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Linz Textil schließt Spinnerei

Schließungsentscheidung, Immobilienprojekte sowie Designerkooperation etc.: Die Linz Textil Holding AG dreht derzeit an vielen Schrauben.

Ende Mai ist nun endgültig Schluss mit der Linz Textil-Spinnerei im Süden von Linz, die seit 180 Jahren existierte. Verstärkte Marktbearbeitung und laufende Optimierungen in der Kostenstruktur konnten den massiven Markteinbruch im zweiten Quartal 2017 nicht mehr kompensieren. Dazu ein schwächerer US-Dollar (der Billigimporte nach Europa begünstigte) und Rohstoffe, die vom Hauptfaserlieferanten Lenzing zum Teil über dem Marktpreis zugekauft werden mussten. All das plus nach wie vor pessimistische Ausblicke führte letztendlich zur Entscheidung, den bislang aufgeschobenen Schließungsbeschluss aus dem Jahr 2015 auszuführen. Des einen Leid (rund 40 Mitarbeiter müssen sich neu orientieren), des anderen Freud: So kann zumindest ein Teil der Produktionskapazität von Linz ins kroatische Linz Textil-Tochterunternehmen in Klanjec verlagert werden, wo man unter marktgerechteren Bedingungen schon im Vorjahr den Ausstoß um 36 % auf 7.130 Tonnen gesteigert hat und nun bis zu 10.000 Tonnen andenkt. Zum Vergleich: Die Spinnerei in Linz konnte 15.000 Tonnen Garn produzieren. Um deren freiwerdende Hallen von gut 20.000 m² ist schon ein G'riss: Logistikflächen in Citynähe sind gesucht, was nicht zuletzt dem expandierenden Online-Handel geschuldet ist.

Hörmanseder designt für Vossen


Von den anderen Divisionen der Linz Textil gibt's viel Positives zu berichten: Mit Investitionen in Maschinen mit doppelter Webbreite ist es gelungen, die Linzer Weberei in der Produktivität zu stärken und die Produktpalette zu erweitern. Vier zusätzliche Ringspinn-Anlagen in der ultramodernen Baumwollspinnerei Landeck wurden notwendig, weil der Hauptabnehmer Getzner Textil in Sachen Hemden- und Afrika-Damast-Stoffen hervorragend performt. Und auch der Frottierwarenspezialist Vossen entwickelte sich positiv. Bei der Geschäftsberichtsvorstellung verriet Vorstandsmitglied Hermann Wiesinger, dass auf die imagefördernde Zusammenarbeit mit Designerin Lena Hoschek heuer eine Kooperation mit Marina Hörmanseder folgen wird.

Designhotel namens Spinnerei

Neben den Investitionen in Produktionskapazität, Logistikoptimierung und Markenauftritt treibt die Linz Textil auch eigene Immobilienprojekte voran. Stand im Vorjahr das nahegelegene Palais Löwenfeld (ein dem Verfall preisgegebenes Herrenhaus aus dem Jahr 1824, in dem um 2,4 Mio. Euro Büros und Wohnungen errichtet wurden) im Mittelpunkt, ist es heuer der Neubau eines Hotels in Linz-Ebelsberg. Ab Mai 2020 werden 115 Zimmer im diesbezüglich unterversorgten Süden der Landeshauptstadt zur Verfügung stehen. Rund 14 Mio. Euro nimmt man dafür in die Hand. Der Name steht schon fest: »Spinnerei Designhotel Linz«.

Von: Christian Derflinger