Fashion

Saborka Bags: Vom Abfallprodukt zu Statement-Fashion

Vom Design bis zur letzten Naht findet alles in Wien statt. Im Interview erzählt Designerin Sabrina Satzinger, warum Nachhaltigkeit für sie oberste Prämisse ist.

Zwischen Vergleichender Literaturwissenschaft und Textiltechnologie entstand Saborka - ein junges Taschenlabel aus Wien. Das Besondere an diesem ist nicht nur die Frau hinter der Marke, Sabrina Satzinger, die selbst designt und produziert, sondern und vor allem auch das Material, aus dem die Accessoires gefertigt werden: Piñatex. Was genau Piñatex ist und wie sie auf die Idee für die Earth Collection kam, hat uns Sabrina im Interview verraten.

1. Woher kommt der Name Saborka?

Saborka ist ein Spitzname, den mir ein lieber Freund vor vielen Jahren mal gegeben hat. Als es dann bei meiner Gründung darum ging den geeigneten Namen zu finden, war schnell klar, dass Saborka der richtige ist. Ich habe das Gefühl, dass dieser ein Name ist, mit dem ich gemeinsam als Marke wachsen kann, der mich nicht in eine bestimmte Richtung drängt und der trotzdem immer ein Teil von mir sein wird.

2. Was war die Motivation und Inspiration für das Label?

Die Inspiration kam in erster Linie vom Drang danach, kreativ sein zu können und natürlich der Liebe zum Handwerk. Mir ist es wichtig, Leuten ins Gedächtnis zu rufen, wie Produkte hergestellt werden und welche Arbeit dahinter steckt. Als ich mit Saborka begann, fand ich es Schade, dass es keine Rucksäcke gab, die in Österreich hergestellt wurden und gleichzeitig vegan sind. So nahm damals alles seinen Lauf. Heute habe ich praktische Rucksäcke und elegante Taschen im Sortiment.

3. Designen Sie selbst oder haben Sie kreative Unterstützung?

Ich designe alle meine Produkte selbst. Meine kreative Unterstützung kommt meist nur in Form von diversen Inspirationen, die mir im Alltag begegnen. Bei Customized Pieces arbeite ich sehr eng mit Kunden und Kundinnen zusammen, um die Tasche an ihre eigenen Bedürfnissen anzupassen. So manche Auftragsarbeit hat mich schon sehr inspiriert. So sind zum Beispiel unsere Mutter-Kind-Passhüllen und unsere kleinen Kosmetiktaschen entstanden.

4. Nachhaltigkeit ist derzeit ein Schlagwort, das sich so ziemlich jedes Label zu Herzen nehmen möchte. Wie stehen Sie als Designerin dazu?

Nachhaltigkeit ist mir ein wichtiges Anliegen - das war es bereits bei meiner Gründung. Aus finanziellen Gründen war es mir in der Vergangenheit aber nicht immer möglich zu 100% darauf zu achten. Nichtsdestotrotz habe ich schon seit Beginn Stoffreste aufgehoben und diese wieder zusammengenäht, um aus dem neugewonnenen Stoff wieder ein neues Produkt herstellen zu können. Seit diesem Jahr arbeite ich auch endlich mit einem wunderbaren Material namens Piñatex - welches aus den Fasern der Ananasblättern gewonnen wird. Der Stoff ist eine nachhaltige alternative zu Kunstleder und Leder ist (da es zu 80% aus den Fasern der Ananasblätter besteht) und bietet Farmern auf den Philippinen eine zusätzliche Einnahmequelle durch den Verkauf dieser Fasern, die eigentlich Abfall wären.

5. Verwenden Sie also nur nachhaltige Materialen?

Zurvor hab ich primär mit Kunstleder und Baumwollmischungen gearbeitet. Mit der jetzigen Kollektion wollte ich aber endlich den nächsten wichtigen Schritt hin zu einer nachhaltigen Produktion gehen. Die Earth Collection besteht vollkommen aus natürlichen Materialien, eine harmonische und naturverbundene Kombination von Baumwolle, Leinen, Holz und Piñatex. Piñatex ist wie bereits erwähnt ein Material aus den Fasern der Ananasblätter, welche ein Nebenprodukt der Agrarwirtschaft sind und daher keine zusätzliche Landwirtschaftsfläche, Wasser oder Pestizide benötigen. Auch die verwendete Färbemittel, die für Piñatex verwendet werden sind GOTS-zertifiziert und der verwendete Harz entspricht den AFIRM-Standards.

Beim Innenfutter habe ich mir auch etwas Besonderes einfallen lassen. Für einige der Taschen und Rucksäcke verwende ich einen Baumwollstoff mit einem Batikmuster, der in Togo von Hand eingefärbt wird. Dieser Stoff ist deshalb so besonders, weil er ein soziales Projekt »Tailoring Togo« unterstützt. Hier erhalten Mädchen und junge Frauen eine schulische Ausbildung und erlernen ein Handwerk, damit sie später selbstständig arbeiten können und nicht auf einen Mann angewiesen sind.

6. Wie es aussieht ist Nachhaltigkeit für Sie wirklich oberste Prämisse. Wo lassen Sie denn produzieren?

Momentan produziere ich noch alles selbst, in meinem kleinen Studio in Wien. Ich hoffe aber, dass ich in den nächsten Jahren die ein oder anderen helfende Hand einstellen kann. Mir ist eine lokale Produktion wichtig, damit ich zum einen sicher sein kann, dass alles fair hergestellt wird und auch deshalb weil ich der Meinung bin, dass ein Design nur dann gut ist, wenn die Vision innerhalb der Produktion verstanden wird und dabei ist ein direkter und regelmäßiger Austausch wichtig.

7. Welche Tasche hat in der Entstehung bzw. Produktion am längsten gebraucht?

Der klassische Saborka-Rucksack hat definitiv am längsten in der Entstehung und Produktion gebraucht. Als aller erstes Modell im Sortiment, musste ich mit der Zeit erst alles erlernen und hatte somit keine routinierten Vorgänge. Nach und nach konnte ich besser einschätzen, welche Arbeitsschritte, wann am besten sind. All diese Dinge sind Teil eines für mich enorm wichtigen Lernprozesses, und haben es mir anschließend bei der Entwicklung und Fertigung der anderen Modelle um Einiges leichter gemacht.  

Saborka gibt es bereits seit 2016 in Wien. Seit neustem bietet Sabrina auch Customized-Pieces. Kunden und Kundinnen können Wünsche direkt an die Designerin schicken und die Taschen an ihre alltäglichen Bedürfnisse anpassen lassen.

Von: Márcia Neves