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Benko schickt Galeria Karstadt Kaufhof in Gläubigerschutz

Durch die Schließung der Warenhäuser verliert René Benkos Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof jede Woche mehr als 80 Mio. Euro Umsatz. Nun wurde ein Schutzschirmverfahren eröffnet.

Europas größter Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof sucht angesichts der Umsatzeinbrüche durch die Corona-Pandemie Rettung in einem Schutzschirmverfahren. »Die harten wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise für den innerstädtischen Non-Food-Handel und die langwierige Umsetzung staatlicher Hilfe über die Hausbank haben diesen Schritt notwendig gemacht«, betonte das Unternehmen, das 243 Standorte betreibt und deutschlandweit mehr als 28.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Dem Antrag des Unternehmens, das im Alleineigentum der österreichischen Signa Holding steht, ist bereits stattgegeben worden. Auch die Tochter Karstadt Sports ist betroffen. Mit diesem Verfahren vermeiden Unternehmen mit Finanzschwierigkeiten nach deutschem Recht einen Insolvenzantrag. Unter dem Schutzschirm sind sie für drei Monate vor dem Zugriff der Gläubiger sicher und sollen damit genügend Zeit bekommen, ihre Finanzen zu ordnen.  

Halbe Milliarde Umsatzausfall

Bereits zuvor hatte die Gruppe alle Zahlungen an Lieferanten und Vermieter gestoppt. Die Umsätze in den Warenhäusern seien schon seit Anfang März angesichts der Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus dramatisch zurückgegangen, erklärte das Unternehmen. Seit dem 18. März sind die Häuser geschlossen. Das Unternehmen zeichnet ein düsteres Bild: »Jede Woche verliert Galeria Karstadt Kaufhof so mehr als 80 Mio. € Umsatz, während wesentliche Kosten weiterlaufen. Bis Ende April wird sich der Umsatzausfall auf mehr als eine halbe Milliarde Euro summieren.«

Der Konzern erklärte, die Signa Holding des österreichischen Immobilien-Investors Rene Benko habe in den vergangenen Monaten bereits über 500 Mio. Euro in das Unternehmen gesteckt. In dieser Woche seien weitere 140 Mio. Euro überwiesen worden. Und Signa werde auch weiter dreistellige Millionensummen zur Verfügung stellen.

Verhandlungen mit Banken zu langwierig

Der Warenhauskonzern hatte schon vor zwei Wochen einen Antrag für einen staatlichen Notkredit gestellt. Dabei soll es laut Medienberichten um einen Finanzbedarf von bis zu 700 Mio. € gegangen sein. Doch Karstadt-Finanzvorstand Miguel Müllenbach machte deutlich, dass die Verhandlungen, in denen Geschäftsbanken eine entscheidende Rolle spielen, weil sie die Abwicklung der staatlich garantierten Kredite übernehmen, nicht schnell genug vorangeschritten seien. »Dieser Prozess ist sehr bürokratisch, kostet wertvolle Zeit, ist mit zusätzlichen Hürden verbunden - und hat deshalb einen ungewissen Ausgang«, erklärt Müllenbach. »Auf eine Lösung können wir aber nicht noch weitere Wochen der Krise warten, sondern müssen jetzt handeln.« Die Hausbanken müssen in solchen Fällen selbst mit einem Teil der Unterstützungssumme ins Risiko gehen, was derzeit quer durch die Branche viele Händler vor Schwierigkeiten stellt.

Sobald die Läden wieder öffnen dürfen, frühestens also eine Woche nach Ostern, will auch Karstadt den Betrieb fortsetzen.

Jahre der Krise

Die Corona-Krise trifft Galeria Karstadt Kaufhof noch mitten im Restrukturierungsprozess nach der Fusion der beiden Erzrivalen Galeria Kaufhof und Karstadt. Erst im Vorjahr wurden tausende Stellen gestrichen. Die Warenhäuser kämpfen schon seit Jahren mit Umsatzrückgängen und roten Zahlen. Der Online-Handel, Einkaufscenter und veränderte Einkaufsgewohnheiten forderten ihren Tribut. Der Zusammenschluss der beiden Unternehmen galt deshalb als letzte Chance für das in die Jahre gekommene Geschäftsmodell.

Von: Manuel Friedl