Kommentar

Götterdämmerung – aber bitte nicht in Jogginghosen!

Ein Kommentar von Chefredakteurin Brigitte Pfeifer-Medlin.

Ich mochte das Zitat von Karl Lagerfeld noch nie, wonach Kontrolle über sein Leben verliert, wer Jogginghosen trägt. Eine ganze Reihe von erfolgreichen Menschen laufen ab und zu in, wie Kinder früher sagten, »weichen Hosen« herum. Und die Hip-Hop- und Rapperszene macht jeden Tag deutlich: Man kann Millionen, wenn nicht Milliarden verdienen in und mit der Jogginghose. Ohne Lagerfelds Duldung.

Seltsam, als ich die letzten Tage in den Supermarkt ging, kam mir Lagerfelds provokanter Spruch in den Sinn und die damit verbundene Frage: Hatte er vielleicht doch recht? Klar, im Home-Office kann es bequem zugehen, aber will man wirklich die nächsten Wochen in Loungewear oder Sportklamotten verbringen? Sollen die Grenzen zwischen Bett, Schreibtisch und Supermarkt zumindest outfit-technisch wirklich komplett verschwinden?

Verstehen Sie mich nicht falsch: Dabei geht es am geringsten um den Mode-Aspekt. Der rutscht angesichts der Ernsthaftigkeit der Lage ins gesellschaftliche Nirwana. Nein, ich denke, es geht um Disziplin und das Aufrechterhalten gewisser Rituale, die man in Zeiten drohender Götterdämmerung nur allzu gut gebrauchen kann.

Apropos Götter: In Zeiten wie diesen sind wohlklingende Sätze und Dankesbotschaften in alle (??) Richtungen ja breit gestreut. Das für mich mit Abstand beste Fazit dieser unglaublichen letzten Tage kam von Kai Brune, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Henschel aus Darmstadt: » Wir bereiten uns auf eine Krise, aber nicht auf den Weltuntergang vor. « Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Von: Brigitte Pfeifer-Medlin