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Aus Vögele wird Miller & Monroe

Der niederländische Multilabel-Filialist steigt mit 60 Geschäften in den österreichischen Markt ein.

Und wieder eine neue Wendung im »Fall« Charles Vögele: Wie Thomas Krenn, Geschäftsführer von Charles Vögele Österreich, gegenüber der Textil Zeitung bestätigt, sollen in Kürze alle rund 60 verbliebenen Filialen auf das Multilabel-Konzept Miller & Monroe umgestellt werden. »Nach dem erfolgreich abgeschlossenen Sanierungsverfahren haben wir bzw. unser aktueller Eigentümer noch im November einen Letter Of Intent mit der Vidrea Retail B.V. zur Übernahme der Charles Vögele (Austria) GmbH abgeschlossen«, berichtet Krenn. Das ist insofern überraschend, als die niederländische Gesellschaft Vidrea bzw. deren Konzernmutter, die Victory & Dreams Holding, schon nach der Insolvenz von Charles Vögele Austria im Sommer 2018 als einer der aussichtsreichsten Kaufinteressenten gehandelt worden war. Immerhin hatte Victory & Dreams zuvor schon die Vögele-Filialnetze in den Niederlanden und Deutschland übernommen. Den Zuschlag für die österreichische Landesgesellschaft erhielt dann aber die GAEBB Group, ein Joint Venture bestehend aus dem deutschen Sanierungsspezialisten GA Europe und dem US-amerikanischen Modehändler Bebe Stores. Der Kauf durch die GAEBB Group wurde am 6. November 2018 abgeschossen – umso überraschender, dass bereits im gleichen Monat die Vereinbarung über den Weiterverkauf an den ursprünglichen Kaufinteressenten vereinbart wurde.

Wer ist Miller & Monroe?

Vidrea betreibt unter dem Namen Miller & Monroe derzeit geschätzte 350 Multilabelgeschäfte in Deutschland und den Niederlanden. Das Konzept wurde von der Victory & Dreams Holding erst vor zwei Jahren eigens aus der Taufe gehoben, um die niederländischen Vögele-Filialen zu übernehmen. Der Einstieg in Deutschland folgte im Vorjahr. Ähnlich wie der Schweizer Filialist richtet sich Miller & Monroe, benannt nach Marilyn Monroe und deren letzten Ehemann Arthur Miller, primär an Frauen und Männer über 40 Jahren und ist im mittleren bis niedrigen Preissegment angesiedelt. Verkauft werden neben einem umfassenden Angebot an Eigenmarken auch Mainstream-Brands wie Tom Tailor, Cecil, Street One, Zerres, Soyaconcept, Lerros und Casa Moda. Daneben gibt es ein kleineres Sortiment an Wohnaccessoires, Heimtextilien und Kleinmöbeln. Hinter dem Unternehmen steht eine Gruppe »führender niederländischer Investoren«, darunter die Modeunternehmer Remt Melles und Roland Kahn, wie fashionunited recherchiert hat. Die Gruppe zeigt sich äußerst expansionsfreudig: Neben den rund 300 vormaligen Charles-Vögele-Filialen hat Vidrea seit Mitte 2017 auch die niederländischen Filialisten Witteveen und Men at Work übernommen.

Die Österreich-Pläne

Bereits vor Weihnachten wurden die ersten 14 Filialen in Oberösterreich und Vorarlberg auf das neue Konzept umgerüstet. Weitere 15 sollen laut Krenn noch im Jännner folgen. »Bis zum Saisonstart Frühjahr 2019 wollen wir alle ca. 60 Charles-Vögele-Filialen auf Miller & Monroe umgestellt haben«, sagt der Österreich-Geschäftsführer. Nicht von der Umstellung betroffen sind jene Geschäfte, die bereits vor der Pleite auf das italienische Fast-Fashion-Konzept OVS umgerüstet wurden oder erst nach dem Markteinstieg von OVS im Herbst 2016 eröffnet worden waren. Für diese laufen laut Krenn eigene Verhandlungen. Ebenso gibt es Gespräche mit potenziellen Interessenten für die Schwestergesellschaften in Ungarn und Slowenien.

Probleme in Deutschland

Bei dem Tempo, das Victory & Dreams vorlegt, ist nicht weiter verwunderlich, dass nicht alles reibungslos vonstatten geht: Deutsche Lokalmedien zitierten im Dezember aus einem internen Schreiben an Mitarbeiter, in dem das Unternehmen mitteilt, dass ein Teil der übernommenen ehemaligen Vögele-Filialen »aus verschiedensten Gründen noch nicht so erfolgreich wie beispielsweise unsere holländischen Filialen bzw. einige deutsche Filialen sind.« Aufgrund dessen sei man mit einigen Vermietern in Verhandlungen, »um eine Mietreduzierung auszuhandeln und dabei wollen wir unser Filialnetz optimieren«. Mit den meisten Vermietern erziele man eine gute Einigung, doch nicht alle seien einverstanden und würden die Mietverträge kündigen. Die TextilWirtschaft berichtete im Dezember außerdem über den Abgang der beiden Deutschland-Geschäftsführer Armin Funk und Olaf Greife aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über die Art der Geschäftsführung.

Von: Manuel Friedl