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Gerry Weber braucht Sanierungsgutachten

Der deutsche Klassik-Anbieter steckt in Turbulenzen, die Aktionäre reagieren entsetzt. Das Papier stürzt auf den niedrigsten Stand seit 15 Jahren.

Die Krise beim DOB-Anbieter Gerry Weber spitzt sich weiter zu. Wie der Konzern bekanntgab, wurde nun ein Sanierungsgutachten gemäß S6-Standard des Instituts der Wirtschaftsprüfer in Auftrag gegeben. Ein solches Gutachten wird gemeinhin von Banken eingefordert, bevor sie Kredite verlängern oder neu vergeben. Dabei nehmen externe Wirtschaftsprüfer einen Sanierungsfall unter die Lupe und prüfen, ob er zukunftsfähig ist. Ergebnisse sollen bis Mitte Oktober vorliegen. Weitere Informationen will der Konzern aus Halle in Westfalen bekanntgeben, wenn die Gremien über die Ergebnisse des Gutachtens informiert worden sind. Die Börsenanleger reagierten entsetzt: Der Aktienkurs brach von einem schon sehr niedrigen Niveau um ein Viertel auf nur noch knapp über 3 Euro ein. Vor Jahresfrist hatte das Papier noch bei mehr als 10 Euro notiert, zu den besten Zeiten im Jahr 2014 war die Gerry-Weber-Aktie sogar fast 40 Euro wert. Erst vor zwei Wochen hatte der Klassik-Anbieter die Geschäftszahlen für das 3. Quartal des Geschäftsjahres 2017/18 bekanntgegeben. Per Ende Juli steht der Modekonzern bei einem Umsatzminus von 7,3 Prozent auf 575,1 Millionen Euro, das operative Ergebnis EBIT drehte mit – 1,6 Millionen Euro in den negativen Bereich, unterm Strich steht ein Fehlbetrag von 10,7 Millionen Euro.

Im November muss Gerry Weber zwei Schuldscheine mit zusammen über 31 Millionen Euro refinanzieren. Ausgerechnet in dieser schwierigen Situation steht der Konzern ohne Finanzvorstand da: Jörg Stüber hatte sein Amt im August aus gesundheitlichen Gründen zurückgelegt. Stüber war seit 2011 Leiter der Finanzabteilung und war erst im Vorjahr in den Vorstand aufgestiegen. Interimistisch nimmt derzeit Vorstandsvorsitzender Ralf Weber Stübers Agenden zusätzlich wahr.

Von: Manuel Friedl