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Tom Tailor braucht Staatshilfe

Ein signifikanter Umsatz- und Ertragsrückgang sowie erhebliche Finanzierungsrisiken durch die Corona-Krise veranlassen Tom Tailor dazu, auf Staatshilfe zu setzen. Die Prognose für 2020 wird gekippt.

Wie das Hamburger Unternehmen am Montag bekannt gibt, beabsichtigt die Tom Tailor Group, die finanziellen Unterstützungsprogramme der Regierung zu beantragen. Dazu gehören staatliche Finanzierungsprogramme, Kurzarbeit, die bereits von der Gesellschaft für die eigenen Filialen beantragt wurde, sowie die Stundung von Steuerzahlungen. Die Corona-bedingte deutliche Verschlechterung der Marktbedingungen in fast allen relevanten Märkten und die damit verbundenen Risiken für die Finanzierungs- und Liquiditätssituation des Konzerns seien der Grund, weshalb mit 31. März die vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2019, und nicht wie ursprünglich geplant der vollständige Jahresabschluss veröffentlicht werden. »Aufgrund der Unsicherheit über die weitere Entwicklung in den Absatzmärkten sieht der Vorstand in der kurz- und mittelfristigen Liquiditätsplanung derzeit deutliche Planungsrisiken. Diese beinhalten sowohl das Risiko der Nichteinhaltung von Kreditkennzahlen als auch das Risiko von Liquiditätsengpässen«, gibt das Unternehmen bekannt.

Die vorläufigen Zahlen für 2019

Mit einem Umsatzrückgang um 4,8 % von 843,8 Mio. € auf 803,1 Mio. hat die Tom Tailor Group ihr Geschäftsjahr 2019 laut diesen vorläufigen Zahlen im Rahmen der Erwartungen abgeschlossen. Dies sei der rückläufigen Umsatzentwicklung von Sorgenkind Bonita und den Filialschließungen in diesem Segment geschuldet. Hingegen entwickelten sich die Zahlen der Marke Tom Tailor stabil (0,4 % Umsatzplus gegenüber dem Vorjahr). Die bereinigte EBITDA-Marge der Gruppe steigt auf 4,2 % (Vorjahr 3 %). »Das Geschäftsjahr 2019 lag im Rahmen unserer Erwartungen. Wir konnten mit der Marke Tom Tailor erneut wachsen und speziell den Umsatz im eigenen Retail erstmals seit drei Jahren wieder steigern. Gleichzeitig ist es uns gelungen, bei Bonita sowohl den Umsatzrückgang zu verlangsamen als auch die Ertragssituation zu verbessern“, erklärt CEO Gernot Lenz. Mit dem eigenen Retail konnte die Marke Tom Tailor um 2,9 % auf 291,1 Mio. € zulegen (2018: 283,0 Mio. €), der E-Commerce legte um 6,5 Prozent auf 50,4 Mio. € zu (2018: 47,3 Mio. €). Ebenso erhöhte sich der flächenbereinigte Umsatz um 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Umsatz- und Ergebnisrückgang im Wholesale

Das Segment Wholesale entwickelte sich hingegen nicht positiv. Der Umsatz ist 2019 um 1,8 % auf 329,2 Mio. € gesunken (2018: 335,1 Mio. €). Insolvenzen von Großkunden sowie niedrigere Lizenzerlöse werden als Gründe aufgeführt. Das bereinigte EBITDA ist gegenüber dem Vorjahreswert deutlich um 14,8 Mio. € auf 44,8 Mio. € gesunken (2018: 59,6 Mio. EUR). Die sei auch mit der Neustrukturierung der Finanzierungsverträge, dem Rückgang im Rohertrag von 6,1 Mio. €, höheren Personalaufwendungen und gesunkenen Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen zu begründen. Des Weiteren belastet die Corona-Krise das Geschäftsjahr 2020, die wirtschaftlichen Auswirkungen seien aber noch nicht quantifizierbar, weshalb derzeit keine Prognose für 2020 möglich ist.

Von: Sandra Seck