondern auch am Erwerb des gesamten Unternehmens – natürlich nach einem positiven Abschluss des Insolvenzverfahrens und vorbehaltlich der due diligence – interessiert sind“, hieß es am Donnerstag (2. August) von der Kanzlei ScherbaumSeebacher.

Das Insolvenzverfahren wurde nötig, weil Vögele nach der Pleite der Schweizer Mutterfirma in Österreich die Juli-Gehälter und die Urlaubsgelder nicht mehr bezahlen konnte. Der Konzern mit Sitz in der Schweiz war im Herbst 2016 an ein Konsortium um den italienischen Fashion-Anbieter OVS verkauft worden. Die Schweizer Filialen wurden nach der Übernahme in OVS umbenannt. Auch in Österreich sollten die Geschäfte auf OVS umgeflaggt werden – doch dann ging das Geld aus. Alle 140 Schweizer Filialen wurden geschlossen, am 31. Juli wurde in Österreich das Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet. Die erste Gläubigerversammlung soll am 13. August stattfinden.

Laut KSV1870 waren die Umsatzerlöse von Charles Vögele in Österreich in den Jahren 2015 und 2016 noch bei rund 121 Mio. Euro stabil. 2017 folgte der Einbruch, die Umsätze sanken laut dem Kreditschutzverband um 11,5 Mio. Euro und es wurde ein Verlust eingefahren. Die Gründe für den Rückgang sind laut Insolvenzantrag darin zu sehen, dass der Sortimentswechsel auf OVS von den Kunden noch nicht vollständig angenommen wurde. Außerdem wurde das Filialnetz von ursprünglich 136 Filialen auf nunmehr 102 Filialen reduziert.

OVS hat seine Beteiligung an Vögele bereits im letzten Quartal (per 30. April) komplett abgeschrieben. Die entsprechenden Wertberichtigungen lagen bei 53,4 Mio. Euro. Bereits im Wirtschaftsjahr 2017/18 (per 31. Jänner) standen Abschreibungen in Höhe von 34,6 Mio. € auf das Vögele-Abenteuer in der Bilanz der Italiener,die am eigenen Markt Marktführer sind.

Von: Manuel Friedl

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