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Elefantenhochzeit Karstadt-Kaufhof

Und wieder gelingt René Benko ein Meisterstück: Die Warenhauskonzerne Karstadt und Kaufhof legen ihre Geschäfte zusammen – unter der Führung der österreichischen Signa-Gruppe.

Wie die Süddeutsche Zeitung (SZ) als erste berichtet, haben die Gläubigerbanken von Kaufhof der Fusion der beiden größten Warenhauskonzerne Deutschlands zugestimmt. Durch den Zusammenschluss entsteht der zweitgrößte Warenhauskonzern in Europa. Kaufhof betreibt in Deutschland 96 Filialen, Karstadt rund 80. Über ein Zusammengehen der beiden Unternehmensgruppen war bereits seit vielen Jahren spekuliert und zeitweise auch verhandelt worden. Doch erst nachdem der Signa-Gruppe die Sanierung des jahrelangen Problemfalls Karstadt gelang und Kaufhof wiederum unter seinem neuen Eigentümer, dem kanadischen Warenhauskonzern HBC, in die Krise rutschte, war die Zeit reif dafür. Kaufhof machte zuletzt hohe Verluste und soll am Rande der Insolvenz gestanden sein.

Vertragsunterzeichnung erfolgt

Die von beiden Vertragsparteien verkündete Vereinbarung sieht die Gründung eines Joint Ventures vor, an dem die Signa-Gruppe von René Benko die Mehrheit von 50,01 Prozent der Anteile und HBC die Minderheit von 49,99 Prozent hält. CEO der neuen Holdinggesellschaft wird Karstadt-Chef Stephan Fanderl.

»Strategisches Ziel ist es, das Einzelhandelsgeschäft zukunftsfähig zu machen und im digitalen Zeitalter einen der führenden Omnichannel-Anbieter entstehen zu lassen«, teilen Signa und HBC in einer gemeinsamen Aussendung mit. Zum neuen gemeinsamen Unternehmen gehören die Galeria Kaufhof GmbH, die Karstadt Warenhaus GmbH, das gesamte Einzelhandelsgeschäft von HBC Europe (Saks Off 5th, Galeria Inno in Belgien, Hudson‘s Bay in den Niederlanden) sowie auch Karstadt Sports und der gesamte Lebensmittel- und Gastronomiebereich beider Unternehmen – in Summe 243 Standorte. Auch die entsprechenden E-Commerce-Plattformen sollen zusammengeführt werden.

Im Rahmen der Partnerschaft erwirbt die Signa Prime Selection AG außerdem 50 Prozent am europäischen Immobilienbestand von HBC. Zwei Häuser in Köln und Düsseldorf werden zu 100 Prozent von Signa übernommen.

Für CEO Fanderl ist das neue Gemeinschaftsunternehmen die »ideale Lösung, um sich im stark umkämpften deutschen und europäischen Einzelhandelsmarkt erfolgreich zu positionieren. Jetzt beginnt eine Phase, die von harter Arbeit, großen betrieblichen Herausforderungen und fordernden Marktveränderungen geprägt ist.«

Gemeinsam 5 Mrd. Euro Umsatz

Die Banken hatten das Vertrauen in HBC verloren, weil die Kanadier kein einziges Mal in drei Jahren die im Kreditvertrag vereinbarten Bedingungen erfüllt hätten, schreibt die SZ. Die Landesbank Baden-Württemberg habe zuletzt gedroht, einen Kredit in Höhe von 1,34 Mrd. Euro fällig zu stellen. Das war ausschlaggebend für die nunmehrige Fusion mit der Signa-Tochter Karstadt.

Bei Kaufhof sollen nun laut Presseberichten bis zu 5.000 der derzeit knapp 20.000 Arbeitsplätze wegfallen. Auf die verbleibenden Mitarbeiter kommt ein Sanierungstarifvertrag mit schlechteren Konditionen zu. Das neue Joint-Venture ist mit einem Jahresumsatz von zuletzt etwa 5,4 Mrd. Euro und 32.000 Mitarbeitern der zweitgrößte Warenhauskonzern Europas. Der größte ist El Corte Inglés, er kommt auf mehr als den doppelten Umsatz.

Ganz durch ist die Fusion noch nicht: Bereits vor der Zustimmung der Banken hatte auch das deutsche Bundeskartellamt angekündigt, den Zusammenschluss genau untersuchen zu wollen. Dabei will das Kartellamt auch die Stellung der beiden Warenhausketten in regionalen Märkten in Deutschland unter die Lupe nehmen. Nach Anmeldung der Fusion hat die Behörde dafür vier Monate Zeit.

René Benko steigt mit seinem Tochterunternehmen Signa Retail nun endgültig in den europäischen Handelsolymp auf. Erst im Juni hatte der ursprünglich auf Immobilien spezialisierte Investor die angeschlagenen Möbelketten Kika und Leiner übernommen und dafür 500 Mio. Euro bezahlt. Laut eigenen Angaben steht Signa Retail mittlerweile für einen Umsatz von über 4,5 Mrd. Euro, davon alleine ca. 750 Mio. Euro im Onlinebereich.

Von: Manuel Friedl