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OVS tut sich mit Vögele schwer

Die Umstellung der Charles-Vögele-Läden auf das italienische Fast-Fashion-Konzept OVS läuft nicht so erfolgreich wie geplant.

Besonders in der Schweiz, wo bereits das komplette Ladennetz von 145 Stores auf OVS umgestellt wurde, dürften die Italiener die Schwierigkeiten des Marktes unterschätzt haben. In Österreich soll der Großteil der Umstellung erst heuer erfolgen. Im Jänner hatte Charles Vögele bekannt gegeben, dass ein Viertel der österreichischen Läden geschlossen werden.

»Der Schweizer Markt erweist sich als schwieriger als erwartet«, schreibt der größte Modehändler Italiens in der Pressemitteilung zu den soeben veröffentlichten Ergebnissen für das Geschäftsjahr 2017/18 (per 31.1.). In der ersten Saison nach der Umstellung der Stores habe der Zustrom neuer Kunden den Verlust der traditionellen Vögele-Kundschaft nicht ausgleichen können. »Aufgrund der derzeitigen schwierigen Marktlage sowie der Notwendigkeit eines radikalen Austauschs der Kundenbasis« brauche man mehr Zeit, um den Turnaround zu schaffen. Man habe außerdem erkannt, dass man das Markenprofil in einigen Punkten an die spezifischen Markterfordernisse anpassen müsse. Laut Einschätzung von OVS war der Schweizer Bekleidungsmarkt in Summe im Vorjahr um 5,2 % rückläufig und einem enormen Druck auf Preise und Spannen ausgesetzt.

OVS hatte die Übernahme von Charles Vögele so gestaltet, dass die Risiken für das Unternehmen selbst minimiert wurden. OVS besitzt lediglich 35 % an der Sempione Fashion AG, in der die Überreste von Charles Vögele stecken. Der Rest gehört zwei Investoren. Aufgrund dieser niedrigen Beteiligung findet man in der Bilanz von OVS weder die Umsatz- noch die Ergebniszahlen von Charles Vögele. Sempione ist Franchisenehmer von OVS, und die italienische Firma hat einen Management-Vertrag, der ihr die Führung der Sempione-Geschäfte vollständig überträgt. Was ein Blick in die Bilanz von sehr wohl zeigt: Aufgrund des enttäuschenden Beginns in der Schweiz musste OVS die Beteiligung von 8,3 Mio. Euro sowie ein Aktionärsdarlehen von 12,8 Mio. Euro an Sempione vollständig abschreiben. Zudem wurden Rechnungen über 13,5 Mio. Euro erlassen.

Der Gewinn von OVS brach 2017/18 von 78 Mio. auf nur noch 5 Mio. Euro ein. Der Umsatz stieg inklusive der Warenverkäufe an Charles Vögele um 12 % auf 1,53 Mrd. Euro. Flächenbereinigt sanken die Umsätze um 1,1 %, teilt OVS mit. Im Heimatmarkt Italien ist das Unternehmen weiterhin erfolgreich: Der Marktanteil wurde um rund 0,5 Prozentpunkte auf 7,8 % ausgebaut. Wobei der italienische Markt in Summe laut Einschätzung des Marktführers um 1,3 % rückläufig war.

Von: Manuel Friedl