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Modehandel: Flaute im ersten Quartal

Für den Modehandel war es das schlechteste erste Quartal seit mehr als zehn Jahren. Und das trotz günstiger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen.

»Zum Vergessen« lautet der Kommentar eines steirischen Modehändlers zum ersten Quartal. Tatsächlich würden wohl viele Modehändler lieber den Mantel des Vergessens über den verpatzten Jahresstart breiten. Nach dem zweistelligen Minus im Februar brachte auch der März keine Erholung: Um 5,8 % rasselten die Umsätze im stationären Modehandel nach unten. Kumuliert ergibt sich somit nach dem ersten Quartal ein Rückstand von 4,7 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das zeigen die Zahlen, die die KMU Forschung im Auftrag der Wirtschaftskammer erhebt. Das Ostergeschäft, das diesmal zur Gänze in den März fiel (2017 war es im April), brachte aufgrund des unwirtlichen Wetters keinerlei Impulse. Mit verantwortlich für das schlechte Abschneiden des Modehandels ist diesmal zweifellos auch die hohe Vorlage aus dem Vorjahr: Im März 2017 waren die Umsätze bei Kaiserwetter um 5,8 % im Vergleich zu 2016 gestiegen. Positiv betrachtet lagen die März-Umsätze heuer also immer noch um gut 1 % über jenen von 2016. Im März war es den ganzen Monat hindurch trüb und deutlich zu kalt. Auffällig ist, wie die Umsatzverteilung dem Wetter folgte: Am schlechtesten fielen die Umsätze in den südlichen Bundesländern aus, wo auch der meiste Niederschlag fiel. Dort summierte sich das Umsatzminus in der Folge auf nahezu 10 %. In den westlichen Bundesländern hingegen lagen die Temperaturen nahezu auf Vorjahresniveau und es war sogar trockener als 2017. Die Umsätze gingen in Vorarlberg, Tirol und Salzburg dann auch nur um knapp 3 % zurück. Und wie schon im Februar taten sich auch diesmal kleinere Unternehmen mit weniger als 4 Mio. Euro Jahresumsatz deutlich leichter als die großen Tanker mit Umsätzen jenseits dieser Umsatzschwelle. Auf ein weiteres Problem der Branche weist die Entwicklung der Kundenfrequenz hin: Auch diese war im 1. Quartal rückläufig – jedoch nur um 2,6 %. Das bedeutet, dass es dem Modehandel nicht gelang, den Kunden, die in die Geschäfte kamen, gleich viel zu verkaufen wie im Vorjahr. Anders formuliert: Nur rund die Hälfte des Umsatzrückgangs kann durch weniger Kunden erklärt werden. Die andere Hälfte ist auf niedrigere Bons pro Kunde zurückzuführen.

Einzelhandel in Summe im Plus

Der stationäre Einzelhandel insgesamt hatte übrigens nicht mit derartigen Problemen zu kämpfen: Die Branche in Summe wuchs im März um 3,6 %, und im gesamten ersten Quartal immerhin um 1,4 %. Die Frequenz ging nur marginal um 0,8 % zurück. »Vor allem der Spielwareneinzelhandel, der Buch- und Schreibwareneinzelhandel aber auch der Lebensmitteleinzelhandel profitierten von der Verschiebung des Osterfest«, heißt es vonseiten der KMU Forschung dazu. Die Spielwaren liegen dann auch mit einem Plus von 7,3 % im Quartal ganz vorn im Branchenranking, an zweiter Stelle liegt der Lebensmittelhandel mit +4,5 %. Während der Sportartikelhandel durch den extrem langen Winter eher zu profitieren schien (+ 3,8 %), traf die kalte Witterung den Schuhhandel sogar noch deutlich härter (-9,7 %) als den Bekleidungshandel (-4,7 %). Die Rahmenbedingungen für den Handel sollten heuer durchaus rosig bleiben: Die Wirtschaftsforschungsinstitute prognostizieren eine Fortsetzung des Konjunkturaufschwungs. Nominell sollte das BIP heuer laut WIFO sogar um 4,9 % wachsen, die Konsumausgaben der privaten Haushalte um 3,7 % ansteigen. Die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie seit fünf Jahren nicht, die Einkommen steigen. Bleibt nur zu hoffen, dass der Modehandel in den nächsten Monaten auch etwas davon abbekommt.

Von: Manuel Friedl