Kommentar

Skandale à la mode

Skandalmodels, empörende Statements von so manchem Designer oder peinliche Selfie-Fauxpas in sozialen Netzwerken - die Liste der Skandale in der Welt der Mode wird immer länger.

Eine Dame gesetzteren Alters kam einmal direkt auf mich zu, mit dem Ratschlag: »Halte dich aus der Modebranche lieber fern, sie ist voller Skandale und Oberflächlichkeit. Ehe du dich versiehst, wirst du hineingezogen!« Ein bisschen Wahrheitsgehalt hatte ihre Aussage wohl, vor allem angesichts der vielen Schlagzeilen, die sich tagtäglich in unseren virtuellen Newsfeeds wiederfinden oder uns am Wochenende auf der Titelseite des Lieblings-Klatschblattes entgegenblicken. Ganz aktuell macht das peinliche Nacktfoto des Designers Marc Jacobs die Runde, das die Liste der Skandale in der Mode wohl derzeit anführt, für den Designer laut eigenen Angaben aber nicht weiter tragisch: Er flirte nun mal gerne online und versende zu diesem Zweck auch mal das eine oder andere Foto im Adamskostüm.

Provokation ist alles

In der Modewelt ist es nicht anders als in der Welt der Werbung: Provokation ist das, was für am meisten Aufmerksamkeit und Neugierde sorgt. Auch wenn es vielen Menschen nicht gefällt, was sie lesen, hören und sehen – interessieren tut es sie ja doch! Jaja, beim Publizistikstudium an der Uni lernt man als angehender Journalist schon früh: »Only bad news are good news!«. Ob nun Benetton mit blutüberströmten Models, die an Soldaten des Bosnienkriegs erinnern sollen oder Ex-Dior-Designer John Galliano, der mit antisemtischen und rassistischen Äußerungen von sich hören machte – schlechtes, öffentliches Feedback ist und bleibt Aufmerksamkeit und die Profis aus der Branche wissen schon ganz genau, wie sie sich ihre hausgemachten Skandale zu Nutze machen können.

Die Sache mit den Vorbildern

Der Zweck heiligt ja bekanntlich die Mittel, doch auch wenn es in der Mode auch nur darum geht, Business zu machen und Geld zu verdienen, muss doch erlaubt zu sein, zu fragen, was Skandale im Nachgang mit sich bringen: Eine koksende Kate Moss als Vorbild für die jungen, 16-jährigen Models von morgen? Oder wie ist es mit den vielen Designern, die trotz erfolgreich für die Modeschauen etablierte BMI-Begrenzung in Ländern wie Spanien und Frankreich, öffentlich revoltieren und behaupten, man könne Mode angemessen eben nur an Models vorführen, die den »idealen Maßen« entsprechen? Trotz aller trockenen Argumente für das Geschäft und den Absatz oder gar die Kunst, muss einem doch eins klar sein: Wer in der Modebranche agiert, spricht vor allem junge Endkunden an, die von Aussagen und Aktionen nicht unbeeinflusst bleiben – ob dies nun unbewusst oder bewusst geschieht.

Nichts geht mehr ohne…Skandale

Natürlich, mir ist als Moderedakteurin mehr als bewusst: Der Kampf um die vordersten Ränge in der Modebranche ist hart und Präsenz ist gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wichtiger denn je. Wie man sich diese aber verdient, ist aber so eine Sache: Genau das macht ein gutes Marketingteam und vor allem die Kompetenz der Designer und den gelungenen Brückenschlag zwischen Kunst und Business aus – Wie verkaufe ich mich und meine Kreationen, ganz ohne Skandale und dafür mit einer gehörigen Portion Authentizität und Stolz?


Von: Christiane Marie Jördens

Kommentar

In unserer Kategorie Kommentar schreiben die Redakteure der Österreichischen Textil Zeitung darüber, was sie in der vergangenen Woche bewegt hat. Die Welt der Modeindustrie und des Modehandels, ihre Tücken, Herausforderungen und Kuriositäten - ganz persönlich im Kommentar auf den Punkt gebracht.

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