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»Kleine« Läden: Am 14. April geht es wieder los!

Die Regierung gibt dem Druck vieler Wirtschaftstreibender nach und lässt den Handel nach Ostern schrittweise wieder aufsperren. Die Ungleichheit im Handel setzt sich damit fort.

»Ich kann die Lösung nicht verstehen. Ist in kleineren Läden denn die Gefahr nicht viel größer, dass die Mindestabstände nicht eingehalten werden?« Kastner & Öhler-Vorstand Martin Wäg reagierte am Montag als einer der ersten auf die ersten Lockerungen der Corona-Maßnahmen, die auch und vor allem den Modehandel betreffen. »Die internationale Situation ist dramatisch«, eröffnete Bundeskanzler Sebastian Kurz die mit Spannung erwartete Pressekonferenz am Montag, um eine schrittweise Normalisierung des öffentlichen Lebens einzuläuten.

Schrittweise

So wird unter anderem der Handel schrittweise wieder geöffnet. Mit 14. April dürfen kleine Läden (unter 400 m²) sowie Bau- und Gartenmärkte wieder aufmachen, sofern sie Bestimmungen wie Abstandhalten, Einlassbeschränkungen und Maskenpflicht einhalten. Pro 20 m² soll ein Kunde erlaubt sein. Alle anderen Läden, Beauty-Dienstleister und auch die Einkaufszentren könnten ab 1. Mail die Rollläden wieder hochziehen. Immerhin: Die 400-m²-Regel betrifft etwa 75 % aller Einzelhandelsgeschäfte in Österreich, die sich zumindest wieder Hoffnung machen können, nach Ostern wieder stationäre Umsätze zu lukrieren. Fussl-Chef Karl Mayr wird am 14. April rund 20 Filialen wieder aufsperren und zeigt sich erleichtert, »dass es wieder weitergeht.«

Der Optimismus überwiegt auch in der WKO: »Das ist für den Handel, der aufgrund des Coronavirus' heruntergefahren wurde, ein Licht am Ende des Tunnels«, zeigt sich Peter Buchmüller, Obmann der Bundessparte Handel in der WKO erfreut. Für alle anderen Betriebe, wie Hotels oder Gastronomie soll es erst ab Mitte Mai eine schrittweise Öffnung geben - unter der Voraussetzung, dass sich die Situation positiv weiterentwickelt. Offen ist hingegen, wie es mit Kulturbetrieben, Veranstaltungen, den Bundesgärten oder Bildungseinrichtungen weitergeht. Besonders das Thema Schule brennt vielen Arbeitnehmerinnen auf den Nägeln, denn: Keine Schule, keine Kinderbetreuung. Entsprechend wird von vielen ein paralleles Hochfahren aller Systeme gefordert.

Zurück zum Handel: Einkaufszentren und Läden mit einer Größe von über 400 m² werden am 2. Mai wiedereröffnet, für Lugner-City-Betreiber Richard Lugner nicht nachvollziehbar: »In der Lugner-City haben Lebensmittler und Apotheken auch jetzt offen, viele der Läden in unserem Haus sind unter 400 m², warum sind sie von der Regelung ab 14. 04. ausgenommen?«

Wirtschaftspolitiker reagieren überwiegend positiv auf die verkündete Zwischenlösung. So meinte WKO-Präsident Harald Mahrer: »Das ist ein guter Tag für den österreichischen Standort und der Startschuss für ein starkes österreichisches Comeback nach der Coronakrise.«

»Mit der angekündigten schrittweisen Lockerung der Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie sendet die Bundesregierung ein positives Signal hinsichtlich Planbarkeit, Vertrauen und Zuversicht an Menschen und Unternehmen«, sagte IV-Präsident Georg Kapsch.

Neben Einkaufszentren und Großfilialisten heißt es auch für den Möbelhandel noch: bitte warten! Der Marketingchef des Möbelkonzerns XXXLutz, Thomas Saliger, äußerst Unverständnis darüber, dass ausgerechnet Bau- und Gartenmärkte früher aufsperren dürfen als der Möbelhandel. »Die Verkaufsflächen sind dort viel kleiner und die Kundenfrequenz höher«, so Saliger. Das mache ein Ausweichen schwieriger.

In den meisten Modeläden in Österreich gehen bereits in einer Woche die Rollläden wieder hoch, ein Signal, dass auch bei der deutschen Bekleidungsindustrie für Optimismus sorgt. »Je schneller Österreich wieder in die Gänge kommt, desto schneller wird Deutschland nachziehen«, so der Tenor zahlreicher Modeindustrieller.

Kaum Relevanz hat damit auch die Ankündigung jener Filialisten mehr, die auch während der Corona-Krise offenhalten durften und dürfen, ihr Sortiment ab Oster-Samstag einzuschränken und Non-Food-Artikel nicht mehr zu verkaufen. Mittlerweile liegt schon eine Reihe an Klagen von Fachhändlern vor, die Waren wie Bekleidung oder Sportbedarf nicht verkaufen dürfen, während Vollsortimenter Waren verkaufen, die nicht zur Grundversorgung zählen. Mit zahllosen Rechtsstreitigkeiten muss also auch nach dem »Soft-Opening« des heimischen Handels am 14. April gerechnet werden.

Von: Brigitte Pfeifer-Medlin