Fashion

Der Zeitgeist pusht Berlin

In der Vorwoche traf sich die Branche wieder an der Spree. Der Messe-Reigen und die Fashion Week behaupten sich, aber Einwände bleiben.

Zunächst das Gute: Die Premium, nach wie vor an der bewährten Adresse Luckenwalder Straße 4-6 zu finden, geht weiter konsequent ihren Weg - und das durchaus erfolgreich. Sowohl am ersten als auch am zweiten Messetag bildeten sich lange Schlangen vor den Anmeldungsschaltern. Die Frequenz in den Hallen war generell hoch. Die Quantität stimme, die Qualität könne man erst später beurteilen, waren sich viele Aussteller einig. 

Premium wird breiter

Fokussierung ist jedenfalls ein Thema, das auch die Premium in den kommenden Saisons beschäftigen dürfte. Vorbei sind die Zeiten des kleinen, spitzen Messeformates, die Ausstellerlisten werden immer breiter. Auch Brands, die sich mit dem neuen Panorama-Konzept am Tempelhof nicht identifizieren konnten, vollbrachten den Umzug in die Station-Berlin. Die Kunst liegt in Zukunft nun wohl darin, zu wachsen, ohne das Angebot zu sehr zu verwässern. 

Rückkehr zum Tempelhof

Sentimental mag es für viele gewesen sein, zur Messe wieder am Flughafen Tempelhof zu sein. Die Panorama traute sich diesen Schritt zu, einige große HAKA-Anbieter wie Olymp oder Digel gingen den Schritt nicht mit, sie fühlten sich wohl auf der Premium besser aufgehoben. Auch die Panorama meldete „full house“, hier wird man abwarten müssen, wie viele Händler und Einkäufer sich unter dem auffallend jungen Publikum befanden. Und, ob die totale Durchmischung von HAKA, DOB, Schuhen und Accessoires geeignet ist, um Brands und Trends in einem doch recht beengten Umfeld zu präsentieren. Gelungen ist jedenfalls die Präsentation auf dem „Airfield“, in Glas-Containern präsentierten sich eine Reihe von Firmen wie Angels oder Tom Tailor Denim modern anders. Dem Klimawandel ist es wohl geschuldet, dass man im Jänner in Berlin bei 11 Grad Celsius seine Kollektionen ruhig outdoor zeigen kann.

Klimawandel, Nachhaltigkeit, soziale Verantwortung, es sind diese Themen, die Berlin derzeit pushen. Ebenfalls in Tempelhof untergebracht war die Neonyt, Treffpunkt für »Nachhaltigkeit und Innovation«. Und hier zieht man positive Bilanz: Die Frequenz sei deutlich höher gewesen als im vergangenen Jahr. »Besser hätte es für uns nicht laufen können«, hörte man nach Tag 1 bei Lanius. Auch der Österreicher Gerhard Schrempf war mit seinem Label Erdbär auf der Messe vertreten und freute sich über zahlreiche neue Interessenten aus »Top-Häusern«.

Auf der Suche nach Glamour

Viel Normalität und großer Realitätssinn herrschten dieser Tage in Berlin. Die Schauen der Fashion Week, allen voran Marc Cain, Sportalm und Riani, brachten dann wieder ein wenig Glamour in das derzeit so ernste Modebusiness. Das hat richtig gut getan!

Von: Brigitte Pfeifer-Medlin