Kommentar

Geschickt eingefädelt mit Guido

Nach Erfolgsformaten wie Shopping Queen oder Das Supertalent, widmet sich Guido Maria Kretschmer nun mit »Geschickt eingefädelt« den deutschen Schneidertalenten.

Nein, Guiiiidooo schreien diesmal nicht fünf hochnervöse Kandidatinnen vor der Wochenbewertung ihrer Shopping Queen Outfits durch den »Godfather of German Fashion«, Guido Maria Kretschmer, sondern eine kleine Gruppe leicht angespannter Hobbyschneider, die sich ab sofort in sechs Folgen von »Geschickt eingefädelt« Woche für Woche dem harten Urteil einer professionellen Schneider-Jury stellen müssen.

Setzen, 5!

Nein, so schlimm hat es mich während meiner Hauptschulzeit und den zugegebenermaßen langweiligen Handarbeitsstunden dann doch nie getroffen. Aber ich muss auch sagen, ich habe es gehasst, den pinken Wickelrock an der Singer-Nähmaschine zu nähen, vom Deckerl sticken ganz zu schweigen! Handarbeitsunterricht war definitiv nicht meins! Dann schon lieber Zuhause am Schreibtisch sitzen und bunte Entwürfe von edlen Abendkleidern zeichnen, die die liebe Oma dann in die Tat umsetzen musste. Geschickt eingefädelt hingegen, verströmt dank einem ganz besonderen Jury-Mitglied, der Bundeschefin der Maßschneiderzunft, Inge Szoltysik-Sparrer, genau dieses Schul-Flair, das unsereins so schmerzlich vermisst hat - not! Guidos auswendig gelernte Moderationssätze wie »Deutschland ist im großen Handarbeitsfieber« tun da ihr Übriges, um das eine oder andere Gähnen zu provozieren.

Der Mix macht's

Eins muss man dem Format »Geschickt eingefädelt« aber wirklich zugutehalten: Die Mischung der Kandidaten kann sich sehen lassen. Da gibt es zum Beispiel eine Diplom-Biologin, die sich gerne in Manga-Outfits zeigt und einen 41-jährigen Unternehmensberater mit Wohlfühlbäuchlein, der gleich in der ersten Folge ein ausgedientes Männerhemd in ein – sagen wir einmal – leicht exzentrisch wirkendes Party-Top umschneidert. Ursprünglich kommt das Format von den britischen Nachbarn und heißt »The Great British Sewing Bee«. 2013 gewann dort eine begnadete 81-Jährige. Wie toll! Oma, magst du dich auch bewerben?

Note Befriedigend

Alles in allem möchte ich der Sendung »Geschickt eingefädelt« ihre Daseinsberechtigung nicht absprechen. Schließlich macht es doch durchaus Sinn, unsere Smartphone- und Tablet-süchtigen Teenies von der Couch hochzujagen, um sie mit rauchenden Köpfen und voller Eifer an der Overlock sitzen zu sehen. Allerdings bin ich und bleibe ich ein bekennender Shopping Queen Fan und für »Geschickt eingefädelt« wünsche ich mir dann doch bitte eine Prise mehr Drama, Baby!


Von: Christiane Marie Jördens

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In unserer Kategorie Kommentar schreiben die Redakteure der Österreichischen Textil Zeitung darüber, was sie in der vergangenen Woche bewegt hat. Die Welt der Modeindustrie und des Modehandels, ihre Tücken, Herausforderungen und Kuriositäten - ganz persönlich im Kommentar auf den Punkt gebracht.

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