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Münchner Sanierer führt Vögele weiter

Die insolvente Modekette Charles Vögele wird übernommen und restrukturiert. Weitere 30 Filialen sollen geschlossen werden.

Knapp sechs Wochen nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens von Charles Vögele Austria gibt es nun eine Entscheidung: Der Restrukturierungsspezialist GA Europe übernimmt die Kette. Laut Masseverwalter Clemens Jaufer sei GA Europe ein »strategischer Investor“ mit einem »tragfähigen Zukunftskonzept«. Gemäß einer Pressemitteilung der Insolvenzverwalter will der Käufer den Markennamen Vögele weiterverwenden. Die italienische OVS-Gruppe, zuletzt Haupteigentümer der österreichischen Landesgesellschaft von Charles Vögele, habe zugesichert, die Filialen in den nächsten Wochen mit neuer Herbst- und Winterware im Wert von mehr als 10 Mio. Euro zu bestücken.

Weitere Schließungen

Seit Jahresbeginn hat der Modehändler sein österreichisches Filialnetz bereits um rund 30 auf derzeit rund 100 Standorte reduziert. In den nächsten Tagen sollen weitere 15 Geschäfte geschlossen werden, bis Ende Oktober werden zehn bis 15 weitere Schließungen folgen. Damit wird voraussichtlich auch rund ein Drittel der österreichweit rund 760 Beschäftigten ihren Arbeitsplatz verlieren. »Uns tut das irrsinnig leid, wir wollten das natürlich auch nicht«, sagte Masseverwalter Norbert Scherbaum gegenüber dem ORF. »Aber es war immer klar, dass das Unternehmen in dieser Form, mit dieser Art, mit so vielen Filialen, nicht gewinnbringend geführt werden kann, weil die Umsätze in manchen Filialen wegen der Kaufkraft, der Abwanderung in den Orten, einfach zu gering waren, um solche Filialen zu betreiben.« Sofort geschlossen werden Filialen in Wien (SCN und Awarenstraße), Graz (Weinzöttl und St. Peter), Salzburg (ZiB), Haid, Bad Radkersburg, Spittal, Mürzzuschlag, St. Veit, Reutte, Lannach, Wolfsberg, Schwanenstadt und Vogau.

Entscheidung am 22. Oktober

Endgültig entschieden wird über die Übernahme von Vögele durch GA Europe am 22. Oktober bei der Gläubigertagsatzung. Masseverwalter Scherbaum geht aber von einer Zustimmung der Gläubiger aus. Diese sollen laut dem Sanierungsplan 20 Prozent ihrer Forderungen erfüllt bekommen.

Der Käufer

GA Europe wurde 2009 als europäisches Tochterunternehmen von Great American (GA) gegründet und ist laut eigenen Angaben »darauf spezialisiert herausfordernde Situationen im Handel durch Einsatz von Retail-Know- How und Kapital zu lösen«. In den letzten Jahren betreute GA Europe auch mehrere Kunden aus den Bereichen Mode- und Schuhhandel, wobei es dabei zumeist um Firmenzerschlagungen oder –schließungen ging. Erfolgreich verlief u. a. die Sanierung des großen niederländischen Modefilialisten MS Mode. Dieser wurde im August 2016 ebenfalls aus einer Insolvenz übernommen, saniert und bereits im Jänner 2017 an einen neuen Eigentümer weiterverkauft. Weitere Problemfälle, für die GA Europe tätig war, waren Mexx und American Apparel.

Von: Manuel Friedl