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Esprit streicht hunderte Arbeitsplätze

Nach hohen Verlusten kündigt die Casual-Marke weitere Ladenschließungen an und rechnet erst in drei Jahren wieder mit schwarzen Zahlen.

Weiterhin zweistellige Umsatzrückgänge und hohe Kosten für den Konzernumbau haben den Modekonzern Esprit noch tiefer in die roten Zahlen geführt. Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahrs (Juli bis Dezember 2018) ging der Umsatz währungsbereinigt um 14,4 Prozent auf umgerechnet 754,7 Millionen Euro zurück. Dieser Rückgang ist einerseits Folge der Reduzierung der Verkaufsfläche. So wurden alleine im letzten Halbjahr 91 eigene Stores geschlossen. Andererseits werden aber auch ungewohnt offen die »Schwächen der Marke und der Produkte« als Ursache für die Probleme angesprochen. Auch der Deckungsbeitrag sank weiter um 1,6 Prozentpunkte auf 51,3 Prozent. Das Ergebnis des operativen Geschäfts (ohne Zinsen, Steuern und außergewöhnliche Aufwendungen) verschlechterte sich abermals deutlich auf – 37,0 Millionen Euro, der Nettoverlust verdoppelte sich auf 197,8 Millionen Euro.

Österreich etwas besser

In Österreich waren die Umsätze um 9,2 Prozent rückläufig. Damit schlug sich die Marke hierzulande deutlich besser als im Konzernschnitt. Doch mit flächenbereinigt - 8,9 Prozent war die Performance in den eigenen Stores ebenfalls besorgniserregend. Derzeit betreibt Esprit österreichweit noch 18 eigene Stores, um einen weniger als vor Jahresfrist. Der Wholesale-Umsatz ging hierzulande um 13,3 Prozent zurück. Dabei wurden fünf Franchisestores geschlossen (nunmehr 47).

400 Stellen in Deutschland fallen weg

Trotz allem zeigt sich CEO Anders Kristiansen verhalten optimistisch: »Wir haben einen sehr guten Plan und nehmen die mutigen Veränderungen vor, die erforderlich sind, um Esprit wieder zu nachhaltigem Wachstum und Rentabilität zu verhelfen.« Doch es werde »Zeit benötigen, bis die Neupositionierung der Marke und Produktveränderungen sichtbar werden und wir wieder Kunden zurückgewinnen«.

Vorerst werden weitere Store-Schließungen und ein drastischer Personalabbau angekündigt: Abseits der Store-Mitarbeiter soll die Zahl der Beschäftigten um 35 bis 40 Prozent sinken. Alleine am deutschen Hauptsitz in Ratingen würde das mindestens 400 der rund 1.160 Stellen betreffen. Darüber hinaus soll die Markenidentität geschärft, das Produktangebot verbessert und die Organisation effizienter gemacht werden. Kristiansen: »Wir erwarten, dass der Umsatz aufgrund der Schließung verlustbringender Stores in den nächsten zwei Jahren weiterhin rückläufig sein wird, bevor Produkt- und Markeninitiativen das Wachstum ankurbeln.« Beim operativen Ergebnis EBIT soll der Break-even in zwei bis drei Jahren erreicht sein.

Von: Manuel Friedl