Kommentar

Die Welt nach Corona

Ein Kommentar von ÖTZ-Herausgeberin Dagmar Lang.

Während der Lebensmittelhandel und die österreichische, hier produzierende Industrie in diesen Tagen Unfassbares leisten, eine Logistikhürde nach der anderen nehmen, immer mehr Sicherheitsmaßnahmen über Nacht aus dem Boden stampfen und sich die schon sprichwörtliche Supermarkt-Kassierin als eine Heldin der Krise erweist, stehen Textileinzelhandel und -industrie fassungslos da und hoffen aus dem Alptraum, der sehr an den Katastrophenfilm Contagion erinnert (mit dem Unterschied, dass das Coronavirus zumindest nicht jeden tötet, der mit ihm in Berührung kommt), ganz schnell zu erwachen. Doch dem wird so nicht sein.

Der Zukunftsforscher Matthias Horx geht in seinem Exposee »Die Welt nach Corona« davon aus, dass es sich um eine Tiefenkrise handelt, nach der nachher nichts mehr ist, wie es war. Doch Horx zeichnet kein Horror-Szenario, ganz im Gegenteil. Einiges, von dem er schreibt, erleben wir schon jetzt. Die Menschen haben Zeit, zu telefonieren, sie rufen zurück, sie reagieren auf E-Mails. Das war in der Zeit vor Corona ganz anders, zum Teil schon unerträglich.

Die Krise hat wunderschöne Gesten hervorgebracht, etwa die Initiative »Händler helfen Händlern« (mehr dazu hier). Wenn das alles noch länger dauert, dann wird es wohl auch eine Initiative »Arbeitslose helfen mit« geben müssen, vor allem in der Landwirtschaft, die ohne ausländische Hilfskräfte ihre täglichen Anforderungen (von der Aussaat bis zur Spargelernte) bewältigen muss..

Die Krise hat gezeigt, wie unbürokratisch unser Staat plötzlich agiert, ob beim Rezept per Telefon, der Arbeitszeitflexibilisierung, der raschen – einstimmigen – Beschlüsse im Nationalrat, ohne politischen Kleingeldwechsel mit den Oppositionsparteien. Die Regierung trifft unpopuläre Entscheidungen, ohne an die Wiederwahl zu denken, kommuniziert transparent und kompetent, sachlich am Punkt. Die Welt hat sich jetzt schon geändert.  

Matthias Horx glaubt an die »Glokalisierung« nach Corona, an die Renaissance des Handwerks, an Zwischenlager, an ortsnahe Produktionen. Tatsächlich sollte es uns zu denken geben, dass 75 Prozent der Antibiotika aus China kommen! Auch das käme der österreichischen Wirtschaft in großem Ausmaß zu Gute. Vorausgesetzt, die Regierung hält ihr Versprechen, so viel Geld zur Verfügung zu stellen, wie notwendig sein wird. Wenn wir uns dann noch die höflichen Umgangsformen bewahren und die Politik den Mut zu flexiblen Entscheidungen, dann wäre die Welt nach Corona wirklich besser, meint

Ihre Dagmar Lang

Von: Dagmar Lang