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Branche profitiert von Filialschließungen

Die größten Marktteilnehmer verkleinern ihr Filialnetz. Doch neue Player wir TK Maxx und Primark expandieren teils mit sehr großen Flächen.

Laut einer aktuellen Studie von RegioData ist die Verkaufsfläche im österreichischen Bekleidungshandel im Vorjahr um 0,5 % gesunken. Bei einem Umsatzwachstum von nur 0,4 % ist die Flächenproduktivität somit zumindest um 0,7 % gestiegen. Besonders die großen Filialisten sind derzeit massiv dabei, ihr Filialnetz zu verkleinern. Alleine in den letzten zwei Jahren schrumpfte die Verkaufsfläche der zehn größten Filialisten laut RegioData um ein Zehntel auf weniger als 780.000 m2 per Jahresbeginn 2018. „Dafür ist die Verkaufsfläche der umsatzmäßig nicht so bedeutenden Marktteilnehmer in den letzten Jahren in Summe sogar leicht gestiegen“, sagt RegioData-Geschäftsführer Wolfgang Richter. „Das ist aber weniger darauf zurückzuführen, dass die ,Kleinen‘ so stark expandieren, sondern weil neue Marktteilnehmer teilweise mit sehr großen Flächen expandieren, etwa Primark, Modepark Röther oder TK Maxx.“

H&M ist mit einem Marktanteil von 12 % nach wie vor mit großem Abstand der Marktführer, obwohl die Umsätze der Schweden im Vorjahr in Österreich um knapp 4 % zurückgingen. Als Antwort auf die europaweiten Umsatzrückgänge hat H&M weitere Filialschließungen angekündigt. C&A als zweitgrößter Filialist hat sein Standortnetz in Österreich bereits um rund zwanzig Geschäfte ausgedünnt. Die Folge waren auch hier Umsatzrückgänge. Auch Peek & Cloppenburg als Drittplatzierter zeigt seit Jahren keine Ambitionen mehr, weiter zu expandieren. Alleine Kik, die Nummer vier am österreichischen Markt, eröffnet weiter neue Standorte. Der nunmehr insolvente Filialist Charles Vögele war per Ende 2017 mit 100 Filialen, rund 100.000 Quadratmeter Verkaufsfläche und einem Marktanteil von gut 3 % immer noch die Nummer 10 am österreichischen Bekleidungsmarkt. Vor zehn Jahren hatte Charles Vögele mit damals 150 Filialen noch in den Top 5 rangiert.

Auch für andere Anbieter aus dem Segment, das RegioData „konservativ/zeitlos“ nennt, läuft es derzeit nicht gut: Spürbare Umsatzrückgänge sieht das Beratungsunternehmen etwa bei den Marken Gerry Weber, Bonita, Cecil und Adler. Zulegen würden hingegen Diskonter wie Primark, TK Maxx und NKD sowie moderne Filialisten, u. a. Hallhuber, Bestseller und Dressmann.

„Die Zeiten und das Konsumverhalten haben sich verändert und es stellt sich immer dringender die Frage: Wie ist das Unternehmen positioniert“, meint Richter. „Zum Beispiel billig á la Kik oder Primark oder als loved brand á la H&M oder Zara? Unternehmen, die ,weder noch‘ sind und auch sonst keine klare Positionierung zeigen, werden in Zeiten eines kleiner werdenden stationären Marktes einfach verschwinden. Denn ständig kommen neue, coole Konzepte auf den Markt.“

Zuletzt wurden in Österreich etwa 6,4 Mio. € brutto für Bekleidung ausgegeben. In den stationären Bekleidungshandel flossen davon nur noch 4,6 Mio. €. Der Rest wurde in anderen Branchen (z. B. Verbrauchermärkte, Sporthandel) sowie im Online- und Versandhandel ausgegeben. Laut RegioData betrug der Online-Anteil an den Ausgaben für Bekleidung 2017 bereits 27 %. Zum Vergleich: Im Jahr 2010 waren es noch 6 %.

Von: Manuel Friedl