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Endgültiges Aus für Charles Vögele

Trotz aller Bemühungen von Geschäftsführer Thomas Krenn ist die Rettung von Charles Vögele in Österreich gescheitert. Am Freitag wurde das Konkursverfahren eröffnet.

Für Charles Vögele Österreich ging in den letzten Jahren so ziemlich alles schief, was nur schief gehen kann. Noch vor fünf Jahren war das Unternehmen einer der größten Modehändler des Landes und schrieb nachhaltig schwarze Zahlen. Doch die Verluste der schweizerischen Muttergesellschaft und der darauffolgende Schlingerkurs in der Neuausrichtung zogen auch die österreichische Niederlassung mit nach unten. Es folgte der glücklose Verkauf an den italienischen Fast-Fashion-Filialisten OVS im Jahr 2016. Dessen Sortiment wollten so gar nicht zur angestammten, deutlich älteren Vögele-Kundschaft passen, und auch die Standorterfordernisse zwischen den beiden Konzepten unterschieden sich deutlich voneinander. Schon bald meldete der Vögele-Nachfolger deshalb in der Schweiz Zahlungsunfähigkeit an, OVS zog sich komplett aus den DACH-Märkten zurück. Vögele Österreich musste daraufhin im Juli 2018 Insolvenz anmelden. Mit dem Finanzinvestor GA Europe fand sich zwar schnell ein Käufer, dieser sah seine Aufgabe allerdings nur darin, das schon vorher reduzierte Filialnetz um die Hälfte zu kappen, die Warenversorgung sicherzustellen und eine Übergangsfinanzierung auf die Beine zu stellen. Überraschenderweise verkündete GA Europe schon nach wenigen Monaten, die Sanierung sei geglückt und ein abermaliger Verkauf stehe bevor. Doch mit der potenziellen Käuferin, der niederländischen Modegruppe Victory & Dreams, bewiesen die Investoren kein glückliches Händchen. Denn diese hatte sich schon mit der Übernahme des niederländischen und deutschen Filialnetzes von Charles Vögele und dessen Umstellung auf das Konzept Miller & Monroe übernommen. Inzwischen ist die deutsche Landesgesellschaft insolvent, alle 160 Läden sollen mit Monatsende geschlossen werden. Die niederländische Niederlassung hat gerichtlichen Zahlungsaufschub beantragt.

Nur noch 16 Geschäfte haben offen

In Österreich kam es gar nicht mehr zu einer formellen Übernahme, da Victory & Dreams laut GA Europe die Vertragsbedingungen nicht mehr erfüllen konnte. Am 3. Mai wurde am Landesgericht Graz auf eigenen Antrag ein Konkursverfahren über die Charles Vögele (Austria) GmbH eröffnet. Die April-Gehälter wurden noch ausbezahlt. Doch zuletzt konnte die Miete für die Filialen nicht mehr gezahlt und die Warenversorgung nicht mehr sichergestellt werden. »Eine Fortführung des Unternehmens ist nicht angedacht«, teilt der KSV1870 mit. »Das Unternehmen soll nun im Zuge des Konkursverfahrens liquidiert werden.« In den 57 verbliebenen Filialen verlieren 364 Mitarbeiter ihre Jobs, weitere 30 in der Zentrale in Kalsdorf bei Graz. An Aktiva sind rund 3,4 Mio. € vorhanden, die Schulden betragen laut KSV1870 rund 21 Mio. €. Der Großteil der Filialen wurde bereits geschlossen. Betroffen sind auch alle bereits auf Miller & Monroe umgeflaggten Geschäfte. Lediglich an 16 Standorten werden die restlichen Warenbestände abverkauft, »unter Gewährung von attraktiven Rabatten«, wie es von Insolvenzverwalter Clemens Jaufer von der Grazer Rechtsanwaltskanzlei Scherbaum Seebacher heißt.

Von: Manuel Friedl