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»Nur wer etwas verkaufen kann, kann auch etwas verdienen«

Die EK Servicegroup, Kooperationspartner des Grazer ModeRing, unterstützt rund 4.000 mittelständische Einzelhändler. Vorstandsmitglied Susanne Sorg über den aktuellen Handlungsbedarf im Modehandel.

Der Lockdown geht dem Handel an die materielle Substanz und wird existenzbedrohlich. Worauf kommt es jetzt aktuell an? Was braucht der Handel?

Der Modehandel hat aktuell ein massives Liquiditätsproblem. Deshalb ist vor allem eins von den Behörden gefordert: schnelle und unbürokratische Unterstützung. Es ist keine Zeit mehr, Anträge zu stellen und dann auf die Bearbeitung und Genehmigung zu warten. Der schnelle Ausgleich unverschuldeter finanzieller Notlagen ist notwendig, denn die Kostenuhr tickt. Zudem braucht es Lösungen, die gemeinsam mit der Industrie, dem Einzelhandel und uns erarbeitet werden müssen. So steht ganz konkret die Frage an, wie wir mit der Order für Herbst/Winter umgehen. Ein Vorgehen wie in den vergangenen Jahren passt nicht mehr. Die Verantwortungen müssen gemeinsam geschultert und partnerschaftlich umgesetzt werden. Es gilt Lösungen für die gesamte Prozesskette zu definieren. Eine gesteigerte Fokussierung auf kurzfristige Lieferkapseln schafft unternehmerischen Spielraum und begrenzt das wirtschaftliche Risiko.

Sind jene Handelspartner tatsächlich besser aufgestellt, die eigene Webshops haben?

Ein klares Ja. Der Online-Handel ist in dieser Phase der Geschäftsschließungen der einzige offene Kanal, über den noch Umsätze zu erzielen sind. Wer sein stationäres Fachhandels-Know-how im Vorfeld mit den Möglichkeiten des E-Business gekoppelt hat, zählt zu den Gewinnern, auch wenn wir eine Kaufzurückhaltung in vielen Webshops und Plattformen sehen. Vielfach zeichnen sich stagnierende oder auch deutliche fallende Onlineumsätze ab.

Reichen die eingeleiteten Maßnahmen der deutschen Bundesregierung aus, den Handel zu unterstützen? Wird Ihr Verband politisch aktiv, um weitere Lösungen zu finden?

Der von der Politik aufgespannte Rettungsschirm ist im positiven Sinn bemerkenswert. Doch kommt es jetzt in erster Linie auf das Tempo an, in dem das Notwendige getan wird. Im ZGV Mittelstandverbund haben sich die Vorstände führender Kooperationen, darunter die EK, zu einer »Taskforce Liquidität für den Mittelstand« zusammengeschlossen und bieten der Politik Unterstützung bei der Liquiditätsversorgung der Händler an. Als Verbundgruppe haben wir auch strukturell enge Verbindungen zu den Unternehmerinnen und Unternehmer und können dabei helfen, dass die Gelder dort hinkommen, wo sie gebraucht werden. Ob die Maßnahmen der Regierung reichen? Das hängt vor allem davon ab, wie lange die Pandemie andauert und die Geschäfte geschlossen bleiben müssen. Nur wer etwas verkaufen kann, kann auch etwas verdienen.

Thema Warendruck: Wie schätzen Sie die Situation ein, was erwartet uns in den nächsten Monaten? Sollte der Sommerschlussverkauf wie auch die Auslieferung der H/W-Ware nach hinten verschoben werden?

Eine Prognose ist in dieser Situation ein Blick in die Kristallkugel. Vielleicht überrascht uns nach der Corona-Krise eine riesige Konsumwelle. Grundsätzlich sollte der Handel nicht den Fehler machen, nach Wiedereröffnung durch übereilte Reduzierungen und Sale-Aktionen die Sommersaison für beendet zu erklären. Ein längerer Abverkaufszeitraum der aktuellen Kollektionen zu regulären Preisen eröffnet zumindest die Chance, die Läger zu räumen und Einbußen aus der Schließung abzufedern. Entsprechend müsste die Auslieferung der Herbst-/Winterware erst später, etwa ab September, erfolgen. Alles, was danach kommt, ist anschließend zu entscheiden.

Was halten Sie von einer bundesweiten Sonntagsöffnung nach der Krise, um die Verluste zumindest teilweise wieder hereinholen zu können?

Auf eine generelle Sonntagsöffnung der Geschäfte können wir gut verzichten, da diese auch erhöhte Personalkosten nach sich ziehen. Ausgefallene verkaufsoffene Sonntage sollten aber unbedingt nachgeholt werden. Außerdem brauchen die Menschen gerade nach der Krise Zeit, um zurück in die Normalität zu finden.

Von welchen langfristigen Auswirkungen auf den Modehandel gehen Sie aus?

Der Totalausfall einer ganzen Frühjahr-/Sommer-Saison wird den Modehandel mittelfristig erschüttern. Es wird eine Marktbereinigung stattfinden und sicherlich wird es auch unser Wertedenken beeinflussen. Auf lange Sicht werden wir alle daraus lernen.

Wie ist die Situation zwischen Industrie und Handel: Werden partnerschaftliche Lösungen gefunden? Wie sieht es mit den Lieferketten aus?

Partnerschaftliche Lösungen zwischen Industrie, Einzelhandel und Einkaufsverbund sind ein Gebot der Stunde. Hier gilt es Hand in Hand zu agieren, da es ansonsten nur Verlierer gibt. Die entsprechenden Gespräche laufen auf Hochtouren.

Von: Sandra Seck