Fashion

Mangelware Mundschutz

Immer mehr Unternehmen stellen aktuell ihre Produktionsabläufe um. Heimische Designer packen ebenso an wie internationale Brands: von Luxusmarken über Wäsche- bis hin zum Kleiderspezialisten.

Wie die Textilzeitung berichtet hat, haben bereits zahlreiche namhafte Unternehmen und Konzerne wie Eterna, H&M oder Rösch ihre Produktionsabläufe umgestellt, um Mundschutzmasken herzustellen. Die Rösch Fashion GmbH & Co KG verkauft die eigens gefertigten Masken seit kurzem auch im eigenen Onlineshop unter roesch-fashion.com. In Italien werden die Produktionen aktuell ebenfalls angepasst. Die Calzedonia Gruppe führt seit 23. März in den Fabriken von Avio und Gissi sowie in allen kroatischen Fabriken der norditalienischen Gruppe die Umstellung durch, für die Spezialmaschinen eingekauft wurden. Prada startet mit der Produktion von Atemschutzmasken und Arztkittel für Sanitäter in der Toskana. Auch die Armani Group stellte sämtliche Produktionsabläufe auf die Herstellung von medizinischen Einwegoveralls um. Nach seiner ersten Spende an die nationale Zivilschutzabteilung und die Krankenhäuser Luigi Sacco, San Raffaele, Istituto dei Tumori in Mailand und Istituto Spallanzani in Rom hat Giorgio Armani in den letzten Wochen auch Krankenhäuser in Bergamo, Piacenza und Versilia in der Toskana finanziell unterstützt. Insgesamt beläuft sich die gespendete Summe mittlerweile auf 2 Mio. €. Die Schuhmarke Fabi spendet eigens gefertigte Masken an umliegende Gemeinden und Vereinigungen. Selbst der Autobauer Fiat Chrysler will Mundschutz herstellen. Und auch die ialienische Plissè Group United beginnt mit der Herstellung von Masken und medizinischen Schutzkitteln. »Wir wollen unser Land unterstützen: Das Made in Italy steht nicht nur für die Qualität unserer Produkte, sondern auch für die Liebe und den Respekt gegenüber den Menschen«, so Paolo Mason, CEO und Gründer der Plissè Group.

Schutzmaskenfertigung in Österreich

Die traditionelle Hutmanufaktur Mayser hat ebenfalls ihre Produktion teilweise auf Mund- und Nasenschutz-Masken umgestellt. Seit 1 Woche wurden bereits über 10.000 Masken aus Baumwolle für Mitarbeiter, Geschäftspartner, Pflegepersonal und Kliniken genäht.

Auch der Wiener Designer Juergen Christian Hoerl fertigt mit seinem Team im Atelier am Wiener Opernring aktuell Schutzmasken aus 100 % Baumwolle. Die Modelle können bei 60 Grad gewaschen werden und sind so mehrfach verwendbar. Masken in speziellen Mustern oder Farben sind auf Anfrage bestellbar. Auch Kindergrößen sind erhältlich, auf Wunsch aus Stoffen mit Tiermuster.

Der österreichische Skinwear-Spezialist Wolford änderte ebenfalls die Produktionsabläufe im Headquarter in Bregenz und in Slowenien und stellt aktuell Gesichtsmasken her. Zusätzlich koordiniert das Unternehmen die Spenden des Mehrheitseigentümers Fosun an medizinische Institutionen in Italien und Österreich als Teil des »Fosun Global Anti-Virus Relief Scheme«. Die Mehrheit der gefertigten Masken wird kostenlos an Wolford-Mitarbeiter in Risikogebieten verteilt. Eine limitierte Auflage (Anm. Stand 31.03. bereits ausverkauft) wurde zudem im Onlineshop der Marke vertrieben. In Vorarlberg haben sich angesichts knapper werdender Schutzausrüstungen und -mittel gegen das Coronavirus regionale Initiativen gebildet, um Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel herzustellen (die Textilzeitung berichtete). Eine Taskforce bestehend aus mehreren Vorarlberger Textilunternehmen produziert aktuell Masken für Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen. Dabei unterstützt Wolford mit hochelastischen Strickschläuchen und stellt Maschinen für die Materialformung zur Verfügung.

Masken made in Germany

Auch der Kleiderspezialist Swing funktionierte sein Musteratelier um: Wo sonst Modellkleider entstehen, näht die Schneiderei nun wiederverwendbare Schutzmasken, um sie der Gemeinde Schermbeck am Niederrhein zu spenden. »Wir wissen nicht, wie unsere Welt in den nächsten Wochen aussehen wird. Aber wir wissen eines: Wir brauchen Zusammenhalt, Gemeinschaft, Menschlichkeit. Darum sind wir verpflichtet zu helfen, wo wir können«, zeigt sich das Unternehmen auf dem Beipackzettel der Masken überzeugt. Die Schutzmasken aus kochbarer Baumwolle werden von der Gemeinde an die einzelnen Haushalte verteilt.  

Bei Gerry Weber läuft die Herstellung von Behelfsschutzmasken bereits seit vergangenem Dienstag. Rund 500 Stück der bei 90 Grad waschbaren Masken könne die Musternäherei in der Unternehmenszentrale in Halle/Westfahlen aktuell pro Tag fertigen, heißt es in einer Mitteilung.

Mit Mundschutzmasken statt Hochzeits-Anzügen reagiert auch Wilvorst auf die Krise. Mit 50.000 Mund- und Nasenschutzmasken pro Woche möchte der Spezialist für festliche Herrenbekleidung seine Nähkapazitäten weiter nutzen. »Durch die Produktion in Northeim Made in Germany sind wir hier besonders flexibel und können zeitlich schnell auf neue Anfragen reagieren. Ferner wird aktuell an einer Erweiterung der Angebotspalette gearbeitet. Schutzkittel befinden sich in der Entwicklung und sollen ebenfalls bald produziert werden«, heißt es von der Wilvorst Geschäftsführung.

Auch Pionier Workwear, die Tochter der Ahlers AG, die Berufsbekleidung herstellt, verkauft jetzt Mundschutzmasken und Overalls und vertreibt beides über den Außendienst und den eigenen eCommerce.

Der Verband für Modehandel Unitex hat eine branchenübergreifende Kooperation vermittelt und auf Anfrage des Automobilzulieferers Mahle einen Modehersteller als Partner gefunden. Gemeinsam mit Triumph Lingerie & Bodywear werden nun Atemschutzmasken, die auch im medizinischen Umfeld eingesetzt werden können, produziert. Die Belieferung erfolgt an behördliche Stellen.

Das nachhaltige Modeunternehmen Lana aus Aachen stellt Stoffe zur Verfügung, fungiert als Sammelstelle und fertigt in der eigenen Musternäherei Masken. Zudem hat die Brand eine Nähanleitung vorbereitet, um die eigenen Community zu ermutigen, selbst Masken anzufertigen und zu spenden. Entsprechende Stoffzuschnitte können in der Zentrale kontaktlos abgeholt werden. Freiwillige Helfer, die nicht nähen können, aber dennoch zur Aktion betragen wollen, werden aufgefordert, beim Zuschneiden und Bügeln zu helfen.

Von: Sandra Seck & Lisa Hollogschwandtner