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Lieferungen im Schnitt 20 Tage verzögert

Als Folge der Corona-Epidemie kommt es bei Transporten aus Asien immer noch zu deutlichen Lieferverzögerungen. Bis zum Sommer könnte sich die Lage noch verschärfen.

Aufgrund der Geschäftsschließungen in nahezu ganz Europa ist der Handel derzeit ohnehin eher damit beschäftigt, unerwünschte Warenlieferungen abzuwehren. Doch die empfindlich gestörte Logistikkette hat ohnehin Schwierigkeiten, den Nachschub abzuwickeln.

Das auf Supply-Chain-Management-Software spezialisierte Unternehmen Setlog aus Bochum (D) hat in der Vorwoche berechnet, dass die Lieferverspätungen für Waren aus Asien derzeit im Durchschnitt 20 Tage betragen. Und der Höhepunkt ist noch nicht erreicht. Die Experten prognostizieren für die Sommermonate vereinzelte Verspätungen von bis zu 50 Tagen. Nach derzeitigem Stand wird die Lage für Unternehmen, die insbesondere aus China beliefert werden oder Rohwaren von dort für ihre Produktionen beziehen, ab Juli besonders eng.

Nach Informationen von Setlog konnten viele Betriebe im Reich der Mitte nach dem Ende der chinesischen Neujahrs-Ferien am 11. Februar die Produktion nicht oder zumindest nicht wie gewohnt aufnehmen. Ursache dafür war unter anderem, dass Sublieferanten der chinesischen Hersteller aufgrund der Pandemieauswirkungen Rohstoffe wie etwa Stoffe, Zutaten oder Komponenten nicht liefern konnten. Ein weiterer Grund für Lieferengpässe: In einigen chinesischen Häfen fehlen aufgrund der Viruskrankheit Arbeiter und Fahrer, sodass sich Container stauen und nicht ins Inland befördert werden können. Somit können sowohl Roh- als auch Fertigwaren nicht in andere asiatische Produktionsländer und nach Europa auf den Weg gebracht werden. 

Für die Analyse wertete Setlog die Lieferketten von mehr als 100 Fashionmarken und deren Supply-Chain-Partnern aus. Die Auswertung datiert vom 12. März.

Setlog zufolge waren die Lieferungen Anfang März bei 70 % des Vorjahres-Niveaus. Erst langsam erhole sich die Lage. Die Bochumer Supply Chain-Experten beobachteten auch Verzögerungen von Produktionsaufträgen in Südosteuropa. Vereinzelt meldeten Lieferanten aus der Türkei, Rumänien und Italien, dass später als ursprünglich geplant produziert wird. Wegen der besonders kritischen Lage in Italien sind für die Woche vom 9. bis zum 15. März im Setlog-System OSCA keine Lieferung aus dem südeuropäischen Land verzeichnet worden.

Die Experten von Setlog berichten zudem, dass einige deutsche Firmen für Lieferungen aus China von See- auf Luftfrachttransporte umgestiegen sind. Dafür mussten sie aufgrund der starken Nachfrage auf dem Spotmarkt für Air Cargo im Vergleich zum Vorjahr mitunter das Fünffache bezahlen.

„Wir befürchten, dass es nach der Entspannung der Krankheitslage in China zu anderen Problemen kommen könnte. Sobald die Fabriken die Kapazitäten hochfahren, besteht Gefahr, dass nicht alle auf Standards im Bereich Qualität und Corporate Social Responsibility achten”, sagt Setlog-Vorstand Ralf Düster. Er rechnet zudem damit, dass es zu einer Verknappung der Transportkapazitäten kommen wird, zuerst im Reich der Mitte, später in anderen asiatischen Ländern. „Es ist wichtig, dass Unternehmen so früh wie möglich Transporte in den Wochen buchen, die als besonders kritisch gelten”, so Düster.

„Jetzt zeigt sich, wie wichtig ein professionelles Supply Chain Management ist. Denn transparente Supply Chains sind die Grundvoraussetzung, dass Unternehmen bei unerwarteten Unterbrechungen der Ketten – sei es durch Pandemien, Streiks, Unfälle oder Umweltkatastrophen – handlungsfähig und agil bleiben”, betont Düster. „Und falls jemand wegen Krankheit ausfällt, können die Kollegen unkompliziert die Arbeit übernehmen, weil sie über sämtliche Prozesse einen Überblick haben. Sie müssen nicht erst mühsam in alten E-Mails nach Informationen suchen.”

Von: Manuel Friedl