Kommentar

Love your logo!

Das Logo erlebt in der Mode gerade sein Revival.

Subtil war gestern, heute darf es wieder plakativ sein. Das ist schon witzig. Ich erinnere mich zurück. Mitte der Neunziger. Ich war 14. Damals hörte ich Grunge-Musik. Trug Tag und Nacht meinen Fruit of the Loom-Kapuzenpulli mit seinem charakteristischen Obst-Logo. Ohne den ging nix. Gar nix. Wir alle fühlten uns damals schrecklich cool damit. Meiner sentimentalen Ader habe ich es wohl zu verdanken, dass dieser dunkelgrüne Lieblingspulli noch immer in meinem Kleiderschrank liegen darf. Anno 1995 hätte ich es mir nie erträumen lassen, jemals etwas anderes anzuziehen als meinen Fruit of the Loom-Kapuzenpulli. 2015 wiederum hätte ich es mir nie erträumen lassen, jemals wieder in dieses Ding zu schlüpfen (außer vielleicht für gemütliche Abende am heimischen Sofa).

Die Logos sind zurück – von Gucci bis Ellesse

Und nun das: Das Obstlogo samt Hoodie ist zurück. Erlebt genauso ein Revival wie 90er-Kultmarke Champion. Oder Sportbrand Ellesse. Die ikonischen Sportlabels der 90er sind jetzt am Zug. Ellesse wird gerade in einer Art Shop-in-Shop bei Topshop vertrieben. Gesehen im Flagship Store am Londoner Oxford Circus – und herzlich darüber gelacht. Alles kehrt wieder in der Mode, heißt es. Wie wahr, wie wahr. Waren massiv zur Schau gestellte Markenlogos in den letzten Jahren verpönt und peinlich, trägt man die typischen Schriftzüge und Symbolbilder ausgewählter Marken nun wieder aus vollster modischer Überzeugung. Natürlich immer mit einem gewollten Augenzwinkern. Auch ich ertappe mich dabei, Logos wieder spannend zu finden. Objekt der Begierde: die »Original GG Canvas Shoulder Bag« von Gucci. Das bekannte Logo Canvas, die Farben Rot und Grün, der Streifen. Lust gemacht hat aber vor allem die Biene. Mitten auf den roten Stoffstreifen gestickt. Eine Idee des neuen, gehypten Kreativdirektors Alessandro Michele. Und damit sind wir auch schon beim Kern der um sich greifenden Logoliebe angekommen: Logos sind entweder begehrlich, weil sie Retroappeal haben (siehe Ellesse) oder weil sie neu interpretiert wurden (siehe Gucci). Die Blogger haben es natürlich zuerst entdeckt: Sie schreien per Logo in die Welt hinaus, wen sie cool finden. Ein schneller Blick auf das Foto auf Instagram reicht.

Logos: Luxus und Mainstream lieben sie gleichermaßen

Auch Mainstream-Brands wie Marc O'Polo entdecken ihr Logo neu. Die sonst eher auf Zurückhaltung setzende deutsche Kollektion präsentiert zum Herbst/Winter 2016 ihren Logo Sweater und will damit »ein modisches Statement« setzen. Es gehe darum, einen Klassiker neu zu interpretieren. Das Logo als Teil der Geschichte, Teil der Herkunft. Bei Marc O'Polo trifft das zu. Back to the roots muss aber nicht sein, beweisen Sir Philipp Green und Popstar Beyonce: Deren brandneue Sportkollektion Ivy Park erschlägt einen fast mit ihrem Logo. Dick protzt da der Schriftzug auf dem Shirt. Dezent? War gestern! Und obwohl man im ersten Moment vielleicht den Kopf schüttelt, amüsiert über so viel Selbstvertrauen einer eben erst lancierten Marke, zieht es an. Die Kids zeigen sich selbstbewusst damit in ihren Kurzvideos auf Snapchat. Sie stehen drauf. So wie ich damals auf meinen Fruit of the Loom Hoodie. Logos? Logo!

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In unserer Kategorie Kommentar schreiben die Redakteure der Österreichischen Textil Zeitung darüber, was sie in der vergangenen Woche bewegt hat. Die Welt der Modeindustrie und des Modehandels, ihre Tücken, Herausforderungen und Kuriositäten - ganz persönlich im Kommentar auf den Punkt gebracht.

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