Kommentar

Vor den Vorhang, bitte

Österreich ist Heimat großer Söhnetöchter und kleiner Manufakturen im textilen Bereich, wie Leichtfried Loden.

Die Jahrestagung des Fachverbandes der Textil-, Bekleidungs-, Schuh- und Lederindustrie (TBSL) gab den geselligen Rahmen, das Salzburger Kavalierhaus die repräsentative Bühne für eine Auszeichnung der besonderen Art. Gemeinsam nahmen Dr. Josef Leichtfried und sein Sohn Mag. Josef M. Leichtfried die Ehrung zum »Textilindustrieunternehmen des Jahres« für ihr Unternehmen Leichtfried Loden entgegen. Für die Dankesworte ließ die vierte der fünften Generation bereits den Vortritt. Das 130-jährige Bestandsjubiläum konnte die Tuch- und Lodenfabrik Leichtfried im Vorjahr feiern. Man ist einer von nur zwei verbliebenen Produktionsbetrieben, welche die große österreichische Lodentradition heutzutage fortführen. Von kleinsten Anfängen mit von Hand betriebenen Maschinen entwickelte sich das Unternehmen über die Jahrzehnte zu einer leistungsfähigen Volltuchfabrik: »Ein Schmuckstück«, wie Verbandsobmann und Linz Textil Manager Ing. Manfred Kern in seiner Laudatio betonte.  

Entstaubt & international  

Die verwendeten Rohstoffe – neben feinster Schafwolle auch Edelhaare wie Alpaka oder Kaschmir – werden bei Leichtfried Loden gefärbt, gemischt, versponnen, gewebt, gewalkt und veredelt: Man arbeitet also vollstufig. Seit Übernahme der Geschäftsführung 1983 hat der heutige Eigentümer kompromisslos auf Top-Qualität gesetzt. Man kann mit Fug und Recht sagen: Dr. Leichtfried entstaubte das Bild vom groben, schweren und rauen Loden. Durch unglaubliche Farbenvielfalt sowie der Verwendung feinster australischer Merinowolle präsentiert sich Leichtfried Loden nunmehr als weiches und leichtes Streichgarntuch für zahlreiche Verwendungszwecke. Traditionsreiche Trachtenunternehmen, wie Lodenfrey, Schneiders oder Gössl, beziehen die Stoffe aus Möbersdorf nahe Zeltweg. Seit der Jahrtausendwende beliefert Leichtfried Loden mit wachsendem Erfolg auch die Modeindustrie. Luxuslabels wie Chanel, Yves Saint Laurent, Jean-Paul Gaultier oder Vivienne Westwood setzen in ihren Kollektionen auf Qualität und Design »Made in Styria« und ebnen den feinen Stoffen den Weg in die internationale Haute Couture. Neben Tracht und Mode wird Leichtfried Loden immer öfter auch im Interieur-Bereich zur Ausstattung von Hotels und privatem Wohnraum eingesetzt. Kuschelige Doubleface Plaids und Ponchos aus eigener Erzeugung runden das Produktportfolio ab. Unterm Strich alles ein Beweis, wieviel Wohlgefühl im reinen Naturprodukt Loden steckt.  

Handgenäht & naturgefärbt  

Ja, es gibt noch mehr solche Unternehmensperlen, über die man als HAKA-Redakteur bei Recherchen eher zufällig »stolpert«. Schon einmal etwas von JMB Fashion Team gehört? »Handgemacht im Steirischen Vulkanland« ist eine zentrale Botschaft von Geschäftsführer und Unternehmerpersönlichkeit Gert Rücker. Mit mehr als 40 Mitarbeiterinnen bietet er ein Full Service in Sachen nachhaltiger Bekleidungsproduktion an. Diesen nutzen Bogner oder Frauenschuh ebenso gerne, wie Corporate Fashion Kunden, Maßkonfektionäre oder Theaterproduktionen für anspruchsvolle Bühnenkostüme. Oder kennen Sie die Textilfärberei Fritsch im 23. Wiener Gemeindebezirk? Dort werden u.a. Woll-, Alpaka-, Seiden- oder Leinengarne mit natürlichen Farbstoffen behandelt. 12 Jahre Know-how im Umgang mit Krappwurzeln, Wau, Indigo, Cochenille-Läusen und Blutholz sowie mit Beizmitteln von Alaun bis Weinstein bedeuten einen Vorsprung in einer textilen Nische, bei der Rückbesinnung auf alte Werte, aktuelle Umweltzertifikate und nachhaltiges Agieren eine immer größere Rolle spielen. Eben war ein Fernsehteam aus Deutschland da, weil sich die besondere Expertise von Rudolf Fritsch bis über unsere Grenzen rumgesprochen hat. Da ist's mir als Österreicher und Redakteur für die Österreichische Textil Zeitung eine besondere Freude, heimische Textilspezialisten vor den Vorhang zu holen.


Von: Christian Derflinger

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In unserer Kategorie Kommentar schreiben die Redakteure der Österreichischen Textil Zeitung darüber, was sie in der vergangenen Woche bewegt hat. Die Welt der Modeindustrie und des Modehandels, ihre Tücken, Herausforderungen und Kuriositäten - ganz persönlich im Kommentar auf den Punkt gebracht.

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