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H&M schließt weitere Stores

Bei Marktführer H&M entwickeln sich die Geschäfte weiterhin schlechter als geplant. Die Gewinne sinken. In Österreich gab zum zweiten Mal in Folge ein Umsatzminus.

Der österreichische Marktführer H&M arbeitet weiter an seiner Neuaufstellung und ist weit von seinen alten Wachstumsraten entfernt. Laut dem soeben veröffentlichten Jahresabschluss konnte der schwedische Modekonzern seine Umsätze im Geschäftsjahr 2017/18 (per 30. November) nur um 3 % auf umgerechnet 20,4 Mrd. Euro steigern. Die Rohertragsspanne ist dabei von 54,0 auf 52,7 % zurückgegangen, der Nettogewinn um fast ein Viertel auf 1,2 Mrd. Euro eingebrochen. Es ist das dritte Jahr in Folge mit rückläufigem Gewinn.

1 % Minus in Österreich

In Österreich ist der Umsatz um 1 % auf 475,6 Mio. Euro netto zurückgegangen, nachdem die Verkäufe schon im Jahr davor um 2 % rückläufig waren. Zum Stichtag betrieb H&M 88 Geschäfte seiner unterschiedlichen Konzepte im Land. Das sind zwei mehr als vor Jahresfrist: Im Herbst wurde im Donauzentrum der zweite Monki-Store hierzulande eröffnet, außerdem erfolgte der Markteinstieg mit & Other Stories.

50 Schließungen in Europa

Mit dieser negativen Bilanz ist Österreich nicht allein: Auch in den beiden größten Märkten Deutschland und USA, aber auch in den wichtigen Märkten Frankreich und Italien gab es Einbußen, teilweise sogar deutlich höhere. Wie der gesamte Handel spürt auch der zweitgrößte Modehändler der Welt die Verlagerung in Richtung Online, die er selbst vorantreibt: Denn einerseits waren die Online-Verkäufe mit einem Wachstum um 21 % auf einen Umsatzanteil von mittlerweile 14,5 % (2016/17: 12,5 %) das Highlight des Jahres aus Konzernsicht. Andererseits erfordert die Umstellung des Geschäftsmodells derart hohe Investitionen, dass das Ergebnis darunter leidet. So wurden alleine im vierten Quartal drei neue Logistikzentren (1 x Deutschland, 2 x Polen) mit einer Fläche von insgesamt 230.000 m2 in Betrieb genommen. Und schließlich macht der Online-Shift auch die Schließung von unrentabel gewordenen Läden unumgänglich. So soll das europäische Ladennetz von H&M in 12 Monaten um 50 Geschäfte kleiner sein als zu Jahresbeginn. Insgesamt sind von Konzernseite heuer 160 Ladenschließungen geplant, denen 240 Neueröffnungen vor allem außerhalb Europas und der USA gegenüberstehen. Weitere 95 Eröffnungen sind mit den neueren Marken wie Cos, & Other Stories, Monki, Weekday, Arket und Afound geplant.

Zusätzlich zu den Schließungen betont H&M, dass die derzeitigen Marktbedingungen gute Möglichkeiten böten, die Mietkonditionen zu verbessern. »H&M hat heuer die Möglichkeit, fast 1.000 Mietverträge neu zu verhandeln«, heißt es. Teilweise sollen Stores auch von der Größe her »angepasst« werden.

Deutlich höherer Lagerstand

Naturgemäß betont die Modegruppe in ihrem Jahresbericht auch die Fortschritte. So hätte sich der Geschäftsgang im Laufe des Jahres graduell verbessert, im 4. Quartal seien die Umsätze um 6 % gestiegen und die Abschriften um 0,6 Prozentpunkte gesunken. In den ersten zwei Monaten des neuen Geschäftsjahres (also Dezember und Jänner) seien die Umsätze um 4 % angewachsen, für das 1. Quartal wird eine Reduktion der Abschriften um einen Prozentpunkt erwartet. »Es gibt Zeichen, das unsere Transformationsbemühungen beginnen, Effekte zu zeitigen«, kommentiert CEO Karl-Johan Persson. «Bessere Kollektionen haben dazu geführt, dass zum Jahresbeginn mehr Ware zum vollen Preis verkauft wurde.« In der Bilanz zeigt sich das noch nicht: Der Lagerstand zum Bilanzstichtag war um 10 % höher als ein Jahr davor und entsprach 17,9 % des Umsatzes (Vorjahr: 16,9 %). »Laufende Verbesserungen im Einkauf und in der Logistik werden zu graduellen Fortschritten führen«, glaubt Persson und betont: »Das Wachstumsziel, die Umsätze in lokalen Währungen pro Jahr bei weiterhin hoher Profitabilität um 10 bis 15 % zu steigern, bleibt langfristig aufrecht.«

Von: Manuel Friedl