Fashion

Offener Brief an die Modebranche: Stardesigner fordern Veränderung

In einem offenen Brief sprechen sich zahlreiche Designer und Unternehmer für einen fundamentalen Wandel in der Modeindustrie aus. Zentrale Themen sind neue Saisonrhythmen und Nachhaltigkeit.

Gespräche darüber, wie man Mode nachhaltiger gestalten und die längst überholten Saisonrhythmen in neue, zeitgemäße Bahnen leiten könnte, gab es in den vergangenen Jahren zuhauf. Das Corona-Virus und der damit einhergehende Lockdown scheinen nun als Katalysator zu wirken und könnten dafür sorgen, dass den Worten auch Taten folgen. Immer häufiger werden Stimmen laut, die dazu animieren, gewohnte Strukturen aufzubrechen und einen Wandel zu größerer Nachhaltigkeit zu beschleunigen. Am vergangenen Dienstag forderten nun auch eine Reihe von Designern, CEOs und Führungskräften im Einzelhandel in einem offenen Brief Veränderung und unterbreiteten entsprechende Vorschläge. Die Idee zum »Open Letter to the Fashion Industry« stammte von Designer Dries Van Noten und Andrew Keith vom Luxus-Modehändler Lane Crawford. Zu den namhaften Unterzeichnern zählen unter anderem Joseph Altuzarra, Mary Katrantzou, Erdem Moraliglu und Tory Burch.

»Wir sind uns einig, dass die gegenwärtige Situation zwar schwierig ist, aber die Gelegenheit für einen fundamentalen und willkommenen Wandel bietet, der unser Gewerbe vereinfachen und es ökologisch und sozial nachhaltiger machen wird, so dass es im Endeffekt den Bedürfnissen der Kunden besser entspricht«, heißt es zu Beginn des Schreibens.

Neue Saisontermine, Nachhaltigkeit, effizientere Prozesse

Konkret sprechen sich die Unterzeichner für neue Saisonrhythmen in der DOB und HAKA aus. Die Umstellung soll demnach bereits mit der kommenden Saison Herbst/Winter 2020/21 beginnen. Gefordert wird eine Verschiebung der Saison in die Monate August bis Januar. Die Frühjahr/Sommer-Saison würde demnach künftig von Februar bis Juli dauern. Rabatte sollen erst gegeben werden, wenn die Kleidung für den Träger tatsächlich weniger relevant ist, also zum Saisonende.

Parallel dazu soll Nachhaltigkeit in der Branche in sämtlichen Bereichen gesteigert werden. Wichtige Punkte seien die Reduktion der Produktion von »unnötigen Produkten«, beschränkte Reisetätigkeit, gesteigerte Nutzung digitaler Showrooms und umweltfreundlichere Verkaufsprozesse sowie Präsentationen, heißt es in dem Schreiben. Unter diesen Gesichtspunkten sei es auch erforderlich, das Konzept von Modenschauen entsprechend zu überdenken und anzupassen.

»Gemeinsam hoffen wir, dass diese Schritte es unserer Branche ermöglichen, mehr Verantwortung für die Auswirkungen auf unsere Kunden, den Planeten und die Modegemeinschaft zu übernehmen und die Magie und Kreativität zurückzubringen, die Mode zu einem so wichtigen Teil unserer Welt gemacht hat«, heißt es zum Abschluss.

Eine aktuelle Liste aller Unterzeichner findet sich hier. Der vollständige Brief kann hier eingesehen werden.

Von: Lisa Hollogschwandtner