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Modehandel fordert 60 % des Wareneinsatzes als staatliche Unterstützung

Der heimische Modehandel warnt vor einer Insolvenzwelle ohne rasche Überbrückungskredite. Diese sollen nur zu drei Viertel rückzahlbar sein. Ebenfalls auf der Wunschliste stehen Sale-Regulierungen.

Mit einer ganz konkreten Forderung nach staatlicher Unterstützung hat sich heute das Bundesgremium des Handels mit Mode und Freizeitartikeln gemeinsam und im Namen von führenden heimischen Modeanbietern wie Kastner & Öhler, Fussl, Egger, Feucht, Kolm, Roth, Steinecker, Bründl und Stift an die Politik gewandt.

In dem von den genannten Händlern erarbeiteten und mit dem WK-Gremium abgestimmten Papier wird auf die spezielle Branchensituation mit ihren langen Order-, Liefer- und Verkaufszyklen hingewiesen. Die Geschäfte seien voll mit bereits bezahlter Frühjahrsware, die mit jedem Tag der Geschäftsschließung „weniger wert“ würde und „nur noch mit hohen Abschlägen verkauft werden“ könne, heißt es. Sonstige Zahlungen würden weiterlaufen, für April werde außerdem bereits die erste Hochsommerware erwartet, die nur in Ausnahmefällen storniert werden könne. Während sonstige Zahlungen weiterlaufen würden, seien die Zuflüsse auf den Bankkonten in den meisten Fällen gleich null.

Fehlender Umsatz muss abgegolten werden

„Kurzfristig braucht der Modehandel die rasche Zurverfügungstellung von Liquidität“, heißt es in dem Schreiben, das an Bundeskanzler Sebastian Kurz, Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck, WKO-Spitze und sonstige führende Entscheidungsträger erging. „Unsere Kernforderung: Der fehlende Umsatz muss zumindest teilweise abgegolten werden! Diese erste Maßnahme ist schon deshalb notwendig, um eine Insolvenzwelle zu verhindern, die mehr als 70.000 Arbeitsplätze betreffen würde.“ Dabei sei ein rückzahlbarer Kredit nicht genug. Vielmehr sei es „Für den Modehandel überlebensnotwendig, einen staatlichen Zuschuss für den entgangenen Umsatz zu erhalten.“

Konkret gefordert wird ein nur teilweise rückzahlbarer Überbrückungskredit in Höhe des konkreten Umsatzverlustes. Pro geschlossener Woche soll demnach 1,9 % des Jahresumsatzes als Kredit gewährt werden. (Bei 52 Wochen hat jede Woche im Schnitt 1,9 % Anteil am Jahresumsatz.) Dieser Kreditbetrag soll allerdings nicht zur Gänze rückzahlbar sein, sondern abzüglich 60 % des Wareneinsatzes. Dieser wird im Branchenschnitt mit 43 % des Bruttoumsatzes angenommen. Durchgerechnet würde die staatliche Unterstützung somit 25,8 % der Kreditsumme betragen. „Damit würde eine Existenzgrundlage weiterhin gegeben sein und zumindest der Großteil des entstehenden Warenverlustes bzw. Warenschadens auch ausgeglichen werden“, schreiben die Branchenvertreter.

Forderung nach Wiedereröffnung und Sale-Verbot

Abseits dieser Kernforderung richtet der heimische Modehandel zwei weitere Appelle an die Politik. „Wir als Modehandel mit einem hohen Anteil an Saisonware fordern mit Nachdruck, dass wir unter den ersten sind, die die Geschäfte wieder öffnen dürfen“, heißt es in dem von Bundesgremialobfrau Jutta Pemsel sowie ihrem designierten Nachfolger Günther Rossmanith gezeichneten Schreiben. Die letzte Forderung betrifft die Rabattschlachten, die nach der Wiedereröffnung der Geschäfte zu befürchtenden sind. „Um hier gegenzusteuern fordern wir die temporäre Wiedereinführung der zeitlich fixierten Abverkaufszeiten bzw. das Verbot von Abverkäufen bis zumindest 31. 7. 2020. Im Sinne einer grenzüberschreitenden Wettbewerbsfairness regen wir an, dass sich Österreich für vergleichbare Abverkaufsbedingungen europaweit einsetzt, welche auch die internationalen Onlineanbieter umfassen.“

Von: Manuel Friedl