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Die Branchenführer stagnieren

In seiner jüngsten Studie sieht Branchenanalyst RegioData Zalando bereits als viertgrößten Bekleidungshändler des Landes. Doch auch kleine, innovative Unternehmen haben Chancen.

Im Durchschnitt gibt eine Frau 400 € und ein Mann 280 € jährlich für Bekleidung aus. Für das gute Aussehen der Kinder werden 110 € pro Jahr und Kind investiert. Diese Ausgaben steigen zwar Jahr für Jahr leicht an, aber jeweils klar unter der Inflationsrate – was somit einen realen Rückgang bedeutet. Insgesamt umfasst der Gesamtmarkt für Bekleidung über 6 Mrd. € jährlich.

Im stationären Handel gehen die Umsätze durch den steigenden Onlinehandel hingegen seit Jahren zurück. Aktuell liegt der Umsatz des stationären Bekleidungseinzelhandels deutlich unter jenem von 2010. Das Wachstumstempo im Online-Handel bleibt weiterhin hoch. RegioData sieht bereits 25 % der Konsumausgaben für Bekleidung der privaten Haushalte zu E-Commerce-Anbietern fließen.

Die fünf größten Bekleidungshändler

Hennes & Mauritz (H&M, COS, Weekday, Monki, &Other Stories) ist mit einem Marktanteil von knapp 13 % mit großem Abstand der Marktführer im österreichischen Bekleidungshandel. Der Schwerpunkt der künftigen Entwicklung von H&M wird wohl weiter beim Onlinegeschäft und weniger in der Flächenexpansion liegen, schätzt RegioData. Dem Branchenprimus folgt C&A, der in den letzten Jahren einige Filialschließungen hinnehmen musste. Auch Peek & Cloppenburg als Nummer drei zeigt keine Ambitionen zu expandieren. Alleine Kik, die Nummer vier am österreichischen Markt, zeigt sich sehr expansionswillig. Der Aufsteiger der letzten Jahre, die Nummer 5 im Umsatzranking, ist Primark, allerdings ist der Marktanteil von etwa 4 % bereits recht gering.

Mythos Multi-Channel

Allseits werden die Begriffe »Multi-Channel« oder »Omni-Channel« als Geheimwaffe gegen die Onlineriesen Amazon, Zalando & Co. angepriesen. Doch zumindest im Bekleidungshandel ist diese Einschätzung laut RegioData-Chef Wolfgang Richter weitgehend falsch: Von den zehn größten Onlineshops für Bekleidung sind sieben »Pure-Player« (also reine Versandhändler ohne stationäre Flächen). Einzig H&M, Esprit und s. Oliver schaffen es als Multi-Channel-Retailer in die Top 10 und stehen nur für 18 % des Umsatzes des Spitzenfelds.

Der größte Onlineshop für Bekleidung ist natürlich Zalando mit mehr als 200 Mio. € Umsatz mit österreichischen Kunden. Wenn man stationär und online zusammenzählt, ist Zalando somit der viertgrößte Bekleidungshändler in Österreich.

Verkaufsfläche schrumpft

Diese Änderungen des Einkaufsverhalten haben natürlich auch Auswirkungen auf die stationäre Fläche: Sie geht seit einigen Jahren zurück. Die Flächen-reduktionen der letzten Jahre sind einerseits auf Insolvenzen (z. B. Charles Vögele, Gerry Weber, mister*lady) und andererseits auf Filialschließungen bzw. -verkleinerungen zurückzuführen.

Auch der Bekleidungshandel überlegt sich natürlich, was zu tun ist, damit die Menschen auch künftig in die Geschäfte kommen wollen. RegioData beobachtet »immer mehr Reaktionen auf die neue Situation, sei es von innovativen Filialisten (H&M beispielsweise hat aktuell einen sehr speziellen Standort in Wien eröffnet) oder aber von den vielen kleinen, ziemlich unbekannten Unternehmen, die sich aber sehr auf Sortimente und Zielgruppen spezialisieren, oft sehr kreativ und oft in Kombination etwa mit Gastronomie«. Die Aufgabe des Bekleidungshandels wird es künftig sein, passender für die Veränderungen zu werden – und da haben derzeit die »Kleinen« oft die Nase vorn.

Von: Manuel Friedl