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Tom Tailor: Übernahmeangebot von Fosun zu niedrig

Knapp 100 Mio. € für Tom Tailor sind laut der Hamburger Modekette »finanziell unangemessen«.

Das chinesische Konzern Fosun, das seit Kurzem fast 60 % des österreichischen Strumpfherstellers Wolford besitzt, will das in Schieflage geratene Hamburger Unternehmen Tom Tailor komplett übernehmen und bietet 2,31 € pro Aktie an. Die Offerte sei »finanziell unangemessen« und spiegele nicht den tatsächlichen Wert von Tom Tailor wider, sagte Finanzvorstand Thomas Dressendörfer. Zuvor hatte Fosun nur 2,26 € je Aktie geboten.

Komplett gegen eine Übernahme von Seiten des chinesischen Unternehmens ist Tom Tailor nicht. Im Gegenteil: »Fosun begleitet das Unternehmen bereits seit 2014 als aktiver Investor und kann Tom Tailor auch zukünftig bei der finanziellen Neuausrichtung und der Realisierung der Wachstumsziele maßgeblich unterstützen«, führt Thomas Tochtermann, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Tom Tailor Holding SE aus. Eine Äußerung für oder gegen die jetzige Offerte vermied der Vorstand und beließ es bei einer »neutralen Stellungnahme«.

Laut Dressendörfer sei Fosuns Angebot für risikoscheue und kurzfristig orientierte Aktionäre eine gute Gelegenheit. Langfristig ist die Lage aber anders. Wenn der Verkauf der Tochterfirma Bonita und die weiteren Verhandlungen mit den Banken gelingen, besteht ein deutliches Potenzial für eine positive Kursentwicklung.

Gemeinsam haben Vorstand und Aufsichtsrat die Angemessenheit der Höhe der angebotenen Gegenleistung sorgfältig und eingehend analysiert. Die Bewertung der finanziellen Angemessenheit erfolgte auf Grundlage »der historischen Entwicklung des Börsenkurses, einer Fairness Opinion sowie der Berücksichtigung der aktuell bestehenden Unternehmensrisiken vor dem Hintergrund der laufenden Verhandlungen mit Konsortialbanken über deren Zustimmung zum Verkauf der Geschäftsanteile an Bonita, die Anpassung des Konsortialvertrages sowie einen Finanzierungsbeitrag von Fosun«. Vorstand und Aufsichtsrat der Tom Tailor Holding SE gehen nach derzeitigem Kenntnisstand davon aus, dass diese Verhandlungen erfolgreich sein werden.

Von: Márcia Neves