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Einzelhandels-Bilanz 2017: +2 % und vorsichtiger Optimismus

WKÖ und KMU Forschung präsentierten kürzlich ihre gemeinsame Jahresbilanz 2017 für den heimischen Einzelhandel, der sich über ein kleines Plus freuen darf – auch bei Bekleidung.

Vorsichtig optimistisch zeigten sich Peter Buchmüller, Obmann der Bundessparte Handel bei der WKÖ, Ernst Gittenberger von der KMU Forschung Austria und Iris Thalbauer, Geschäftsführerin der Bundessparte Handel der WKÖ, bei ihrer heutigen Einzelhandelspräsentation. Die Konjunktur und die daraus resultierende, gemeinsam erstellte Jahresbilanz geben Anlass dazu. Denn bei der nominellen Umsatzentwicklung im stationären Einzelhandel konnte man ein Plus von 2,0 % verzeichnen. »Das ist das höchste Umsatzwachstum seit dem Jahr 2010«, sagt Buchmüller, schränkt aber auch ein: »Die Renditen sind nach wie vor nicht gut.« In absoluten Zahlen ist das Umsatzvolumen um 1,4 Mrd. Euro auf 70,6 Mrd. € gestiegen und hat damit die 70-Mrd.-Euro-Hürde genommen. Der Internet-Einzelhandel konnte gar um 6 % zulegen und steuert nun 3,6 Mrd. Euro zum Gesamtumsatz bei, sprich 95 % der Einzelhandelsumsätze werden stationär erzielt. Dabei ist aber zu beachten, dass in dieser Bilanz nur österreichische Online-Einzelhandels-Unternehmen berücksichtigt werden. »Der österreichische Internet-Einzelhandel erwirtschaftete 3,6 Mrd. Euro. Wir gehen aber davon aus, dass mindestens der gleiche Betrag noch einmal in den ausländischen Onlinehandel geflossen ist«, erklärt Iris Thalbauer und begrüßt daher, dass die Regierung sich der dadurch entstehenden unfairen Wettbewerbsbedingungen annehmen will.

Branchen: Gewinner und Verlierer

Der größte Gewinner im heimischen Einzelhandel ist der Lebensmittelhandel, der ein Plus von 4,1 % aufweist. Auf den Rängen folgen der Einzelhandel mit Schuhen (+3,3 %) und der Sportartikelhandel (+2,5 %), die damit beide über dem Gesamthandels-Durchschnitt liegen. Ernst Gittenberger freut sich, dass der modeverwandte Handel im Plus ist, denn neben den beiden bereits genannten bringt es auch der Einzelhandel mit Bekleidung auf ein kleines Plus von 1,4 % und erzielte damit erstmals seit 2010 im Branchendurchschnitt ein nominelles Plus. Im positiven Bereich befinden sich weiters der Einzelhandel mit Bau- und Heimwerkerbedarf, jener mit Möbeln und der mit kosmetischen Erzeugnissen, wenn auch sehr knapp. Negativ fällt die Bilanz für Uhren und Schmuck (-0,2 %) und Bücher und Schreibwaren (-0,7 %) aus. Die echten Verlierer sind aber Spielwaren mit -1,5 % und Elektrogeräte, Computer und Foto mit -1,9 %.

EU-Vergleich und Beschäftigte

WKÖ und KMU Forschung wagen in ihrer Bilanz auch einen Blick über die Grenzen. Demnach holt Österreich im EU-Vergleich endlich ein wenig auf, ist aber noch nicht auf dem durchschnittlichen Konjunkturwachstum der EU-28 angekommen. Erfreulicher ist da der Umstand, dass die Beschäftigtenzahlen 2017 wieder leicht um 0,9 % auf 332.100 gestiegen ist. 500 Beschäftigte davon arbeiten geringfügig, der Rest setzt sich laut Iris Thalbauer je zur Hälfte aus Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten zusammen.

Ausblick auf 2018

Die Entwicklungen von 2017 leiten zu einem Ausblick auf 2018 über. Auch wenn Spartenobmann Buchmüller nicht Glaskugellesen möchte, erwartete er zumindest im ersten Quartal 2018 eine gleichbleibende Entwicklung des Einzelhandels, »aber keine großen Sprünge. Von diesen großen Sprüngen müssen wir uns leider verabschieden.« Das WIFO rechnet mit steigenden Konsumausgaben, wobei nicht alles davon in den Einzelhandel fließen wird. Außerdem erwartet das Forschungsinstitut eine sinkende Sparquote (-7,2 %) und eine ebenso sinkende Arbeitslosenquote (-7,9 %), was ebenfalls Anlass für anhaltenden wenn auch vorsichtigen Optimismus gibt.

Von: Birgit Nemec