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Immobilien: Alternativen zum Handel etablieren sich

Laut dem Immobiliendienstleister EHL hat der Markt für Einzelhandelsimmobilien die Talsohle durchschritten. Denn Gastronomie, Dienstleistungen und Entertainment brauchen mehr Fläche denn je.

Der Markt für Einzelhandelsimmobilien, der in den zurückliegenden Jahren der schwierigste Teilbereich des Immobilienmarkts war, hat sich 2019 wieder spürbar besser entwickelt, berichtet EHL im Rahmen einer Pressekonferenz. Und auch die Aussichten für 2020 sind vielversprechend: »Die Abwanderung bedeutender Umsatzanteile in den Onlinehandel sorgte zweifellos für eine schwierige Ausgangslage, aber mittlerweile gibt es auch wieder eine Reihe positiver Faktoren, von denen Einkaufsstraßen und Einkaufszentren profitieren«, erklärt EHL-Einzelhandelsspezialist Mario Schwaiger. »Der Markt hat seine Talsohle definitiv durchschritten.«

Bemerkenswert sei, so Schwaiger, dass der steigende Anteil des Onlinehandels die positive Entwicklung des stationären Handels zwar bremsen, aber nicht umkehren konnte. Dank der generell wachsenden Bevölkerungszahl, der steigenden Kaufkraft und der wegen anhaltend niedriger Zinsen hohen Konsumneigung verzeichnet der filialgebundene Einzelhandel wieder Umsatzzuwächse.

Vielleicht noch wichtiger ist aber, dass die Anbieter von Einzelhandelsflächen mittlerweile erfolgreiche Strategien gegen die Online-Konkurrenz entwickelt haben. »Das Credo vom Einkauf als Erlebnis ist vom Lippenbekenntnis zur tatsächlich gelebten Leitlinie geworden«, erklärt Schwaiger. Nicht zuletzt deshalb sind in jüngster Zeit einige positive Trends verstärkt zu verspüren:

Gastronomie boomt: Der Anteil von Lokalen, insbesondere aus der Systemgastronomie, an den gesamten Einzelhandelsflächen in guten Lagen steigt kontinuierlich.

Einkauf & Entertainment: Unterhaltungsangebote wie E-Sports, Virtual Reality, Sport und Fitness etc. werden zunehmend zum Standardangebot in guten Einkaufslagen.

Service to go: Dienstleistungen wie z. B. Gesundheitsangebote (Arzt, Physiotherapie, Massage etc.) werden verstärkt in Einkaufszonen angeboten. Kostengünstige Lagen werden immer öfter auch für Büros genutzt.

»Online goes offline«: Onlinehändler richten Flagship Stores an prominenten Standorten ein und nutzen diese zur Imagebildung, als Schauraum, für persönliche Kundenkontakte und als Anlaufstelle, wo Kunden Services in Anspruch nehmen oder Produkte ausprobieren und tatsächlich angreifen können.

Tourismusboom sorgt für Zusatzumsätze: Der boomende Städtetourismus sorgt insbesondere in Wien für weiter steigende Flächenumsätze in den Bestlagen.

»Der Einzelhandel und die Immobilienbetreiber haben den Onlineschock überwunden. Die Mieten sind punktuell und vor allem in schwächeren Standorten unter Druck gekommen, aber einen Rückgang auf breiter Front gibt es genauso wenig wie großflächige Leerstände«, so Schwaiger. Positiv bewertet der Experte auch, dass bis auf kleine lokale Ausnahmen kaum noch zusätzliche Einkaufsflächen errichtet werden. Das stärke die bestehenden Standorte und motiviere Investoren, ihre Bestandsobjekte zu modernisieren.

 

Von: Manuel Friedl