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Gerry Weber weiter in der Krise

Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres 2017/18 musste Gerry Weber erneut starke Rückgänge bei Umsatz und Gewinn verkraften. Nun heißt es sparen und umbauen.

Der Modekonzern Gerry Weber steckt weiterhin tief in einer Krise: Im ersten HJ 2017/18 ist der Umsatz laut eigenen Angaben gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 5,4 % auf 404,7 Millionen Euro gesunken. Das operative Ergebnis (EBIT) sackte um 46,7 % auf 3,2 Millionen Euro ab. Aufgrund der schlechten Zahlen der ersten sechs Monate korrigierte Gerry Weber die Jahresprognose: Beim Umsatz rechnet man nur noch mit einer Spanne von 830 bis 840 Millionen Euro anstatt 870 bis 890 Millionen Euro. Das EBIT wird nun bestenfalls mit einer glatten Null erwartet, im schlechtesten Fall gar mit Minus 10 Mio. Euro geschätzt. Das bisher erwartete Plus von 10 bis 20 Mio. Euro ist damit abgeschrieben.

Als Gründe für die wenig ermutigende Prognose nennt Gerry Weber folgendes: Zum Einen stehe ein bereits vor Monaten angekündigter und nun beschlossener Konzernumbau auf der Agenda. Dieser soll noch 2017/18 bisher nicht einberechnete Sonderbelastungen von 15 Millionen Euro mit sich bringen. Außerdem würden Umsätze ins kommende Geschäftsjahr verschoben. Zudem laufe es auch im Retail-Sektor nicht wie erwartet.

Umbau und Sparprogramm

Wie es von Seiten des Konzerns heißt, wolle man das Geschäftsmodell grundlegend verändern, einen vertikalen Prozessansatz wählen und die Digitalisierung forcieren:

»Die Änderung unseres Geschäftsmodells ist eine Revolution für Gerry Weber. Wir verändern unsere Denk- und Arbeitsweise grundlegend: weiter vertikalisiert und voll auf die Kundin ausgerichtet. Wir werden schneller, flexibler und zugleich moderner. Das ist der Kern unseres Performance-Programms. Dazu gehört aber auch ein umfassendes Maßnahmenpaket, um zusätzlich zum Wachstum auch die Profitabilität zu erhöhen«, so Ralf Weber, Vorstandsvorsitzender der Gerry Weber International AG.

Diverse interne Prozesse sollen nun verschlankt und digitalisiert werden, die IT optimiert, Daten und Marktforschungsergebnisse stärker genutzt, die Produktentwicklung verändert und Partnerschaften mit strategischen Lieferanten ausgebaut werden. Man hatte bereits in der Vergangenheit angekündigt, die Dachmarke Gerry Weber moderner gestalten zu wollen. Das junge Label Gr8ful hat man hingegen nach kurzer Zeit wieder vom Markt genommen.

13 bis 15 Millionen Euro will man u.a. bei Produktentwicklung, der Beschaffung, der Logistik und im Verwaltungsbereich einsparen. In den nächsten zwei Jahren sollen 140 bis 150 Vollzeitstellen in der Zentrale und in der Logistik gestrichen werden. Die Gerry Weber-Mitarbeiterzahl ist bereits jetzt - bis Ende April 2018 binnen eines Jahres - um 343 auf 6.595 dezimiert worden.

Motivation für die Zukunft

Mit diesen Zielen im Gepäck gibt sich Gerry Weber trotz allem optimistisch: »In den nächsten drei bis fünf Jahren will man deutlich und stärker als der Markt wachsen«, »Kosten im mittleren zweistelligen Millionenbereich sparen« und geht davon aus, dass »innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre für das operative Ergebnis (EBIT) ein zusätzliches Potenzial von bis zu jährlich 35 bis 40 Mio. Euro erwirtschaftet wird«.

Von: Christiane Marie Jördens