Business

Unito-Gruppe: Mieten statt kaufen

Der europäische E-Commerce Player erreicht Online-Rekordumsatz und reagiert auf aktuelle Marktherausforderungen.

Die Unito-Gruppe erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2018/2019 (Zeitraum 1. März 2018 bis 28. Februar 2019) einen Online-Umsatz von knapp 400 Mio. € und erreicht damit einen neuen Unternehmensrekord. Sie wächst zum neunten Mal in Folge. Wichtigster Markt für den E-Commerce Player (zu dem u.a. die Marken Otto, Universal und Quelle gehören), ist und bleibt Österreich. Im heimischen Markt, der 61 % des Gesamtumsatzes der Gruppe ausmacht, gelingt Unito ein Online-Umsatzplus von 3,3 %. Mit einem Gesamtumsatz von 441 Mio. € bewegt sich die Gruppe knapp unter Vorjahresniveau. Angesichts der Herausforderungen des Jahres 2018 zeigt sich die Geschäftsführung zufrieden über ein solides Ergebnis: »Der Extrem-Sommer hat vor allem im Textil- und Living-Geschäft seine Spuren hinterlassen. Große Innovationsschübe in der Unterhaltungselektronik sind ausgeblieben. Auch diesem Übergangsphänomen müssen wir uns als Online-Händler stellen. Angesichts der großen Marktherausforderungen sind wir mit dem letzten Geschäftsjahr einigermaßen zufrieden,« resümiert Harald Gutschi, Geschäftsführer der Unito-Gruppe.

Goodbye Otto-Katalog

Die Leitmarke Otto, die im Kernmarkt Österreich online um 10 % im Vorjahresvergleich wächst, treibt das Wachstum der Unternehmensgruppe an. Dies sei eine Konsequenz der Weiterentwicklung vom Online-Player hin zu einem Plattform-Händler. Der Umbau soll etwa drei bis fünf Jahre in Anspruch nehmen. Der Bereich Print wird zunehmend reduziert, die Online-Transformation ist beinahe abgeschlossen. Mittlerweile hält das Unternehmen einen Online-Anteil von 93 %. Man versteht sich als reinrassiges Online-Unternehmen mit dem Nebenbereich Print. Somit wird der Otto-Katalog, der aktuell nur noch 2 % der Gesamtansprache ausmacht, eingestellt. Mit seiner letzten Auflage von 75 000 Stück (in Bestzeiten 2,5 Mio.) bewirbt er knapp 10 000 Artikel, wohingegen in der App 1 bis 2 Mio. Artikel enthalten sind. Es sind aber weiterhin spezialisierte Formate in kleineren Auflagen geplant, die das Online-Geschäft befeuern sollen. Außerdem will man mit Otto in die Schweiz expandieren, was bereits im 3. Quartal dieses Jahres stattfinden soll.

Sharing Economy

Seit Ende März können Otto-Kunden 373 Produkte mieten – auf monatlicher Basis. Für das neue Mietkonzept zeichnet ein junges Team in Graz in Kooperation mit dem Berliner Start-Up Grover verantwortlich. Derzeit werden nur Technikprodukte angeboten, der Renner ist eine Drohne, die im Verkauf um die 1000 € kosten würde. »Mieten statt kaufen ist unsere Antwort auf die sich dynamisch verändernden Einkaufsgewohnheiten unserer Kunden. Mieten ist die perfekte Alternative für alle, die nicht lange warten und auf nichts verzichten möchten. Sharing Economy trifft den Zeitgeist,« so Gutschi. Nach eigenen Angaben nutzen den Mietservice derzeit ca. 80 % Männer unter 30 Jahren, wohingegen es knapp 80 % Frauen sind, die online einkaufen. Gut möglich, dass in Zukunft auch noch physische Filialen das Konzept ergänzen werden. Allerdings suche man keinen stationären Zugang, wie es Amazon beispielsweise derzeit tut. Aber Pop-Up Stores wären denkbar, die eine kurzfristige, sehr zielgerichtete Kundenansprache ermöglichen.

 

 

Von: Sandra Seck