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Esprit weiter tiefrot

Die seit Jahren angekündigte nachhaltige Sanierung des Modekonzerns Esprit lässt weiter auf sich warten. Das im Juni abgeschlossene Geschäftsjahr wurde mit tiefroten Zahlen und Umsatzrückgängen in allen Bereichen beendet.

Dass die Bilanz für das Geschäftsjahr 2017/18 nicht sehr erfreulich ausfallen würde, war schon klar, als im März 2018 bekannt wurde, dass Esprit-Konzernchef Jose Martínez Gutiérrez seinen Posten räumen muss. Ebenso wenig kommt es als Überraschung, dass der neue Mann an der Spitze, Anders Kristiansen, nun reinen Tisch machen will und abermals eine Sanierung ankündigt. Die nun vorgelegten Ergebnisse bezeichnet der Däne, zuvor CEO beim britischen Modeunternehmen New Look und seit Anfang Juni bei Esprit, als »bei weitem nicht zufriedenstellend«. Und er geht hart ins Gericht mit den Versäumnissen der letzten Jahre: »Momentan beeinträchtigt uns eine Kombination interner Schwächen. Dazu gehören die hohe Kostenstruktur, die nicht mehr in Relation zu unserem Umsatz steht, zu viele verlustbringende Stores, eine fehlende klare Markenidentität sowie Produkte, die nicht den Erwartungen unserer Kunden entsprechen.«

Die Zahlen

Tatsächlich sank der Umsatz des in Hongkong börsennotierten Konzerns im Geschäftsjahr 2017/18 (per 30. 6.) um 11,1 %. Nur den Währungsschwankungen ist es zu verdanken, dass der Umsatz in der Konzernwährung Hongkong-Dollar (HKD) nur um 3,1 % auf 15,5 Mrd. HKD, umgerechnet 1,69 Mrd. Euro, zurückging. Ein neuerliches Minus war schon alleine aufgrund der fortgesetzten Geschäftsschließungen zu erwarten gewesen. Immerhin schrumpfte die Verkaufsfläche der eigenen Stores im Jahresvergleich um 7,8 %. Doch auch in vergleichbaren Retail-Geschäften rasselten die Umsätze um weitere 9,6 % nach unten. In Summe sanken die Verkaufserlöse im eigenen Retail deshalb um 13,8 %. Auch der Wholesale zeigte sich mit -11,6 % weiter deutlich rückläufig, bei einem Rückgang der Verkaufsflächen um 10,6 %. Sogar der Onlineshop verlor im Vorjahr 6,1 % seines Umsatzes. Nach Sortimentsbereichen schlug sich die Damenmode mit – 9,7 % noch vergleichsweise am besten, während die Männermode um 15,0 % und die sonstigen Bereiche (Bodywear, Accessoires, Schuhe, Lizenzen) um 12,2 % rückläufig waren. Der Deckungsbeitrag blieb mit 51,3 % (VJ: 51,6 %) zwar nahezu auf Vorjahresniveau, und auch die operativen Kosten konnten um 3,3 % gesenkt werden. Doch das reichte bei weitem nicht aus um den Umsatzrückgang aufzufangen. So gab es schon im operativen Bereich ein negatives Ergebnis (EBIT) von 99,4 Mio. Euro. Dazu kamen noch jeder Menge außerordentlicher, einmaliger Restrukturierungsaufwendungen und Wertberichtigungen, die unterm Strich zu einem Nettoverlust von 279,4 Mio. Euro (VJ: +7,3 Mio. Euro) führten.

Die Zahlen für Österreich heben sich kaum vom Gesamtbild ab: In Summe hat Esprit hierzulande mit 81,2 Mio. Euro um 8,6 % weniger umgesetzt als im Jahr davor. Die Retail-Umsätze in den 19 eigenen Stores sind um 10,6 % auf 37,8 Mio. Euro gesunken – und das obwohl die Retail-Fläche annähernd gleich blieb (-0,7 %). Der Wholesale-Umsatz schlug sich mit einem Rückgang von 7,6 % auf 20,7 Mio. Euro etwas besser. Die Zahl der Franchise-Stores sank um 6 auf 49. Immerhin stieg der Umsatz des eigenen Online-Stores hierzulande auf 22,6 Mio. Euro. Dieser hat damit bereits den Wholesale-Umsatz überholt. Online-Verkäufe über Partner wie Zalando sind da noch gar nicht mit eingerechnet.

Die Pläne

»Es braucht mutige, tiefgreifende Veränderungen, damit Esprit wieder nachhaltig wachsen und profitabel werden kann«, kündigt der neue CEO an. Die Mainstream-Marke müsse künftig »konsistent, einfach und schnell« agieren. Mit der Vereinfachung der Organisationsstrukturen wurde bereits begonnen. Mehrere Führungspositionen und –ebenen wurden gestrichen. General Manager Dieter Messner musste zuletzt ebenso gehen wie Digital Chief Officer Jürgen Michelberger und Chief Financial Operations Officer Ernst-Peter Vogel, berichtet die TextilWirtschaft. Mit weiteren Ladenschließungen ist ebenso zu rechnen wie mit dem Rückzug aus unprofitablen Märkten. Auch beim Produkt gibt es laut Kristiansen einiges zu verbessern, etwa die Passformen und die Qualitätskontrolle. Das Sortiment soll verkleinert, die Kern- und Basic-Styles sollen gestärkt werden. »Esprit muss seine Markenidentität stärken, sein Produktangebot mit dem Fokus auf Qualität verbessern und inspirierende Omnichannel-Einkauferlebnisse für seine Kunden schaffen, um seine Wettbewerbsfähigkeit wiederzuerlangen«, gibt Kristiansen die Losung aus. »Wir sind überzeugt davon, dass wir die richtigen Ideen haben um Esprit wieder auf Kurs zu bringen. In einem nächsten Schritt werden konkrete Umsetzungspläne erarbeitet. Im Herbst 2018 werden wir unsere Strategie vorstellen.«

Wunder erwartet freilich auch der neue Chef keine: Für das Geschäftsjahr 2018/19 rechnet Kristiansen abermals mit Umsatzrückgängen im niedrigen zweistelligen Bereich. Teils aufgrund weiterer Ladenschließungen, teils jedoch abermals aufgrund sinkender Flächenleistungen.

Von: Manuel Friedl