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So geht Great Store Design

Das Buch Great Store Design zeigt anhand von großen Marken und deren Flag Ships, wie man es auch in Zeiten von E-Commerce-Business und Wirtschaftskrisen schaffen kann, den POS zum Erlebnis zu machen.

KaDeWe, Mercedes, Ermenegildo Zegna oder Mulberry – sie alle haben eines gemein: Sie wissen, was Great Store Design ist und setzen es um. Das gleichnamige Buch, »edited by Natalie Hänze« und für 39,90 Euro im teNeues Verlag erschienen, proträtiert Flagship Stores weltweit, die mit Produktpräsentation und Innenarchitektur gleichermaßen überzeugen können.

No-Go Effekthascherei

Wer glaubt, es gehe bei einem gelungenen Store-Konzept um sensationell gute Effekte und pure Provokation, der wird durch das Buch Great Store Design schnell eines Besseren belehrt: Die Biographie eines Labels soll durch den Shop zum Erlebnis gemacht werden. Storytelling lautet hier der neudeutsche Anglizismus, um den es heute geht. Eine Geschichte gut an den Kunden zu bringen, bedeutet aber nicht zwangsläufig viel Schischi und großes Trara. Manchmal überzeugt gerade die Reduzierung auf das Wesentliche, ohne überladenes Deko-Konzept, wie etwa bei Issey Miyake in Tokio oder auch die Sneaker Hall im KaDeWe. Der Kunde muss die Idee des Stores begreifen können, ohne überfordert zu werden. Der Kunde sollte im besten Falle, beim Verlassen des Ladens, von der Markenwelt beeindruckt sein, so die Maxime des Stardesigners Peter Marino.

Sehnsucht wecken

Zurück zum Ursprung zu gehen ist meist keine schlechte Idee, wie auch Great Store Design aufzeigt: So waren es etwa die Jeans Stores der 60er-Jahre mit ihren Kabinen mit Saloon-Türen anstatt langweiliger Vorhänge aus Kunststoff und mit ihren bis oben hin mit Denims zugestopften Regalen, die bei den Kunden die Sehnsucht nach Freiheit weckten – in der perfekt sitzenden Jeans natürlich! Denn das ist Lebensfreude pur! Bis heute sind rustikale, grobe und natürliche Elemente nicht aus erfolgreichen Store Designs wegzudenken - so auch bei den Heritage-Konzepten. Absolute Könner auf letzterem Gebiet sind Stephen Alesch und Robin Standefer vom New Yorker Architekturbüro Roman & Williams. Begonnen haben sie mit Stage Design in Hollywood. Nun wenden sie ihre Stilmittel erfolgreich im Store Design an, wie bei ihrem neuesten Projekt, dem Replay Store in Mailand. Der Laden ist, wie im Film, in verschiedene Sets aufgeteilt, die einen spannenden Blickwechsel zulassen und jeweils eigenständig für sich sprechen: Backstage-Szenerien wechseln mit Bühnen- und Set-Szenen.

Und die Moral aus der G’Schicht von Great Store Design ist so simpel wie logisch: Design fußt auf Kreativität und Kreativität wiederum hält sich nicht an rationale Regeln. Es sind dagegen Emotion und Empathie im perfekten Mischverhältnis, die sich, kombiniert mit einer Prise Veränderungsambition, zu einem Gericht namens Great Store Design zaubern lassen.


Von: Christiane Marie Jördens

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