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FIF: »Social Media heißt Dialog«

»Social & Media«: Unter diesem Titel halten Nadja Pracher und Katharina Ratzberger (Pulpmedia) am 24. Mai in Wien ein Seminar für die ÖTZ. Im Interview geben sie einen Ausblick.

Der Handel stöhnt unter immer weniger Kundenfrequenz. Kann man mit Social Media-Kampagnen hier gegensteuern?

Ja, in dem genau das geboten wird, was Social Media so einzigartig macht in der Online-Kommunikation: Community Management. Eine plumpe Strategie wäre, Facebook als Coupon-Schleuder zu verwenden, um mit den Gutscheinen die User ins Geschäft zu locken. Als Brand sollte man sich auch abheben von der Konkurrenz und nicht nur à la Marktschreier die Angebote rausposaunen. In der Strategie gilt es erst mal den Wunschkunden zu identifizieren, dementsprechend interessante Inhalte aufzubauen und dann, wenn ein Posting veröffentlicht wurde, genau zuzuhören, was die User bewegt. Auf Probleme und Anfragen soll schnell reagiert werden. Eine persönliche formulierte Hilfestellung beschwichtigt nicht nur den User, sondern stärkt wieder sein Vertrauen in die Marke und darauf, beim Kauf die richtige Entscheidung getroffen zu haben. So bleibt der Kunde zufrieden, treu und kommt auch wieder zum POS.

Das Seminar, das Sie für uns in Wien halten werden, heißt »Social & Media – Wie aus einem User ein Kunde wird«. Sind Sie schon einmal als User zur Kundin geworden?

Ständig! (lacht) Von Konzertankündigungen bis Reisetipps war schon vieles dabei, was mich via Social Media neugierig machte und letztlich dazu bewogen hat, dann zu buchen bzw. zu kaufen. Amazon hat bereits früh erkannt, dass ich (Nadja Pracher; Anm.)bald Mutter werde und schlägt mir auf Facebook ständig nützliche und wahrscheinlich auch unnötige Produkte vor, die wir als künftige Eltern bestimmt bald erwerben werden.

Welche Voraussetzungen müssen Unternehmen mitbringen, um mit Online-Kommunikation und Social Mediazu starten?

Am wichtigsten ist es vor dem Start festzulegen, wer überhaupt erreicht werden möchte, da man nur so die für die Zielgruppe passenden Inhalte und Werbemittel entsprechend aufbereiten kann. Damit lässt sich dann auch ermitteln, auf welchen Social Networks die Kommunikation und Werbung stattfinden soll. Jedes Unternehmen muss sich darüber im Klaren sein, was es mit dem jeweiligen Social-Media-Kanal eigentlich erreichen will. Dabei zu sein, weil es auch die Konkurrenz ist, ist kein Ziel!

Gibt es eine »kritische Größe«, ab wann sich Social Media-Marketing lohnt?

Nein, jeder fängt klein an. Kleine Unternehmen haben vermutlich auch kleinere Budgets. Daher braucht es hier noch viel mehr eine gute Strategie. Außerdem ist ein Social-Media-Kanal keine Einbahnstraße, auf der man Kunden mit Inhalten bespielt, ohne dass etwas zurückkommt. Social-Media-Marketing zu betreiben heißt, sich in einen Dialog zu begeben. Und tolle Gespräche kann man auch in kleinen Gruppen führen.

Mit der Spar-Tochter Hervis realisieren Sie eine Online-Sport-Community. Wie kann man sich das vorstellen?

Hervis unterstützt seit vielen Jahren Sport-Treffs in ganz Österreich, deren Mitglieder sich bisher via Facebook organisiert haben. Gemeinsam mit uns hat Hervis nach einer Möglichkeit gesucht, diese Initiativen zu bündeln und zu vernetzen. So wurde die Website GetMovin.at kreiert, als neues Herzstück der Online-Sport-Community von Hervis. Hier können sich Sportlerinnen und Sportler anmelden und über eine Postleitzahlensuche andere Sportbegeisterte aus der unmittelbaren Umgebung finden. Das gemeinsame Trainieren soll dabei im Vordergrund stehen, aber auch die Vernetzung untereinander ist eines der Ziele des Projekts. Unterstützt werden die unterschiedlichen Gruppen von lokalen Coaches, die über die Webseite Sport-Treffs zu bestimmten Sportarten wie Laufen, Radfahren, Skifahren, Schwimmen organisieren können. Über die Webseite kann sich jedes Community-Mitglied auch als Coach bewerben. So haben wir ein modernes Kundenbindungsprogramm entwickelt, das nahe am Produkt ist und mit Gamification-Ansätzen und einem hohen Social-Faktor punktet. Jetzt, kurz nach Fertigstellung, sind bereits 350 Events auf der Plattform angeführt. Wir und Hervis können auf das Projekt also mehr als nur ein bisschen stolz sein.

Stichwort Influencer Marketing: Wird es (noch) wichtiger? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden?

Bei der Auswahl des/der Influcencer müssen einige Kriterien beachtet werden. Neben einer qualitativen Betrachtung der Follower und einer Einschätzung,ob dieseecht oder gekauft sind, gilt es Personen zu wählen, die in ihrer Zielgruppe Follower haben, die für den Brand interessant sind. Es soll dabei nicht immer nur die Anzahl der Follower und somit die potentielle Reichweite als Auswahlkriterium gewählt werden. Gerade in Nischenbereichen ist weniger mehr: Lieber genau die Personen erreichen, die sich für den Brand interessieren, als eine große Reichweite aufbauen und dann aber kaum Interessenten für die eigene Leistung oder das eigene Produkt zu haben.

Für alle Interessierten am FIF-Seminar »Social & Media«, gibt es hier alle Informationen zur Anmeldung.

Von: Manuel Friedl

Von: Brigitte Pfeifer-Medlin

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