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Pemsel: »Herausforderung Nachhaltigkeit«

Von 2. bis 5. März sind Wirtschaftskammer-Wahlen. Die scheidende Obfrau des Bundesgremiums Handel mit Mode- und Freizeitartikeln, Jutta Pemsel, im Interview.

Frau Dr. Pemsel, Sie werden bei der bevorstehenden Wahl nicht mehr kandidieren. Wie sieht es denn mit der nächsten Generation aus? Gibt es genug Händler, die sich in der Wirtschaftskammer engagieren?

Ich habe mein Unternehmen rechtzeitig und gut in eine neue Zukunft geführt. Es sind fast alle Arbeitsplätze und Standorte erhalten geblieben, wenn auch unter verschiedenen neuen Eigentümern. Ich freue mich, dass es gut weitergeht! Ich kandidiere noch auf der niederösterreichischen Landesliste, aber auf unwählbarer Stelle. Ich habe aber meine Nachfolgerin in Mistelbach, Karin Schneider, für eine Kandidatur gewonnen. Sie kandidiert auf wählbarer Stelle.

Wir haben auch sonst sehr gute junge Händler, die nachrücken. Wolfgang Feucht ist seit dem Vorjahr Obmann in Tirol, Rainer Rauch vom Modehaus Roth ist im Landesgremium Steiermark, Johannes Kutsam in Oberösterreich, Nina Stift in Niederösterreich, um nur ein paar zu nennen. In Wien ist Günther Rossmanith Listenführer. Er sitzt seit Jahren im Verhandlungsteam für den Kollektivvertrag. Aber natürlich: Es könnten immer mehr sein.

Was waren Ihre Arbeitsschwerpunkte?

Ich war zwölf Jahre lang Obfrau im Bundesgremium, schon vor der Fusionierung mit den Branchen Sport, Leder und Schuh. Nur einer unserer Erfolge für die Branche war die gesetzliche Verankerung der steuerfreien Personalrabatte im Ausmaß bis zu 20 % bzw. 1.000 Euro. Auch der Wettbewerb für die beste Homepage, der inzwischen schon drei Mal stattgefunden hat, hat den Betrieben genützt. Damit wollten wir die Branche auf die Wichtigkeit der Digitalisierung hinweisen. Die Gewinner konnten durch die Auszeichnung auch direkte wirtschaftliche Erfolge erzielen, für die anderen war es ein Ansporn, noch besser zu werden.

Ein Thema, das uns schon lange begleitet, ist der Bürokratieabbau. Dazu haben wir zwei Studien prominent präsentiert. Kleinunternehmen mit unter zehn MitarbeiterInnnen – und die machen immerhin 85 % unserer Mitgliedsbetriebe aus – kostet die Bürokratie ca. 1.000 Euro im Monat oder 4 % des Umsatzes. Durch unsere sehr gute Zusammenarbeit mit der Bundessparte Handel konnten wir hier einige Erfolge erzielen. Ende 2019 wurde außerdem die 15-Warengruppen-Regelung abermals um fünf Jahre verlängert – Stichwort Registrierkasse. Wegen dem überraschenden Regierungswechsel war das keine leichte Sache.

Und dann drängen wir natürlich auch auf faire Wettbewerbsbedingungen mit dem Online-Handel, durchaus mit vielen Erfolgen. Zum Beispiel gilt seit 1. Jänner 2020 die Plattformhaftung. Damit haften Plattformen dafür, dass die Marktplatzhändler ihre steuerlichen Verpflichtungen erfüllen.

Was sind die Themen, mit denen sich das Gremium in der nächsten Periode verstärkt beschäftigen muss?

In den Nullerjahren war das bestimmende Thema die Flächenexpansion, in den Zehnerjahren der Onlinehandel. Die große Herausforderung des kommenden Jahrzehnts wird die Nachhaltigkeit. Wobei wir hier als Händler nur in der Position der Vermittler zwischen Kunden und Lieferanten sind. Da wird es viel um Bewusstseinsbildung gehen. Wir werden dazu noch vor dem Sommer eine Mitglieder-Umfrage starten, wie das Thema im Handel gesehen wird.

Wie geht es dem Modehandel derzeit?

Im Moment sehe ich eine halbwegs stabile Gesamtsituation. Trotz aller Herausforderungen sieht es eigentlich gut aus, man kann mit dem Geschäftsgang zufrieden sein. Das meistgenannte Sorgenkind ist auch in unserer Branche der Fachkräftemangel. Wir müssen die Lehrlingsausbildung weiter verbessern und schauen, dass wir mehr junge Menschen für unsere Branche begeistern. Und natürlich liegt dem Handel auch die Chancengleichheit mit dem Online-Wettbewerb sehr am Herzen. Das geht hin bis zur Verpackungsentpflichtung via ARA-Beiträgen, die unsere Händler belastet, die sich der ausländische Online-Handel aber erspart.

Letzte Frage: Wie beurteilen sie die Auswirkung des Coronavirus auf unsere Branche?

Dass es zu gewissen Verzögerungen in der Warenversorgung kommen wird, weiß man. Ich beurteile das aber nicht als dramatisch. Der Übergang von Winter- auf Frühjahrsware wird davon noch nicht betroffen sein. Wir hatten in der Kammer bis jetzt noch keine Anfragen zu dem Thema. Für alle rechtlichen Fragen hat auch die Wirtschaftskammer einen zentralen Infopoint eingerichtet. Unter www.wko.at/coronavirus laufen sämtliche Informationen zusammen. Außerdem findet man dort alles zum Thema ArbeitnehmerInnenschutz, zum Arbeitsrecht oder zu eventuellen Entschädigungszahlungen.

Von: Manuel Friedl