Kommentar

Die Oscars 2018: #timesup für Schwarz

Trotz der anhaltenden #metoo-Debatte lautete das Motto der diesjährigen Oscars wieder: Glitzer, Glamour und Aufsehen erregen.

Auch wenn die 90. Oscars wahrscheinlich politischer denn eh und je über die Bühne gingen, folgte man bei der Kleiderordnung nicht dem #timesup-Trend des gepflegten Schwarz, wie bei zahlreichen Preisverleihungen zuvor, etwa den Golden Globes 2018. Nein, man entschied sich für knallige Roben in Barbie-Pink, Glitzer-Pailetten in allen erdenklichen Formen und Farben, aber auch schlichtes glamouröses Understatement.

Thumbs up!

Elegante »Ladies in Red« sorgten am Roten Teppich der Oscars 2018 für Glamour und Stilbewusstsein: Sowohl Allison Janney in ihrer Robe von Reem Acra, die einen Oscar für ihre Nebenrolle im Film »I, Tonya« mit nach Hause nehmen durfte, als auch die Grand Dame Hollywoods, Meryl Streep in Dior, sorgten mit ihren roten Traumroben für bewundernde Blicke. Ein kleiner Trend zeigte sich bei den Outfits der Damen in Sachen Farbe: Strahlendes Weiß. Stilikone Jane Fonda und die Schauspielerinnen Margot Robbie, Laura Dern, Model Camila Alves und Sängerin Mary J. Blige zogen die Farbe der Unschuld dem #timesup-Schwarz vor. Die Herren von Welten gingen 2018 modisch mehr auf Risiko: So überzeugte Schauspieler Armie Hammer etwa in einem dunkelroten Samtanzug von Giorgio Armani, verzichtete damit auf den klassischen schwarzen Anzug. US-Eiskunstläufer Adam Rippon ging mit seiner schwarz-weißen Lederriehmen-Frack-Kombination noch einen Schritt weiter. No-Go oder eher fashion forward?

No way!

Wo viel modisches Know-how und »on the point«-Gefühl herrscht, muss es auch den einen oder anderen Fehlgriff geben. Und seien wir uns ehrlich, genau dafür lieben wir das Schaulaufen am Red Carpet doch gerade! Flop Nummero Uno stammt von Sister Act-Darstellerin Whoopi Goldberg: In einem riesigen Kleid von Christian Siriano lässt sie Erinnerungen an 90er-Jahre Highschool Movies hochkommen, jedoch nicht an gefeierte Abschlussballköniginnen, sondern eher an die armen Mädchen, die modisch zu den Loosern erklärt wurden und ohne Date beim Abend der Abende aufkreuzten. Die US-Schauspielerin Viola Davis dürfte in ihrer Teenie-Zeit tief in Barbie-Träumen geschwelgt haben. Das zumindest lässt ihr diesjähriges Oscars Outfit vermuten, denn ihr bodenlanges Trägerkleid von Michael Kors leuchtet über und über in strahlend-pinken Pailetten. Soul- und R&B-Sängerin Andra Day verfolgte ebenfalls das Motto »all eyes on me«: Ihre schulterfreie Robe von Zac Posen erinnert - mit aufwendig drapierten Stoffbahnen und romanischem Blumenmuster - stark an den Pomp von Barock und Rokoko.

Allen politischen Debatten und Debakeln zum Trotz, bewiesen die Oscars auch 2018 wieder: Sehen und gesehen werden ist das, was zählt. Und sollte die Stylistin in diesem Jahr daneben gelegen haben, die Oscars 2019 kommen bestimmt!

Von: Christiane Marie Jördens

Weitere Meldungen